Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2007 / 01 S. 04

„Pflanzliche“ Mittel oft mit Chemie gepantscht

Keine Potenz-Pillen aus dem Internet!

Im Internet boomt das Geschäft mit Präparaten, die bei männlichen Potenzproblemen helfen sollen. Die angeblich harmlosen, als „rein pflanzlich“ angebotenen Pillen enthalten aber oft undeklariert verschreibungspflichtige Stoffe. Das gefährdet die Anwender.

NaturaWer beim Sex nicht immer eine ausreichende Erektion hat oder meint, sie nicht oft genug zu haben, kann im Internet leicht ein Präparat bestellen, das unbedenkliche Potenzsteigerung verspricht. Der Grund: Was man/Mann im World Wide Web findet, wird bevorzugt als Naturprodukt beworben, zum Beispiel „Libidus: 100% pflanzliche Zusammensetzung – die absolute Alternative zu Viagra®”.1 Die Pille soll nicht nur für „eine stärkere und länger anhaltende Erektion sorgen“, sondern kann angeblich noch mehr: „Verstärkt das sexuelle Verlangen sowohl bei Männern wie Frauen“, wirbt der Anbieter. So wie dieses Produkt werden viele andere als „pflanzlicher sexueller Lustverstärker“ oder als „natürliche Alternative zu anderen Medikamenten frei von den Nebenwirkungen verordneter Arzneimittel“2 angepriesen. Doch davon kann keine Rede sein.

Das Schweizerische Heilmittelinstitut in Bern – dem deutschen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vergleichbar – hat im ersten Halbjahr 2006 Stichproben von sechs verschiedenen „Potenzpräparaten“ aus dem Web untersucht. Auslöser waren Hinweise auf unzulässige Angebote, zudem war ein Mann wegen schwerer Gesundheitsstörungen in ein Krankenhaus eingeliefert worden.3 Bei fünf der analysierten Produkte stieß das Untersuchungslabor auf synthetische Wirkstoffe zur Erektionssteigerung, die nicht deklariert waren. Keines der angebotenen Mittel ist in der Schweiz zugelassen, obwohl dies nötig gewesen wäre.


NeophaseWarnung aus USA

Vor ähnlichen Geschäftemachern warnt die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA.4 Auch sie findet in angeblich pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln diverse synthetische Mittel gegen Erektionsstörungen. Dazu gehören Sildenafil (Viagra®), Vardenafil (Levitra®) und verwandte Wirkstoffe, bei denen es sich um verschreibungspflichtige Arzneistoffe handelt. Ausdrücklich warnt die FDA vor den Produkten Zimaxx®, Libidus®, Neophase®, Nasutra®, Vigor-25®, Actra-Rx® und 4EVERON® (siehe GPSP 6/2006 S. 8-9). Auch in Kang Da® und Liviro 3® wurden inzwischen nicht deklarierte synthetische Potenzverstärker entdeckt.

Die Hersteller dieser so genannten Nahrungsergänzungsmittel verschweigen die brisanten Inhaltstoffe. Stattdessen wirbt beispielsweise ein Anbieter von Zimaxx® mit „hergestellt aus den erotischsten Kräutern und Aminosäuren der Welt“2 – ohne den Viagra®-Wirkstoff Sildenafil zu erwähnen.

Präparate wie Viagra® sind aus gutem Grund rezeptpflichtig und dürfen nur nach ärztlicher Verordnung eingenommen werden. Sie können zum Beispiel die Blutdruckregulation beeinträchtigen oder das Sehvermögen schädigen. Bei bestimmten Vorerkrankungen dürfen sie überhaupt nicht eingenommen werden. Außerdem gibt es gefährliche Wechselwirkungen mit manchen anderen Medikamenten.


Gefahr fürs Herz

Für Männer, die wegen Herzschmerzen (Angina pectoris) sogenannte Nitrate wie zum Beispiel Nitroglycerin, Isosorbiddinitrat oder Isosorbidmononitrat einnehmen, sind Potenzmittel besonders gefährlich. Das Fatale an den gepantschten Produkten aus dem Internet ist, dass gerade Männer, die aus medizinischen Gründen Medikamente vom Typ Viagra® nicht einnehmen dürfen, leicht zu angeblich harmlosen Naturprodukten greifen und sich auf der sicheren Seite wähnen. Insofern ist der Kauf über das Internet für sie lebensgefährlich: Es kann zu einem bedrohlichen Blutdruckabfall kommen.


Quellen
1    http://www.libidus-europe.com/German_Index.htm
2    http://www.insensual.com/viga40tabs.html
3    www.swissmedic.ch  Medienmitteilung vom 29.6.2006
4    FDA Warns Consumers About Dangerous Ingredients in „Dietary Supplements“ Promoted for Sexual
      Enhancement. Pressemitteilung 12.Juli 2006 www.fda.gov

 

Potenzmittel nicht über das Internet kaufen

Vor Potenzmitteln, die im Internet als Nahrungsergänzungsmittel angeboten werden, ist zu warnen. Sie stammen oft aus unkontrollierten Quellen und können sogar dann, wenn sie denselben Namen haben, unterschiedliche Bestandteile enthalten. Niemand kann erkennen, ob und wie Unbedenklichkeit, Wirksamkeit und Qualität der Präparate kontrolliert werden. Zu den Risiken bei Nahrungsergänzungsmitteln finden Sie mehr in GPSP 2/2006 S. 9 und GPSP 6/2006 S. 8.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA empfiehlt Personen, die ein Präparat zur Behandlung von Potenzstörungen (erektile Dysfunktion) aus dem Internet bezogen haben, dies nicht mehr zu nehmen und sich mit ihrem Arzt in Verbindung zu setzen. Sie warnt nicht nur vor Kauf und Einnahme solcher Präparate, sondern ist bemüht, deren Einfuhr zu unterbinden. Bei Potenzstörungen solle in jedem Fall ein Arzt hinzugezogen werden, empfiehlt die FDA. In Deutschland mangelt es an effektiven Maßnahmen und Kontrollen von Präparaten, die per Internet verkauft werden.


Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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