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© Utopia_88/iStock

Tiere, Menschen, Infektionen

Isabella Eckerle (2023) Von Viren, Fledermäusen und Menschen. München: Droemer HC, 288 Seiten, Hard­cover 22 €, eBook 18,99 €

Die Virologin Isabella Eckerle berichtet anschaulich von ihrer Arbeit und macht Vorschläge zum Schutz vor zukünftigen Pandemien.

Mit der Corona-Pandemie ist das Thema Zoonosen – die Übertragung von Krankheitserregern zwischen Tieren und Menschen – stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Aufmerksamkeit wird es voraussichtlich auch in Zukunft bekommen: Der Verlust von natürlichen Lebensräumen, eine weltweit hohe Nachfrage nach Fleisch und anderen Tierprodukten, aber auch nach exotischen Haustieren, könnten Kontakte zwischen Menschen, Wild- und Nutztieren in Zukunft noch häufiger machen – was auch das Risiko von Infektionen steigen ließe, die sich in einer vernetzten Welt rasch ausbreiten können. In ihrem Buch „Von Viren, Fledermäusen und Menschen“ widmet sich die Virologin Prof. Dr. Isabella Eckerle diesem Thema. Sie klärt verständlich über Viren wie etwa Hanta, Hendra und Nipah auf und legt anhand von anonymisierten Fallbeispielen schlüssig dar, dass die Infektionswege in einer globalisierten Welt verschlungen und deshalb für Fachleute mitunter schwer nachzuvollziehen sind.

Anschaulich berichtet sie auch von einem Forschungsaufenthalt in Gabun. In dem zentralafrikanischen Staat forschte Eckerle mit Kolleg:innen an Fledermäusen und Flughunden. Die Tiere sind Träger vieler pathogener (Krankheiten verursachender) Erreger. Dennoch rät Eckerle davon ab, Fledermäuse und Flughunde zu töten: einerseits, weil die Tiere wichtige Funktionen in Ökosystemen haben, indem sie zum Beispiel Schädlinge fressen, andererseits, weil das sogenannte Keulen mehreren Studien zufolge langfristig sogar zu einem Anstieg der Infektionsraten in den Tieren geführt hat. Anstatt Ökosysteme zu stören, sollte man sich stattdessen lieber auf einen „One-Health-Ansatz“ konzentrieren, der die Gesundheit von Menschen, Tieren und der Umwelt vernetzt betrachtet und auf Zusammenarbeit von Expert:innen wie Virolog:innen, Wildtierökolog:innen und Tier­ärzt:innen beruht, so Eckerle. Ihr Buch enthält auch einige Vorschläge, wie man Krankheitserreger, von denen viele der Forschung noch nicht bekannt sind, in Zukunft eher erkennen und bekämpfen könnte: Einer davon lautet, Nutz-, Haus- und Wildtiere, die in Menschennähe leben, zu überwachen. Auch könnten alle dazu beitragen, das Risiko von Zoonosen zu senken, indem sie zum Beispiel auf exotische Haustiere verzichten.

Einige von Eckerles Vorstellungen klingen jedoch sehr ambitioniert. Dass es etwa möglich sein wird, „jedem Lebewesen seinen eigenen, ausreichenden Platz ein[zu]räumen, an dem eine würdevolle Existenz möglich ist“, könnte zum Beispiel an unterschiedlichen Interessen und mangelndem Wissen scheitern. Auch deshalb – und weil Pandemien gesundheitlich und wirtschaftlich große Schäden in Gesellschaften anrichten können – lohnt es sich aber, diese durchaus persönliche Einschätzung einer Expertin über die Ausbreitung von Viren zu lesen.

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– Gute Pillen – Schlechte Pillen 06/2023 / S.16