Online-Hilfen bei psychischen Problemen

Hierzulande ist jede Form von Ferntherapie standesrechtlich verboten. Fern-beratung via Internet ist hingegen möglich. In der Realität mischen sich derzeit Beratungsangebote und Therapieangebote, die teilweise zu Studienzwecken laufen. Die Zeitschrift Gute Pillen - Schlechte Pillen hat einige Sparten der Online-Hilfe unter die Lupe genommen und zeigt, welcher Nutzen und welche Risiken damit verbunden sein können.

Ob Lernfrust, Liebeskummer oder Essstörungen – viele Menschen benötigen ab und an psychologischen Beistand. Online-Portale wie das der Telefonseelsorge oder einiger Studentenwerke können anonym sowie kostenfrei Mut machen und vorbeugend wirken.

Internetportale wie Novego® gehen einen Schritt weiter. Sie richten sich mit einem Selbsthilfeprogramm an Menschen, die mit länger andauernden psychischen Problemen – etwa einer leichten bis mittleren Depression – kämpfen und nicht suizidgefährdet sind. Der Anbieter verdient an diesem Programm. Krankenkassen erstatten eventuell die Kosten von 59 € aufwärts. Dabei erscheint die Sinnhaftigkeit der neuen Online-Hilfen, die wie Pilze aus dem Boden schießen, fraglich. Vom Datenschutz ganz zu schweigen: Stimmt man den AGB zu, überlässt man persönliche Daten allzu leicht dem kommerziellen Portal-Anbieter.

Auch die Krankenkassen selbst betreten mit Pilotstudien das neue Angebotsterrain: Internetportale wie net-step® sollen etwa bei einer Depression helfen, längeres Warten auf einen Therapieplatz konstruktiv und kostengünstig (!) zu überbrücken. Für die Nutzung von net-step® ist immerhin ein einmaliger Therapeutenbesuch ein Muss.

Sogar die Arzneimittelindustrie mischt umsatzfreudig mit: Deprexis® ist ein Portal des Pharmakonzerns Merz. Hier muss der Nutzer beziehungsweise die Krankenkasse für einen dreimonatigen Zugang 280 € bezahlen, obwohl es keine persönliche Beratung gibt. Und die Forschung arbeitet ebenfalls gezielt an Online-Programmen. Das Internet-Portal Summit soll nach einer Testphase später Patientinnen und Patienten helfen, Wartezeiten sinnvoll zu überbrücken, wenn noch kein Therapieplatz gefunden ist.

Online-Programme dieser Art gelten formal als Medizinprodukte. Als solche werden sie aber nicht wie Arzneimittel auf ihren Nutzen und ihre Risiken amtlich geprüft und zugelassen.

Gute Pillen - Schlechte Pillen stellt fest: Online-Angebote können prinzipiell sinnvoll sein. Es fehlen aber gute Studien, die den Nutzen und den Schaden bewerten. Zudem sollte genauer untersucht werden, bei welchen Patientengruppen Beratung oder sogar Therapie gut wirken und wer die Haftung übernimmt, wenn etwas schiefläuft. Unabdingbar erscheint ferner, dass eine persönliche Diagnostik (Anamnese) durch Spezialisten vor Ort stattfinden muss.

Weitere Informationen und mehr zu den Studien finden Sie hier

https://gutepillen-schlechtepillen.de/pages/archiv/jahrgang-2013/nr.-5-sept.okt.-2013/beratung-und-therapie-im-internet.php

Die Veröffentlichung dieser Mitteilung ist kostenlos unter Angabe der Quelle www.gutepillen-schlechtepillen.de. Über Rückmeldung oder Beleg freuen wir uns.

 

Pressemitteilung als PDF

 

Ansprechpartner für die Presse:

Prof. Bruno Müller-Oerlinghausen

 

redaktion@GP-SP.de

 

Redaktion Gute Pillen - Schlechte Pillen 
August-Bebel-Str. 62
D-33602 Bielefeld

 

Gute Pillen - Schlechte Pillen ist ein Gemeinschaftsprojekt von: DER ARZNEIMITTELBRIEF, arznei-telegramm, Arzneiverordnung in der Praxis und Pharma-Brief. Alle beteiligten Zeitschriften sind Mitglied der International Society of Drug Bulletins (ISDB). Herausgeber: Gute Pillen, Schlechte Pillen - Gemeinnützige Gesellschaft für unabhängige Gesundheitsinformation mbH, Bergstr. 38A, 12169 Berlin, HRB 98731B Amtsgericht Berlin-Charlottenburg, Geschäftsführer: Wolfgang Becker-Brüser, Jörg Schaaber, Prof. Dr. Walter Thimme. Steuernr. 27/603/52625

 

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