Pille danach: jetzt rezeptfrei

Zwei Wirkstoffe zur Wahl – und warum nur einer sofort zur Verfügung steht

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Endlich ist die „Pille danach“ ohne Rezept in Apotheken erhältlich. Sie ist im Einzelfall die Notbremse bei drohender ungewollter Schwangerschaft und sollte keinesfalls als prinzipielle Verhütungsmethode dienen. Denn jede Arznei hat auch unerwünschte Wirkungen. Gute Pillen – Schlechte Pillen begrüßt die neue Rezeptfreiheit – gibt aber zu bedenken: Im Fall des Falles hat eine gestagenhaltige Tablette mit Levonorgestrel Vorrang. Die Tablette mit dem Hormonhemmstoff Ulipristal, die als erste ab 15. März 2015 ohne Rezept erhältlich ist, ist noch nicht so lange auf dem Markt und der wissenschaftliche Erfahrungshorizont ist kleiner

Die „Pille danach“ sollte so früh wie möglich nach ungeschütztem Sex und Furcht vor ungewollter Schwangerschaft eingenommen werden, am besten innerhalb von 12 Stunden. Es gibt zwei Wirkstoffe, die nachträglich eine Schwangerschaft verhindern können.

Der Wirkstoff Levonorgestrel ist das Mittel der Wahl. Sofern der Fauxpas nicht länger als drei Tage zurückliegt, hat diese „Notpille“ Vorteile (Präparate: Pidana®, Postinor®, Unofem® Hexal): Denn das Hormon Levonorgestrel ist seit Jahrzehnten bewährt und seine Risiken sind gut bekannt. Bis Levonorgestrel-Präparate jedoch tatsächlich ohne Rezept zu bekommen sind, wird es wohl noch eine Weile dauern. Das liegt daran, dass Levonorgestrel früher national zugelassen worden ist. Bestimmte Formalien sind einzuhalten: Zunächst muss die für die Entlassung aus der Verschreibungspflicht erforderliche Änderung der Arzneimittelverschreibungsverordnung im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Erst dann tritt sie in Kraft, und dann konkretisiert das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Anforderungen an Beipackzettel und Umkarton. Rezeptfreie Notfallpillen mit Levonorgestrel können somit frühestens am 1. April 2015 in den Apothekenprogrammen gelistet werden, eventuell sogar erst zum 15. April 2015.

Der zweite Wirkstoff, Ulipristal, wird auf jeden Fall Mitte März rezeptfrei zur Verfügung stehen. Bei Ulipristal handelt es sich um eine europäische Zulassung. Bereits im Januar hat die Europäische Kommission Ulipristal zum rezeptfreien Verkauf freigegeben. „Das Mittel kostet etwa das Doppelte, und wir haben weniger wissenschaftliche Daten – zum Beispiel, was die Folgen einer versehentlichen Einnahme während der Frühschwangerschaft angeht“, bemängelt Wolfgang Becker-Brüser von GPSP. „Wünschenswert wäre es gewesen, dass beide Notfallmittel zum gleichen Zeitpunkt ohne Rezept erhältlich wären, damit Frauen von Anfang an zwischen beiden Wirkstoffen wählen können.“

Die „Pille danach“ ist kein Ersatz für eine vorausschauende Empfängnisverhütung. So enthält eine einzelne Levonorgestrel-haltige „Pille danach“ die Hormonmenge von 50 „Minipillen“ auf einen Schlag. Das ist fast so, als ob eine Frau zwei Monatspackungen auf einmal schluckt. Und natürlich haben beide „Notfallpillen“ unerwünschte Wirkungen, etwa Kopfschmerzen, Bauch- und Unterleibsschmerzen sowie Übelkeit. Bei Frauen mit starkem Übergewicht ist nicht gesichert, dass sie so zuverlässig wirken wie bei Normalgewicht.

GPSP-Tipp:

Preise und Einnahmefristen: Die drei Levonorgestrel-haltigen Mittel kosten derzeit um die 17 € pro Tablette und sind für bis zu drei Tage nach dem ungeschützten Sex zugelassen. Das einzige Ulipristal-Präparat kostet rund 30 € pro Tablette und kann bis zu fünf Tage danach eingenommen werden.

Bis zu ihrem 20. Lebensjahr können Frauen die „Pille danach“ auch kostenlos erhalten. Allerdings reicht es dann nicht, in der Apotheke den Personalausweis vorzuzeigen, sondern es muss dann doch eine ärztliche Verordnung vorliegen. Also, nur gegen Rezept erstattet die Krankenkasse die Kosten der „Pille danach“.

Alternative zur „Pille danach“: Hat sich die Verhütungspanne vor dem Eisprung ereignet, können Frauen sich eine Spirale (Intrauterinpessar) einsetzen lassen. Das verhindert die Einnistung des Eies.

Mehr zur „Pille danach“, den Präparaten sowie zu den Studienergebnissen finden Sie in der aktuellen Ausgabe von GPSP 2015/02.

 

Pressemitteilung als PDF

 

Die Veröffentlichung dieser Mitteilung ist kostenlos unter Angabe der Quelle www.gutepillen-schlechtepillen.de oder Gute Pillen - Schlechte Pillen 2/2015. Über Rückmeldung oder Beleg freuen wir uns.

Redaktion Gute Pillen - Schlechte Pillen 

August-Bebel-Str. 62

D-33602 Bielefeld 

 

Gute Pillen - Schlechte Pillen ist ein Gemeinschaftsprojekt von: DER ARZNEIMITTELBRIEF, arznei-telegramm, Arzneiverordnung in der Praxis und Pharma-Brief. Alle beteiligten Zeitschriften sind Mitglied der International Society of Drug Bulletins (ISDB). Herausgeber: Gute Pillen, Schlechte Pillen - Gemeinnützige Gesellschaft für unabhängige Gesundheitsinformation mbH, Bergstr. 38A, 12169 Berlin, HRB 98731B Amtsgericht Berlin-Charlottenburg, Geschäftsführer: Wolfgang Becker-Brüser, Jörg Schaaber, Prof. Dr. Walter Thimme. Steuernr. 27/603/52625

 

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