Wechseljahre

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Hormontabletten gegen Beschwerden in den Wechseljahren erhöhen deutlich das Risiko von Herzinfarkt, Schlaganfall, Blutgerinnseln in den Venen und Brustkrebs. Das ist belegt und durch aktuelle Neuauswertungen alter Studiendaten nicht widerlegt – auch wenn manche „Experten“ das Gegenteil verbreiten. Umso wichtiger ist die Frage, ob es für Frauen mit besonders starken Beschwerden eine Hormontherapie gibt, die weniger gefährlich ist als Hormontabletten einzunehmen. Gute Pillen - Schlechte Pillen hat die wesentlichen Studien zu Hormonen, die über die Haut aufgenommen werden (Pflaster, Gele u.a.) aufbereitet und zusammengefasst.

In den Wechseljahren müssen Frauen sich mit vielfältigen Veränderungen arrangieren. Denn die hormonelle Umstellung vor dem Ausbleiben der Regelblutung (Menopause) wirkt sich auf Körper und Seele aus. Aber sie ist keine Krankheit. Das ist nicht anders als in jungen Jahren: während der Pubertät und mit dem Einsetzten der Regelblutung (Mensis).

Die Beschwerden in den Wechseljahren fallen individuell sehr unterschiedlich aus. Manche Frauen verspüren nur hin und wieder Hitzewallungen. Aber 10 bis 20 von 100 Frauen leiden vorübergehend stark. Nach den eindeutigen Ergebnissen der großen WHI-Studie (GPSP 5/2007, S. 8) ist klar, dass Hormontabletten mehr Schaden anrichten können als dass sie nützlich sind. Ärzte sollen sie daher nur noch bei starken Beeinträchtigungen, nur für kurze Zeit und möglichst niedrig dosiert verordnen.

Immer wieder wird betont, dass Hormonpräparate, die durch die Haut (transdermal) aufgenommen werden, weniger gefährlich sind als Tabletten. Der plausible Grund: Aus Tabletten gelangen die Wirkstoffe über den Magen-Darm-Trakt zunächst in die Leber. Sie können dort das Gleichgewicht von gerinnungsfördernden und gerinnungshemmenden Faktoren stören. Das kann Herzinfarkt, Schlaganfall und Gerinnseln in den Venen Vorschub leisten. Hormone, die aus Pflastern, Cremes oder Gelen direkt in die Haut gehen, passieren nicht zunächst die Leber, sondern gelangen gleich in den Blutkreislauf. Aber: Wirkt sich dieser theoretisch abgeleitete Vorteil günstig auf die Herz-Kreislauf-Risiken und das Brustkrebsrisiko durch äußerliche Hormonpräparate aus?

„Leider fehlen gute Studien zu dieser Frage“, kritisiert Wolfgang Becker-Brüser von Gute Pillen - Schlechte Pillen. „Denn es gibt bislang nur epidemiologische Untersuchungen, die Bevölkerungsgruppen vergleichen. Sie schauen rückblickend auf die Erkrankungen und Todesfälle bei Frauen, die transdermale Hormonpräparate verwendet haben – oder nicht.“ Auf der Grundlage solcher Studien lässt sich derzeit zusammenfassend sagen: Gefäßverschlüsse durch Gerinnsel entstehen möglicherweise nicht häufiger als bei Frauen, die keine Hormone verwenden. „Allerdings spricht einiges dafür, dass aufgrund methodischer Mängel der Studien die Gefährdung durch äußerlich verwendete Hormonpräparate unterschätzt wird“, relativiert der Arzt und Apotheker Becker-Brüser. Ob die Gefahr eines Schlaganfalls durch transdermale Hormone steigt, lässt sich noch nicht abschätzen. Höher dosierte Präparate könnten aber das Risiko erhöhen. Widersprüchlich sind die Ergebnisse beim Herzinfarkt. Insbesondere hier sollten Studien rasch Klarheit schaffen. Relativ eindeutig ist die Situation beim Brustkrebsrisiko. Es steigt mehreren epidemiologischen Studien zufolge auch bei transdermalen Präparaten an.

„Auf die Haut aufgebrachte Hormone bergen möglicherweise etwas geringere Risiken als Tabletten“, lautet das Fazit in Gute Pillen - Schlechte Pillen. Wolfgang Becker-Brüser findet, dass die schlechte Datenlage nicht akzeptabel ist – angesichts der Thematik, die jede Frau früher oder später beschäftigt.
Weitere Informationen finden Sie hier: https://gutepillen-schlechtepillen.de/pages/archiv/jahrgang-2013/nr.-2-maerzapr.-2013/hormonpraeparate-in-den-wechseljahren.php
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