Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2011 / 06 S. 11a

Schnupfenzeit

Neu, aber nicht gut: Otriven® Duo

Seit mehr als 50 Jahren gibt es Nasentropfen und Nasensprays, die bei einer verstopften Nase die Schleimhaut abschwellen lassen. Jetzt soll das Kombinationspräparat Otriven® Duo zusätzlich das Nasenlaufen verringern. Eine sinnvolle Neueinführung?

Nasentropfen mit dem Wirkstoff Xylometazolin helfen rasch bei verstopfter Nase und sind preiswert (ab 2 € pro Fläschchen, GPSP 5/2010 S. 12). Seit September 2011 gibt es Otriven® Duo Nasenspray. Zusätzlich zum schleimhautabschwellenden Xylometazolin enthält es Ipratropiumbromid. Dieses Mittel wird seit mehreren Jahrzehnten beispielsweise zur Inhalation bei Bronchialasthma verwendet. In dem neuen Otriven® Duo soll das verschreibungspflichtige Ipratropiumbromid die Sekretion verringern, so dass die Nase nicht mehr ständig läuft. Und das funktioniert auch, wie eine klinische Studie belegt.1

Häufige unerwünschte Wirkungen werfen jedoch Fragen auf: Jeder fünfte Anwender bekommt mit Blut versetztes Sekret oder Nasenbluten. Das sind doppelt bis dreimal so viele wie bei dem einfachen Xylometazolin- Spray oder bei einem Scheinmedikament. Auch Nasenschmerzen, gereizter Rachen, trockener Mund, Geschmacksstörungen und Kopfschmerzen kommen häufig vor, wenn man Otriven® Duo in die Nase sprüht.

Insgesamt raten wir angesichts der schlechten Verträglichkeit von dem kombinierten Nasenspray ab. Es muss übrigens vom Arzt verordnet und in der Regel aus der eigenen Tasche bezahlt werden – immerhin 14,99 €. Wir ziehen Tropfen und Sprays vor, die ausschließlich eine abschwellende Substanz wie Xylometazolin enthalten. Diese Präparate darf man höchstens eine Woche lang ohne Unterbrechung anwenden, sonst riskiert man eine dauerhafte Schädigung der Nasenschleimhaut.2



Quellen
1 arznei-telegramm (2011) 42, S. 84-85
2 GPSP 5/2010, S. 12


Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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