Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2018 / 03 S. 03b

Gar nicht so „soft“

Großbritannien geht gegen zuckrige Getränke vor

Besonders übersüßte Getränke und andere stark zuckerhaltige Lebensmittel führen zu Übergewicht – und in der Folge zu Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Großbritannien hat jetzt Konsequenzen gezogen und eine Steuer für Softdrinks eingeführt. 

Seit dem 6. April kosten jenseits des Kanals süße Limonaden mit 50 g Zucker pro Liter 21 Cent mehr, Limos ab 80 g Zucker werden um 28 Cent teurer. Mit der Steuer sollen zwei Ziele erreicht werden: Die Preiserhöhung soll den Konsum reduzieren und die Hersteller dazu bewegen, den Zuckergehalt ihrer Softgetränke zu senken. Letzteres hat schon Wirkung gezeigt. Die größten Hersteller haben rechtzeitig die Reißleine gezogen und schütten in etliche Getränke deutlich weniger Zucker. So enthielt z.B. Fanta in Großbritannien vorher 69 g Zucker und jetzt 46 g pro Liter. In Deutschland stecken jedoch noch immer satte 91 g Zucker in jedem Liter!1 Insofern entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, wenn Coca-Cola Deutschland-Chef Patrick Kammerer behauptet: „Man kann Übergewicht nicht wegbesteuern.“2 Das sieht nicht nur die Weltgesundheitsorganisation anders.3 Erfahrungen in mehreren Ländern zeigen, dass dank der Steuern der Umsatz von gesüßten Getränken und Lebensmitteln zurückgeht.3

Hierzulande wird wenig gegen die Zuckerschwemme unternommen. Die neue Bundesregierung hat nicht einmal die Lebensmittelampel im Plan – die gibt es in Großbritannien bereits seit Jahren.

1    Foodwatch www.foodwatch.org/de/informieren/aktuelle-nachrichten/britische-hersteller-abgabe-auf-zuckergetraenke-wirkt/
2    Stalinski S (2018) Süße Gefahr. tagesschau.de 4.4. www.tagesschau.de/inland/zucker-103.html
3    WHO (2015) Fiscal policies for diet and prevention of noncommunicable diseases.

Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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