Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2011 / 06 S. 14a

Vitamin E

Risiko von Prostatakrebs erhöht

Um Vitamine ranken sich allerlei Erwartungen, beispielsweise, dass Vitamin E oder andere so genannte Antioxidanzien vor Krebs schützen. Das Gegenteil kann der Fall sein.

In GPSP Nr. 1/2009 (S. 3) erwähnten wir bereits den Verdacht, dass Vitamin E das Risiko erhöhen kann, an Krebs der Vorsteherdrüse (Prostata) zu erkranken. Damals war eine große Studie gestoppt worden, die eigentlich belegen sollte, dass Vitamin E oder Selen vor Prostatakrebs schützen können. Eine Zwischenauswertung hatte aber ergeben, dass diese Antioxidanzien bei rund 5,5-jähriger Einnahme Prostatakrebs nicht vorbeugen: Weder täglich 400 Einheiten Vitamin E oder 200 μg Selen noch die Kombination der beiden halfen. Wer Vitamin E eingenommen hatte, erkrankte sogar in der Tendenz häufiger an Prostatakrebs.

Insgesamt hatten mehr als 35.000 gesunde Männer ab 55 Jahren aus den USA, Kanada oder Puerto Rico an der vorzeitig gestoppten Studie teilgenommen. Sie wurden weiter beobachtet und ihre Erkrankungen zum Zeitpunkt des ursprünglich geplanten Studienendes ausgewertet. Die Frage war, ob sich inzwischen Unterschiede in der Gesundheit zwischen den beiden Studiengruppen ergeben haben. Das Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit, ein Prostatakarzinom zu entdecken, ist bei den Männern, die Vitamin E eingenommen hatten, um 17% erhöht. Das bedeutet konkret: Von 1.000 Männern, die jahrelang Vitamin E einnahmen, erkrankten innerhalb von sieben Jahren 76 an Prostatakrebs. Von denen, die ein Scheinmedikament schluckten, waren es 65. Der Unterschied in der Häufigkeit der Krebsdiagnose wurde übrigens erstmals drei Jahre nach Beginn der Einnahme sichtbar und nahm dann – auch nach Absetzen des Vitamins – kontinuierlich zu.

Für Selen allein oder in Kombination mit Vitamin E lässt sich kein erhöhtes Risiko, aber auch kein Vorteil erkennen. Auch für Krebs von Darm und Lunge sowie Krebserkrankungen insgesamt, für Diabetes mellitus und Herzkreislaufschäden, lässt sich ein Nutzen der Antioxidanzien nicht belegen. Der damals bei der Zwischenauswertung beobachtete Trend, dass möglicherweise auch Selen das Risiko für Diabetes mellitus erhöht, ist in der aktuellen Auswertung nicht mehr nachzuweisen. Eine weitere Nachbeobachtung der Teilnehmer der Studie ist für die nächsten Jahre geplant.1,2

Beim derzeitigen Kenntnisstand raten wir dringend davon ab, Vitamin E und andere Antioxidanzien einzunehmen, um damit Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.3


Quellen
1 Klein EA et al. (2011) 306, S. 1549-56
2 National Cancer Institute: Questions and answers, Stand 11. Okt. 2011; www.cancer.gov/newscenter/qa/2008/selectqa#que1
3 arznei-telegramm (2011) 42, S. 99


Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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