Rotaviren-Schluckimpfung für Babys

GPSP  Rotavieren-Schluckimpfung
© Blend Images - Fotolia.com

Seit Sommer 2013 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut, alle Säuglinge gegen Rotavirus-Infektionen zu impfen1. Die neue Schluckimpfung soll Magen-Darm-Infektionen durch das Virus bei kleinen Kindern verringern und vor allem schwere Verläufe verhindern. Die Zeitschrift Gute Pillen - Schlechte Pillen ist mit dieser Empfehlung nicht zufrieden.

Besonders Kinder zwischen sechs Monaten und zwei Jahren fangen sich schnell eine Magen-Darm-Infektion samt Durchfall ein, verursacht durch Rotaviren. Im Zeitraum von 2001 bis 2008 mussten in Deutschland jährlich rund 17.600 der Kleinen für zwei bis drei Tage in einer Klinik behandelt werden2. Allerdings haben sich auch Kinder, die aus einem anderen Grund dort verarztet wurden, dort mit diesem Virus angesteckt.

Schluckimpfungen gegen Rotaviren gibt es schon seit 2008 von zwei Anbietern: Rotarix® von GlaxoSmithKline und Rotateq® von Sanofi Pasteur MSD. Erhalten Babys ab der sechsten Lebenswoche diese Impfung, sind 9 von 10 von ihnen zwei Jahre danach vor der Krankheit geschützt.

Dennoch birgt der Impfstoff Probleme3. Zum einen sind die einhergehenden unerwünschten Wirkungen wie Fieber, Appetitlosigkeit und Erbrechen kritisch zu sehen. In sehr seltenen Fällen kann die Impfung zu einem lebensgefährlichen Darmverschluss (Darminvagination) führen. Letzteres war ein Grund, warum in den USA vor einigen Jahren ein Vorläuferimpfstoff vom Markt genommen wurde.

Zum anderen liegt der Kritikpunkt – und das ist der wesentliche – bei den Impfkosten. Gesundheitsökonomen haben ausgerechnet, dass diese Schluckimpfung zwar Kosten einsparen hilft (weniger schwere Durchfallerkrankungen, weniger Klinikkosten). Weil die Preise der beiden Impfstoffanbieter aber sehr hoch sind – 110 bis 135 Euro pro Kind –, liegen die Mehrkosten bei 45-48 Mio. Euro pro geimpftem Jahrgang. Lägen die Kosten bei ca. 40 Euro pro Kind, sähe die Kalkulation positiv aus.

„Leider ließ die STIKO die Chance für eine Preisverhandlung mit den Anbietern ungenutzt“, kritisiert Wolfgang Becker-Brüser von Gute Pillen - Schlechte Pillen. Auch aus medizinischer Sicht ist diese Impfung hierzulande nicht unbedingt notwendig. Im Gegensatz zu Ländern der Dritten Welt, in denen Magen-Darm-Erkrankungen meist verheerende Folgen haben, verläuft die Rotaviren-Erkrankung in unseren Breiten nur äußerst selten tödlich und hinterlässt fast nie bleibende Schäden.

 

Weitere Informationen und mehr zu den Studien finden Sie hier

https://gutepillen-schlechtepillen.de/pages/archiv/jahrgang-2013/nr.-6-nov.dez.-2013/teurer-schutz-vor-durchfallerkrankungen.php

Pressemitteilung als PDF

 

Ansprechpartner für die Presse:
Wolfgang Becker-Brüser
(Arzt und Apotheker)
redaktion@GP-SP.de

 

Redaktion Gute Pillen - Schlechte Pillen 
August-Bebel-Str. 62
D-33602 Bielefeld

 

Gute Pillen - Schlechte Pillen ist ein Gemeinschaftsprojekt von: DER ARZNEIMITTELBRIEF, arznei-telegramm, Arzneiverordnung in der Praxis und Pharma-Brief. Alle beteiligten Zeitschriften sind Mitglied der International Society of Drug Bulletins (ISDB). Herausgeber: Gute Pillen, Schlechte Pillen - Gemeinnützige Gesellschaft für unabhängige Gesundheitsinformation mbH, Bergstr. 38A, 12169 Berlin, HRB 98731B Amtsgericht Berlin-Charlottenburg, Geschäftsführer: Wolfgang Becker-Brüser, Jörg Schaaber, Prof. Dr. Walter Thimme. Steuernr. 27/603/52625

 

Unabhängige Information zur Gesundheit: Information pur, ohne Werbung. Die Verbraucherzeitschrift Gute Pillen -Schlechte Pillen bietet Orientierung im Pharma-Dschungel.

 

Quellen
1 RKI (2013) Mitteilung der STIKO. Epid. Bull.; Nr. 34 S. 315
2 RKI (2013) Mitteilung der STIKO. Epid. Bull.; Nr. 35, S. 345
3 arznei-telegramm ® (2013) 44, S. 76

 

GEPANSCHTES

Gepanschtes-Button-B272px

Heft-Archiv


Ausgabe 2019/04




AKTION

AKTION 1000 neue Abonnenten

Spenden

Unsere Informationen gefallen Ihnen?
SpendenWenn Sie Gute Pillen – Schlechte Pillen mit einer Spende unterstützen, hilft uns das, unabhängig und werbefrei zu sein. GPSP ist gemeinnützig. Spenden sind steuerlich absetzbar: Spendenportal.de