Zeolith – wo ist der gesundheitliche Nutzen?

GPSP  Zeolith
© Thomas Kunz

Zeolith ist ein Mineral, dem vielfältiger Nutzen für die Gesundheit zugeschrieben wird – zumindest seitens der Anbieter. Die Zeitschrift Gute Pillen - Schlechte Pillen hat etliche Behauptungen der Werbung unter die Lupe genommen, mit ernüchterndem Fazit: Es ist völlig unklar, ob Zeolith-Produkte gesundheitsfördernd sind.

Zeolithe sind sehr interessante Mineralien. Die Aluminium-Silikat-Verbindungen sind porös und aufgrund ihrer Struktur dazu fähig, andere Stoffe an sich zu binden. Deshalb haben Zeolithe vielfältige technische Einsatzmöglichkeiten, beispielsweise in Geschirrspülern zur Entkalkung.

Schlaue Verkäufer versuchen nun, die technischen Eigenschaften von Zeolithen auch als gesundheitlichen Nutzen zu etablieren. Ein Anbieter verspricht etwa, sein Zeolith könne nach dem Verzehr Schadstoffe an sich binden und im Gegenzug dem Körper wichtige Mineralien zuführen. So böte sein Zeolith „Schutz der Körperzellen durch die Bindung von freien Radikalen“. Insgesamt wird der Eindruck erweckt, das Produkt könne Schlaganfall, Krebs und Alzheimer-Demenz vorbeugen. Das zermahlene Mineralpulver ist nicht als Medikament zugelassen, sondern als so genanntes Medizinprodukt registriert. Auch andere Zeolithe werden mit dem Argument verkauft, sie schützten den Körper.

„Es ist überhaupt nicht klar, wie sinnvoll Zeolithe als Gesundheitsprodukte sind“, so die Einschätzung des Chemikers Christian Wagner-Ahlfs von der Redaktion Gute Pillen - Schlechte Pillen. Ob sich mit Zeolithen Schadstoffe in relevantem Ausmaß aus dem menschlichen Körper entfernen lassen, ist bisher nicht in aussagekräftigen wissenschaftlichen Studien untersucht worden. Auch ist es fraglich, ob man mit dem Verzehr überhaupt bedeutsame Mengen wichtiger Mineralien aufnimmt. Und verbreiteten Konzepten wie „Entgiftung“ oder „Schutz durch Antioxidanzien“ fehlt die wissenschaftliche Grundlage.

Im Internet sind Zeolithe bei diversen Anbietern erhältlich. Dass manche Angebote als Medizinprodukt registriert sind, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Belege für einen gesundheitlichen Nutzen fehlen. Ein Nachweis der behaupteten gesundheitlichen Wirkungen mit klinischen Studien ist für die Registrierung nicht erforderlich. Die Anbieter müssen lediglich sicherstellen, dass der Produktionsprozess technisch korrekt abläuft und Anwender nicht gefährdet werden. Wirksame Kontrollen zur Sicherheit von Medizinprodukten fehlen, wie Skandale um Brust- und Gelenkimplantate deutlich gemacht haben.

„Auch wenn wir bei Zeolithen keine besonderen Risiken sehen, so können wir noch weniger einen gesundheitlichen Nutzen erkennen“, fasst Christian Wagner-Ahlfs die Bewertung zusammen.

 

Diese Meldung online:

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Die Veröffentlichung dieser Mitteilung ist kostenlos unter Angabe der Quelle www.gutepillen-schlechtepillen.de. Über Rückmeldung oder Beleg freuen wir uns.

Pressemitteilung als PDF

Weitere Informationen zu Zeolithen als Gesundheitsprodukt:
GPSP 6/2013: Aufgespießt – Globalium Zeolith

Zur ungenügenden Kontrolle von Medizinprodukten:
GPSP 6/2012: Hüftprothese minderwertig, Brustimplantat undicht. Medizinprodukte schlecht kontrolliert

 

Ansprechpartner für die Presse:
Dr. Christian Wagner-Ahlfs

redaktion@GP-SP.de

 

Redaktion Gute Pillen - Schlechte Pillen 
August-Bebel-Str. 62
D-33602 Bielefeld

 

Gute Pillen - Schlechte Pillen ist ein Gemeinschaftsprojekt von: DER ARZNEIMITTELBRIEF, arznei-telegramm, Arzneiverordnung in der Praxis und Pharma-Brief. Alle beteiligten Zeitschriften sind Mitglied der International Society of Drug Bulletins (ISDB). Herausgeber: Gute Pillen, Schlechte Pillen - Gemeinnützige Gesellschaft für unabhängige Gesundheitsinformation mbH, Bergstr. 38A, 12169 Berlin, HRB 98731B Amtsgericht Berlin-Charlottenburg, Geschäftsführer: Wolfgang Becker-Brüser, Jörg Schaaber, Prof. Dr. Walter Thimme. Steuernr. 27/603/52625

 

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Quellen
1 www.globalis.ag (Stand 13.12.2013)
2 www.globalis.ag/fileadmin/images/Produkte/Zeolith-Med/Zeolith-med-Download-Polyglott/Zeolith_-_zertifiziertes_Medizinprodukt.pdf (Stand 13.12.2013)

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