Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2012 / 01 S. 06

Wenn Insulin-Pen oder Inhalator versagen

Fehlfunktionen richtig einschätzen

Wenn Insulin-Pens oder Asthma-Dosieraerosole nicht funktionieren, ist dies nicht nur ärgerlich, sondern manchmal sogar lebensbedrohlich. Oft sind diese technischen Geräte aber nicht wirklich defekt. Wir geben Tipps, wie Sie Fehlfunktionen vermeiden können.

Wenn ein Insulin-Pen oder Asthma- Dosieraerosol nicht funktioniert und deshalb in die Apotheke zurückgebracht wird, landet das System häufig zur Überprüfung im Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker in Eschborn.

Häufig wird die Funktion von Insulin- Pens bemängelt, vor allem von Fertig-Pens, meist weil sich der Pen nicht mehr auslösen lässt, nachdem man die gewünschte Dosis eingestellt hat. Bei den im Zentrallaboratorium überprüften Pens wurde die Ursache des Problems fast immer in verstopften Injektionsnadeln geortet. Dies ist verwunderlich, denn es handelt sich dabei um Einmalartikel. Sie werden aber offensichtlich dennoch mehrfach benutzt. Nadeln verlieren dabei einen Großteil ihres Gleitfilms aus Silikon, und wiederholtes Einstechen durch die Haut kann zu unsichtbaren Verformungen der Nadelspitze führen. Beides kann die Schmerzen bei der Injektion verstärken. Außerdem können sich in Flüssigkeitsresten der gebrauchten Nadel Kristalle bilden und die Nadel verstopfen.

Selten werden bei Pens Undichtigkeiten beanstandet. Meist ist ein Riss oder Sprung in der Ampulle bzw. Patrone die Ursache. Sie entstehen beim Transport oder wenn der Pen heruntergefallen ist. Manchmal ist es zudem schwierig, den Deckel von Insulin-Pens abzuziehen. So lässt sich beispielsweise beim KwikPen Huminsulin® Profil III der Deckel wegen einer Einkerbung nur dann abziehen, wenn die Bewegung vollkommen gerade und parallel zum Pen ausgeführt wird.1
 

Probleme beim Inhalieren

Einfache Dosiersprays (z. B. gegen Heuschnupfen), die beim Einsprühen in die Nase eine möglichst exakte Wirkstoffdosis freigeben sollen, müssen oft vor dem ersten Gebrauch mehrmals betätigt werden, damit im Behälter ein ausreichender Druck aufgebaut wird. Das Spray ist somit nicht defekt, wenn es bei erster Auslösung nicht die erwartete Dosis abgibt.

Dosieraerosole sind technisch aufwändiger als Dosiersprays. Die in der Asthmatherapie verwendeten Fabrikate müssen so kleine Tröpfchen erzeugen, dass sie sich nicht bereits im Rachenraum absetzen, sondern bis in die Lunge vordringen. Dies gilt genauso für die Pulverpartikel von Pulverinhalatoren. Dosieraerosole können verstopfen, denn es kommt zu Verdunstung und Ablagerungen an den Ventilstiften, wenn Treibmittel und Wirkstofflösung austreten. Hier hilft es, den Ventilstift mit einem trockenen Tuch zu reinigen oder den Sprühaufsatz unter fließendem warmen Wasser abzuwaschen und anschließend zu trocknen.

Bei Inhalatoren, bei denen Sie die Wirkstoffabgabe durch den eigenen Atemzug steuern, fällt die Koordination zwischen Atmung und Inhalation vor allem Anfängern schwer. Um dies zu Beginn der Therapie zu üben, gibt es baugleiche Inhalationssysteme ohne Wirkstoff. Atemzuggesteuerte Geräte wie Spinhaler und Handihaler werden bisweilen beanstandet, weil Pulver in den Kapseln zurückbleibt oder weil sich verklumptes, feucht gewordenes Pulver nicht inhalieren lässt. Nur extrem selten kommt es vor, dass Kapseln zu wenig Wirkstoff enthalten. Manchmal täuscht zudem der Anschein, beispielsweise bei den Inhalationskapseln Spiriva®. Diese sind bei Überprüfungen im Zentrallabor praktisch immer in Ordnung: Die relativ großen Kapseln enthalten tatsächlich nur wenige Milligramm Pulver, die in der Kapselhülle verloren aussehen.2

Nützliche Informationen zur Verwendung und Pflege finden Sie oft in den Beipackzetteln. Bleiben Fragen offen, wenden Sie sich an Ihre Apotheke oder die behandelnde Ärztin oder Arzt. Keineswegs sollten Sie jedoch an den Systemen herummanipulieren. Dies kann deren Funktionsfähigkeit beeinträchtigen. Ein Beispiel: Der Versuch eines 86-Jährigen, die verstopfte Öffnung eines schmerzmittelhaltigen Nasensprays mit einer glühenden Büroklammer wieder zu öffnen, hatte – aufgrund der nun viel zu großen Öffnung – erhebliche Überdosierungen mit Übelkeit, Denkstörungen und Schläfrigkeit zur Folge.3


Quellen
1 Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker (2011) Pharm. Ztg. 156 S. 3696
2 Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker (2011) Pharm. Ztg. 156 S. 3234-6
3 arznei-telegramm (2010) 41 S. 75


Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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