Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2018 / 05 S. 13

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LaVita Vitalstoffkonzentrat

Anbieter: LaVita GmbH, Kumhausen, Deutschland

Was ist LaVita? LaVita Vitalstoffkonzentrat ist ein Getränk, das aus diversen Ausgangsprodukten hergestellt wird: Gemüse, Früchte, Kräuter, Aloe vera, Grüner und Mate Tee und mehr. Laut Anbieter „optimiert (es) die Ernährung … mit allen wichtigen Vitalstoffen“.1 Angeblich „nutzt LaVita die Synergieeffekte einer natürlichen Ernährung – so wie sie unser Körper seit Jahrmillionen kennt“. Ein halber Liter LaVita kostet 50 €, was je nach Dosierung Tageskosten von 1 bis 2 € entspricht.

Was ist belegt? Falsch ist die Aussage: Die Menschheit ist Jahrmillionen alt. Richtig ist: Obst und Gemüse enthalten viele wichtige Inhaltsstoffe.

Für die in seinem Getränk enthaltenen Vitamine und andere Stoffe listet der Anbieter allerlei Aussagen zum gesundheitlichen Nutzen auf. Gesundheitsbezogene Aussagen sind erlaubt, sofern die zuständige europä­ische Behörde EFSA diese Aussagen zuvor geneh­migt hat. „Erlaubt heißt aber nicht belegt“, wie Fachleute auf der österreichischen Webseite von „Medizin transparent“ am Beispiel Folsäure betonen. Im Klartext: Erlaubt ist zum Beispiel die Formulierung, Folsäure „trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei“. Denn in der Tat kann Folsäuremangel zu Müdigkeit führen. Aber der Umkehrschluss „Müdigkeit liegt an Folsäuremangel“ ist falsch. Ebenso die Überlegung: Wenn ich Folsäure einnehme, mindert das meine Müdigkeit. Dieses Missverständnis besteht bei vielen weiteren Nährstoffen. Fakt ist: Unser Körper benötigt sie, aber eine erhöhte Zufuhr ist nicht automatisch nützlich – sie kann sogar schaden.2

Zeigen wissenschaftliche Studien einen Nutzen von LaVita? Die erhältlichen Untersuchungen sind wenig aussagekräftig. Bei zwei Studien wurden Blutwerte von jeweils etwa 150 Personen nach sechsmonatigem Konsum von LaVita bestimmt, was aber keine Rückschlüsse auf einen gesundheitlichen Vorteil zulässt.3,4 Eine dritte Studie zeigt, dass Stoffe wie Eisen, Selen oder Vitamin A von LaVita ins Blut übergehen, was beim Essen von Obst und Gemüse nicht anders wäre.5

Ob die Studien wissenschaftlich unabhängig durchgeführt wurden, ist fraglich. Es fehlen Angaben zu Interessenkonflikten der Autoren sowie zur Finanzierung. Hauptautor der Studienberichte ist in allen Fällen Claus Muss. Er ist Vorstand der Gesellschaft für angewandte Präventionsmedizin e.V., die die Verwendung von Nährstoffprodukten in der Medizin fördern möchte, und Anhänger der höchst umstrittenen orthomolekularen Medizin.6 Claus Muss bietet Seminare an, die auf LaVita verweisen, zum Beispiel „Vitalstoffe bei Krebs: (Kontra-) Indiziert?“.7

Wer sich von LaVita einen gesundheitlichen Zusatznutzen verspricht, den müssen wir enttäuschen: Das ist nicht durch verlässliche Studien belegt. Wer noch andere Nahrungsergänzungsmittel schluckt, sollte bedenken, dass ein Zuviel bei manchen Nährstoffen schaden kann, beispielsweise bei Selen.

Was sagt GPSP? Multinährstoffprodukte gibt es viele – auch wenn die Hersteller ihre Produkte jeweils als einzigartig darstellen. Doch wie wir in GPSP unermüdlich schildern: Wer gesund ist und sich normal ernährt, nimmt die notwendigen Stoffe in ausreichender Menge auf. Und frische, abwechslungsreiche und meist auch sehr preiswerte Lebensmittel gibt es das ganze Jahr über. Bon appétit.


1    www.lavita.de/warum-lavita (Abruf 11.5.2018)
2    www.medizin-transparent.at/lavita (Abruf 11.5.2018)
3    Muss C u.a. (2016) Neuro Endocrinol Lett; 37, S. 345
4    Muss C u.a. (2016) Neuro Endocrinol Lett; 37, S. 18
5    Muss C u.a. (2015) Neuro Endocrinol Lett; 36, S. 337
6    www.i-gap.org/aufgaben.php (Abruf 11.5.2018)
7   www.i-gap.org/app/dokumente/igap_Flyer_2018.pdf (Abruf 11.5.2018)

Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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