Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2018 / 06 S. 24aLb

Leserbrief:

Antidepressiva absetzen

Ich war schon etwas überrascht, als ich in GPSP 5/2018 den Artikel über das Absetzen von Antidepressiva gelesen habe, und möchte dazu einiges bemerken. Ich kann das aus Sicht einer Betroffenen tun, die es grundsätzlich „geschafft“ hat, Psychopharmaka abzusetzen.

Dem Interesse von Betroffenen, Medikamente zu reduzieren oder gar abzusetzen, stehen ganz besonders Psychiater in den Kliniken nicht wirklich offen gegenüber, in der Regel aber auch offen ablehnend. Bei den niedergelassenen Fachärzten kann man eher (aber doch auch noch selten) eine Bereitschaft und Unterstützung erleben.

Psychiater lernen, wie man Psychopharmaka anwendet und dosiert, aber leider nicht wie man unter Umständen mit einem Minimum auskommen kann oder gar wann und wie diese Medikamente abgesetzt werden können.

Aus eigener Erfahrung und durch Erfahrungsberichten von Psychiatrie-Erfahrenen scheint es ziemlich unmöglich, für das Absetzen allgemein gültige Anleitungen zu formulieren.

Wie möchte man die Empfehlung „ganz langsam“ konkret in Zahlen ausdrücken?

Ich habe es in knapp fünfeinhalb Jahren geschafft, zwei Neuroleptika, ein SSRI-Antidepressivum und eine Schlaftablette (alles zusammen eine jahrzehntelange Dauermedikation) abzusetzen. Im November 2018 lebe ich ein Jahr ohne jegliche Psychopille.

Welche Entzugserscheinung wer bekommt ist ebenfalls schwierig zu formulieren, da zum Beispiel auch die Nebenwirkungen während der Einnahme vollkommen unterschiedlich sind.

Nur einfach Absetzen ist auch nicht so ratsam; man sollte sich schon eine „neue Haltung“ zur eigenen „Krankheit“ erarbeiten beziehungsweise finden. Übrigens, nicht jeder der „möchte,“ schafft das Absetzen wirklich. Ganz wichtig ist dann, dass man sich nicht als „Versager“ oder in irgendeiner Form schuldig fühlt!  B. K.

GPSP: Vielen Dank für die Schilderung Ihrer persönlichen Erfahrungen. Mit unserem Artikel wollten wir darauf hinweisen, dass es oft nicht einfach ist, Antidepressiva abzusetzen und dass es wichtig ist, die durch das Absetzen möglicherweise entstehenden Symptome überhaupt als solche zu deuten. Sie schreiben, dass es schwierig ist, allgemein gültige Regeln zu formulieren. Das allmähliche Absetzen kann für manche Patientinnen und Patienten eine Hilfe sein, für andere vielleicht weniger. Wichtig scheint uns, und darauf haben wir im Artikel hingewiesen, dass ein geplanter Absetzversuch immer mit einem Arzt besprochen und anschließend auch intensiv begleitet werden sollte.


Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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