Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2017 / 03 S. 24bLb

Leserbriefe:

Marcumar und Demenz?

Ich habe im Internet einen Artikel gefunden, in dem es um eine amerikanische Studie zu Warfarin geht. In dieser Studie heißt es, dass das Medikament bei langjähriger Einnahme zu Demenz führt. Sind Ihnen dazu Informationen bekannt? C.S.

GPSP: Die von Ihnen erwähnte Studie wurde mit Warfarin durchgeführt, das dem in Deutschland gebräuchlichen Blutgerinnungshemmer Phenprocoumon (Marcumar®) ähnlich ist.1 Es wurde aber etwas anderes untersucht, als Sie annehmen. Die Fragestellung war nicht, ob Patienten unter Warfarin allgemein häufiger Demenz bekommen. Vielmehr ging es darum, ob sie häufiger Anzeichen von Demenz entwickeln, wenn sie wegen Vorhofflimmern Warfarin einnehmen, als Patienten, die wegen anderer Erkrankungen (meistens zur Senkung des Thromboserisikos) Warfarin verschrieben bekommen. Das war der Fall.

Das Demenzrisiko war also das Vorhofflimmern, und nicht die Behandlung mit Warfarin. Darüber hinaus ergab die Studie, dass Patienten, bei denen die Gerinnungshemmung mit Warfarin schlecht eingestellt war, häufiger dement wurden als solche, die gut eingestellt waren. Das galt in beiden Patientengruppen. Also kann man sogar umgekehrt sagen, dass eine gute Einstellung mit einem Blutgerinnungshemmer vor Demenz schützt.

Falls Sie persönlich Phenprocoumon (Marcumar®) einnehmen und gut eingestellt sind, sollten Sie sich also nicht verwirren lassen. Vor allem sollten Sie nicht unnötig auf ein anderes Medikament wechseln. Über die Risiken der neuen Gerinnungshemmer (Antikoagulanzien) haben wir in GPSP 6/2013, S. 4 berichtet.


1    Bunch TJ (2016) J Am Heart Assoc; 57, S. e003932


Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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