Krebs verstehen in leichter Sprache
Zwei Broschüren sollen Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen den Zugang zu Krebsfrüherkennung und -behandlung erleichtern. Gelingt das?
Der Arzt oder die Ärztin haben oft wenig Zeit, im Gespräch fallen schwierige Fachbegriffe: Für Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen gibt es bei der Krebsfrüherkennung viele Hürden.1,2


Zwei Broschüren der Bundesvereinigung Lebenshilfe und der Deutschen Krebsgesellschaft sollen ihnen den Zugang zu Krebsfrüherkennung und Therapien erleichtern. Sie stammen von der französischen Organisation ONCODÉFI und wurden ins Deutsche übersetzt. An ihrer Entwicklung und Gestaltung haben Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen mitgewirkt.
Die Broschüren sind 90 bzw. 110 Seiten lang und den Herausgebern zufolge an die Versorgungssituation in Deutschland angepasst worden.
Während das erste Buch, „Monika geht zur Brustkrebs-Vorsorge, Jan geht zur Darmkrebs-Vorsorge, Sarah macht einen Abstrich“, die Abläufe bei der Früherkennung verschiedener Krebsarten schildert, erkrankt im zweiten die Hauptfigur an Krebs.
Das Buch „Lucy bekommt eine Krebs-Behandlung“, beschreibt den Verlauf ihrer Operation, einer Chemo- und Strahlentherapie einschließlich häufiger Nebenwirkungen – Haarverlust, Appetitlosigkeit und Fatigue, ausgeprägte Müdigkeit – und nutzt dafür bunte Illustrationen.
Den Broschüren gelingt es, die Thematik anschaulich darzustellen. Dafür sorgen auch die Illustrationen. Auch die Gefühle der Figuren werden thematisiert: Die Untersuchung der Gynäkologin vor dem Krebsabstrich empfindet Sarah beispielsweise als „unangenehm“.
Schwierige Fachbegriffe wie „Anästhesist“ werden mit deutschen Begriffen wie „Narkose-Arzt“ übersetzt, erklärt und der besseren Lesbarkeit halber mit einem Bindestrich geschrieben. Auch gibt es immer wieder indirekte Ermutigungen an die Leser:innen, an die Früherkennung zu denken: „Jan findet seine Gesundheit wichtig.“ (…) „Er macht jedes Jahr eine Darmkrebs-Vorsorge.“
Allerdings werden Früherkennungsuntersuchungen, Krebsbehandlungen und -genesungen in den Broschüren recht idealtypisch dargestellt – wohl mit der Absicht, der Zielgruppe Ängste zu nehmen. So verfügt zum Beispiel Jans Betreuerin Nicole über ausreichend Zeit, ihn während seiner gesamten Darmkrebs-Vorsorge zu unterstützen. Auf manche Nebenwirkung einer Chemo- oder Strahlentherapie wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall gehen die Broschüren nicht ein. Keine Erwähnung finden zudem mögliche Risiken von Früherkennungsuntersuchungen.
Dies ist schade, aber in Anbetracht des gesetzten Ziels, möglichst einfach über die Krebsvorsorge und -behandlung zu informieren, natürlich auch schwierig. Diese Aufgabe erfüllen die Broschüren.
Die kostenlosen Bücher können online bei der Lebenshilfe bestellt werden. Sie lassen sich im Beruf oder Ehrenamt nutzen, aber auch verschenken – zum Beispiel an Angehörige mit geistigen Beeinträchtigungen.
Stand: 2. März 2023 – Gute Pillen – Schlechte Pillen 02/2023 / S.23