Mit Fumaderm® gegen Schuppenflechte?

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Eine der Mutterzeitschriften von Gute Pillen - Schlechte Pillen, das arznei-telegramm® in Berlin, hat nicht locker gelassen und in diesem Jahr mehrfach Ärzte, Apotheker und die oberste deutsche Arzneimittelbehörde (BfArM) mit einem inakzeptablen Manko konfrontiert: Für Fumaderm®, das am häufigsten eingenommene Arzneimittel gegen Schuppenflechte (Psoriasis), ist weder der Nutzen gut untersucht, noch sind seine unerwünschten und sehr bedenklichen Effekte angemessen dokumentiert. Und für Interessierte und Betroffene sind Berichte zu dem Präparat, das allein in Deutschland zugelassen ist, nur bedingt zugänglich. Mittlerweile sind die Zuständigen allerdings wachgerüttelt und warnen Ärzte vor den Risiken des Mittels. Wolfgang Becker-Brüser von Gute Pillen - Schlechte Pillen hält diesen Schritt für überfällig und für nicht ausreichend.

Die Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris) ist eine unangenehme Hautkrankheit. Die oft münzgroßen rötlichen Hauterhebungen mit silbrigen Schüppchen jucken heftig, und die Behandlung ist schwierig. Ein gut wirksames und gut verträgliches Arzneimittel steht nicht zur Verfügung – und Tipps wie Entspannung oder hautglättende Cremes helfen nicht wirklich, schon gar nicht anhaltend. Viele der verordneten Medikamente haben unangenehme Störwirkungen.

Im Fokus steht jetzt das häufig verwendete Fumaderm®, dessen Nutzen nicht ausreichend belegt ist und das als bedrohlich aufgefallen ist, da es offenbar schwere unerwünschte Wirkungen im Gehirn (Leukenzephalopathie, PML) auslösen kann. Dabei spielen Blutveränderungen eine Rolle, nämlich eine Abnahme weißer Blutkörperchen, die zu einer Abwehrschwäche führen können. Das wiederum ermöglicht bestimmten Viren, Bakterien und Pilzen sich zu vermehren. Man spricht von opportunistischen Infektionen, weil hier die Mikroben eine „gute Gelegenheit“ – nämlich die Abwehrschwäche des Menschen – nutzen, um sich auszubreiten.

Solche opportunistischen Infektionen wurden bei Patienten, die mit Fumarsäureabkömmlingen wegen Schuppenflechte behandelt wurden, beobachtet. Angesichts der hohen Vorordnungszahlen von Fumaderm® ist das alarmierend, zumal das Mittel nicht nur eine Zulassung für schwere Psoriasisformen hat, sondern seit einiger Zeit und ohne gute Begründung auch für mittelschwere Erkrankungen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel (BfArM) und der Anbieter des Mittels (biogen idec) haben Monate gebraucht, um über die Risiken zu informieren. Mit einem Rote-Hand-Brief warnt die Firma in Abstimmung mit dem BfArM jetzt endlich Ärzte und Ärztinnen vor den Risiken des Mittels und weist auf die Notwendigkeit systematischer Blutbildkontrollen bei den Patienten hin. Bei schlechten Blutwerten muss das Psoriasismittel unverzüglich abgesetzt werden.

Der Arzt und Apotheker Wolfgang Becker-Brüser von Gute Pillen – Schlechte Pillen setzt sich dafür ein, dass „für das bereits seit 20 Jahren zugelassene Fumaderm® endlich die längst überfälligen Studien gemacht werden, damit Nutzen und Schaden des Mittels gegen Vor- und Nachteile der übrigen Psoriasispräparate abgewogen werden können.“ Und er fordert: „Das BfArM sollte endlich – im Sinne eines vorbeugenden Verbraucherschutzes – für eine funktionierende Überwachung der unerwünschten Wirkungen und für zeitnahe Maßnahmen sorgen, die Risiken durch Arzneimittel minimieren.“

 

Weitere Informationen finden Sie

Fumaderm® gegen Schuppenflechte (GPSP 4/2013, S. 17)
Was ist ein Rote-Hand-Brief? (GPSP 2/2011, S.10)

https://gutepillen-schlechtepillen.de/pages/archiv/jahrgang-2011/nr.-2-maerzapr.-2011/modafinil-riskanter-muntermacher-zurueckgepfiffen.php

 

Ansprechpartner für die Presse:

Wolfgang Becker-Brüser

redaktion@GP-SP.de

 

Redaktion Gute Pillen - Schlechte Pillen 
August-Bebel-Str. 62
D-33602 Bielefeld

 

 

 

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