Pharmafirmen und ihre „Wickeltechniken“

© J. Schaaber

Pharmazeutische Unternehmen wollen möglichst viel Gewinn machen. Darum setzen sie alles daran, dass Ärzte und Ärztinnen ihre Präparate möglichst oft verordnen. Um dies zu erreichen, haben es die Unternehmen auf das fachliche Wissen und Gewissen der Mediziner abgesehen und versuchen, sie sogar mit zweifelhaften Argumenten einzuwickeln. Gute Pillen - Schlechte Pillen hat in seiner aktuellen Ausgabe (3/2014) mit einer US-amerikanischen Hochschullehrerin und Ärztin gesprochen, die die legalen und illegalen Techniken des Pharmamarketings samt ihrer Grauzonen untersucht.

Im Fokus von Prof. Adriane Fugh-Berman sind weniger die eifrigen Pharmavertreter oder platten Werbeanzeigen als jene subtilen Marketingstrategien, mit denen Firmen Mediziner auf der wissenschaftlichen Ebene einzuwickeln versuchen. Typischerweise werden Ärzte – gerne auf Kongressen – damit konfrontiert, dass sie angeblich eine bestimmte Krankheit zu selten erkennen („unterdiagnostiziert“) oder die Erkrankung viel schlimmer ist als gedacht. Mit anderen Worten, die Botschaft lautet: Ärzte, die es gut mit ihren Patienten meinen, sollten künftig bei der Diagnose und Verordnung von Arzneimitteln zulegen.

Ein dazu passendes Marketinginstrument sind Kampagnen seitens der Arzneimittelhersteller samt Pressekonferenz, die eine unterdiagnostizierte oder „übersehene“ Krankheit ins Rampenlicht der Öffentlichkeit rücken. Viele Menschen fragen sich dann, ob sie von der Krankheit möglicherweise betroffen sind – und gehen zum Arzt. Damit steigt die Chance, dass er oder sie – eingestimmt durch Kongresse und Fachpresse – genau das Präparat verordnet, das die Pharmafirma in petto hat.

Auch mithilfe der medizinischen Fachpresse nehmen manche Pharmakonzerne gezielt Einfluss auf Ärzte und Wissenschaftler. Hier kommt der „Ghostwriter“ ins Spiel, der die Inhalte für Fachartikel verfasst – so wie es sich das pharmazeutische Unternehmen vorstellt und natürlich mit Betonung auf dem Nutzen eines Wirkstoffs. Dazu das Ganze hübsch verpackt mit dem Namen eines angesehenen Autoren, der den Artikel gar nicht selbst verfassst hat.

Warum Wissenschaftler ihren Namen für solche Veröffentlichungen hergeben, erklärt Adriane Fugh-Berman unter anderem mit dem Zeitdruck der Akteure an Hochschulen, Kliniken und Forschungseinrichtungen. Vorgefertigte Texte, die nur zur Durchsicht und zum Abhaken auf ihren Schreibtisch kommen, sind bequem. Und wer den unbekannten Text nicht akribisch prüft, der stolpert womöglich nicht über Ungereimtheiten – und wird von der Industrie weiterhin gerne hofiert und bezuschusst.

Und diese Beispiele lassen sich fortführen. Sie können das Interview mit dieser interessanten, wachsamen Wissenschaftlerin, die die Wickeltechniken der Industrie persönlich erlebt hat, nachlesen: https://gutepillen-schlechtepillen.de/pages/archiv/jahrgang-2014/nr.-3-maijuni-2014/nachgefragt-in-der-grauzone---wie-arzneimittelfirmen-das-medizinische-fachwissen-dirigieren.php

 

Die Veröffentlichung dieser Mitteilung ist kostenlos unter Angabe der Quelle www.gutepillen-schlechtepillen.de oder Gute Pillen – Schlechte Pillen 3/2014. Über Rückmeldung oder Beleg freuen wir uns.

Pressemitteilung als PDF

 

Redaktion Gute Pillen - Schlechte Pillen 
August-Bebel-Str. 62
D-33602 Bielefeld

 

Gute Pillen - Schlechte Pillen ist ein Gemeinschaftsprojekt von: DER ARZNEIMITTELBRIEF, arznei-telegramm, Arzneiverordnung in der Praxis und Pharma-Brief. Alle beteiligten Zeitschriften sind Mitglied der International Society of Drug Bulletins (ISDB). Herausgeber: Gute Pillen, Schlechte Pillen - Gemeinnützige Gesellschaft für unabhängige Gesundheitsinformation mbH, Bergstr. 38A, 12169 Berlin, HRB 98731B Amtsgericht Berlin-Charlottenburg, Geschäftsführer: Wolfgang Becker-Brüser, Jörg Schaaber, Prof. Dr. Walter Thimme. Steuernr. 27/603/52625

 

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