Nach Ayurveda-Kur vergiftet

Hazard_Tsvg_H345pxDie Presse meldet derzeit, dass sich bereits mehrfach deutsche Touristen bei Ayurveda-Kuren in Sri Lanka vergiftet haben. Das ist traurig. Aber es ist falsch, nur die Anbieter von Kuren und Produkten fern der Heimat anzuklagen. Denn in westlichen Industrienationen sind durchaus Ayurveda-Produkte aufgefallen, die mit Quecksilber, Arsen oder Blei belastet waren. Sie kommen vor allem per Internetbestellung in alle Winkel der Welt, weitgehend unkontrolliert. Gute Pillen - Schlechte Pillen hat wiederholt gewarnt, dass Ayurveda-Produkte gefährliche Schwermetalle wie Blei und Quecksilber oder das Halbmetall Arsen enthalten können, so zum Beispiel  hier. Bedenkliche Konzentrationen haben insbesondere Wissenschaftler in den USA festgestellt und publik gemacht.

Wegen gefährlicher Körperverletzung hat jetzt die Aachener Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Ayurveda-Kuranbieter in Sri Lanka aufgenommen, von wo deutsche Staatsangehörige mit schweren Vergiftungen zurückkamen. Dies wurde GPSP auf Nachfrage von der Behörde bestätigt. – Doch leider ist zu befürchten, dass es nur die Spitze des Eisbergs ist.

Ayurveda-Produkte sind eng mit der Kultur und Religion Indiens verbunden. Sie genießen in Deutschland insbesondere bei Anhängern der Naturheilkunde und anderer alternativer Heilmethoden Ansehen – etwa im Wellness-Bereich, als Kuranwendung und sogar zur Heilung von Krankheiten.

Ayurvedische Zubereitungen sind hierzulande keine zugelassenen Arzneimittel. Die pharmazeutische Qualität der Produkte wird infolgedessen nicht systematisch durch eine Behörde überprüft. Denn bei Ayurveda handelt es sich in der Regel um Nahrungsergänzungsmittel, und diese fallen unter das deutsche Lebensmittelgesetz. Das bedeutet:

1. Anders als Arzneimittel bedürfen sie keiner behördlichen Zulassung!

2. Sie werden nicht systematisch, sondern meist nur stichprobenartig geprüft – durch die Lebensmittelüberwachung in den Bundesländern.

3. Und sie können unkompliziert über Ländergrenzen hinweg gehandelt werden.

Ein zusätzliches Problem dabei: Manche Ayurveda-Produkte werden auf der Basis gefährlicher Metallverbindungen hergestellt. Aber keine Behörde überprüft bei uns systematisch, wie hoch die Belastung mit solchen Giftstoffen im Endprodukt ist.

Dass Ayurveda-„Medizin“ heilsam ist, ist nach den Grundsätzen der evidenzbasierten Medizin nicht bewiesen. Die Risiken mit Schwermetallen belasteter Produkte liegen hingegen auf der Hand, etwa Gewichtsverlust, Schmerzen, Konzentrationsstörungen und andere Schäden des Blut- und des Zentralnervensystems.

Die Veröffentlichung dieser Mitteilung ist kostenlos unter Angabe der Quelle www.gutepillen-schlechtepillen.de oder Gute Pillen - Schlechte Pillen 5/2015. Über Rückmeldung oder Beleg freuen wir uns.

Pressemitteilung als PDF

Redaktion Gute Pillen - Schlechte Pillen
August-Bebel-Str. 62
D-33602 Bielefeld

Gute Pillen - Schlechte Pillen ist ein Gemeinschaftsprojekt von: DER ARZNEIMITTELBRIEF, arznei-telegramm, Arzneiverordnung in der Praxis und Pharma-Brief. Alle beteiligten Zeitschriften sind Mitglied der International Society of Drug Bulletins (ISDB). Herausgeber: Gute Pillen, Schlechte Pillen - Gemeinnützige Gesellschaft für unabhängige Gesundheitsinformation mbH, Bergstr. 38A, 12169 Berlin, HRB 98731B Amtsgericht Berlin-Charlottenburg, Geschäftsführer: Wolfgang Becker-Brüser, Jörg Schaaber, Prof. Dr. Walter Thimme. Steuernr. 27/603/52625

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