Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2013 / 01 S. 18

Umckaloabo®

Zu viel versprochen

© to.wi c

Bei der Werbung für Umckaloabo®, einen Extrakt aus der südafrikanischen Geranienart Pelargonium sidoides, hat ein Gericht dem Anbieter Spitzner Beschränkungen auferlegt. Der darf jetzt mit bestimmten, bisher üblichen Behauptungen nicht mehr Reklame machen.

Der Schutzverband gegen Unwesen in der Wirtschaft e.V. – das ist ein Verein, der im Auftrag von Gewerbetreibenden gegen unlautere Methoden der Konkurrenz vorgeht – hat beim Land gericht Karlsruhe eine einstweilige Verfügung erwirkt. Nicht mehr geworben werden darf beispielsweise mit Behauptungen wie: „Umckaloabo® packt den Infekt* an der Wurzel! *Akute Bronchitis“, „wirksam: gegen Viren, gegen Bakterien“, „kein Antibiotikum – trotzdem gründlich“ und „löwenstark bei Husten“.1

Der Verband begründete seine Klage unter anderem damit, dass die Werbeaussagen wissenschaftlich nicht gesichert und fernab der Zulassung für dieses pflanzliche Mittel sind. Die Verfügung ist in Bezug auf Umckaloabo® Tabletten und Saft rechtskräftig. Lediglich hinsichtlich bestimmter Werbeaussagen zu Umckaloabo® als Lösung folgt die gerichtliche Klärung in dem noch ausstehenden Hauptsacheverfahren.2

Bereits vor sechs Jahren hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Anwendungsgebiete von Umckaloabo® konsequent zusammengestrichen: Von den zuvor vielfältigen Indikationen war einzig die akute Bronchitis übrig geblieben. Und selbst hier ist der Nutzen umstritten (siehe auch GPSP 6/2007, S. 3). 2010 musste der Anbieter schon einmal eine Unterlassungserklärung zur Werbung abgeben. Beklagt wurde auch damals, dass das Pflanzenpräparat mit Antibiotika und Grippemitteln praktisch auf eine Stufe gestellt wurde.3

Pelargoniumextrakt-haltiges Umckaloabo® birgt außerdem Gefahren: Es kann die Leber schädigen (GPSP 1/2007, S. 3 und 5/2011, S. 10). Bei akuter Bronchitis empfiehlt es sich – sofern andere Erkrankungen nicht dagegen sprechen – viel zu trinken und Wasserdampf zu inhalieren. Beides soll dazu beitragen, den Schleim in den Bronchien flüssiger zu machen, damit er sich leichter abhusten lässt. Da eine akute Bronchitis meist durch Viren verursacht ist, sind Antibiotika in der Regel nicht angebracht. Sie wirken gegen Bakterien, sind jedoch gegen Viren völlig wirkungslos (GPSP 6/2007, S. 3). Falls sich aber eine bakterielle Infektion mit eitrigem Auswurf auf eine virale akute Bronchitis aufpfropft, sind Antibiotika angebracht.


Quellen
1 Landgericht Karlsruhe (2012) 14 O 70/12 KfH III, Beschluss vom 25. Sept.
2 arznei-telegramm (2012) 43 S. 105
3 Schutzverband gegen Unwesen in der Wirtscha& (2010): Tätigkeitsbericht www.schutzverband-muenchen.de/dokumente/taetigkeitsbericht_schutzverband_2010.pdf


Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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