Im Handumdrehen

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Evergreening ist eine feine Sache. Mit dieser Technik schaffen es Pharmafirmen, die lästige Konkurrenz in Schach zu halten. Wenn nämlich der Patentschutz ausläuft, kommen günstige Generika auf den Markt. Der Trick, um Marktanteile zu halten: Firmen ändern ihr altes Präparat geringfügig, lassen es patentieren und damit neu ergrünen. GPSP zeigt an einem Beispiel, wie das „mit links“ funktioniert - und was sich dagegen tun lässt.

Es gibt eine ganze Reihe Strategien, wie Evergreening funktionieren kann. Das Magenmittel Omeprazol illustriert eine davon. Das Medikament wurde 1989, zehn Jahre nach seiner Patentanmeldung, als geschütztes Markenprodukt in den Handel gebracht. Nach Ablauf des Patentschutzes 1999 durfte die Konkurrenz Generika auf den Markt bringen, die 40 Prozent weniger kosteten.1 Für den damaligen Ersthersteller Astra sank der Profit. Doch mit einem Kniff konnte er seine Stärke wortwörtlich im Handumdrehen zurückgewinnen. Es wurde ein Nachfolgemittel patentiert, das dem Vorgänger ähnlich sein musste. Das spart Forschungskosten und sichert weitere Gewinne.

Etliche Medikamente enthalten nicht einen Wirkstoff, sondern einen mit zwei Varianten. Die ähneln einander so wie die linke und die rechte Hand. Auch das ursprüngliche, patentierte Omeprazol bestand zu gleichen Teilen aus zwei spiegelbildlichen Varianten desselben Wirkstoffs: S-Omeprazol (S für lat. sinister: links) und R-Omeprazol (R für lat. rectus: rechts). Kurz bevor das Patent für das Gemisch auslief, brachte Astra einfach die „linke Hand“, nämlich das S-Omeprazol, als patentiertes Esomeprazol neu auf den Markt.

Es gibt aber noch viele andere Tricks, um mit winzigen Veränderungen „alte“ Mittel via Patentschutz neu ergrünen zu lassen. Man kann die chemische Struktur geringfügig verändern oder eine retardierte Form entwickeln, die anders im Körper freigesetzt wird. Oder man verändert die Dosis, vielleicht auch in Kombination mit anderen Wirkstoffen. Der zusätzliche Nutzen all dieser Evergreening-Medikamente für Patienten ist meist nicht erkennbar. Doch die Pharmaindustrie umwirbt Ärzte und Ärztinnen, damit statt der Generika die neuen Produkte auf ihrem Rezeptblock landen. Das schädigt die Kassen unseres Gesundheitssystems enorm. Erfreulicherweise lassen sich immer weniger Medizinerinnen und Mediziner umgarnen – der Anteil verordneter Generika liegt inzwischen bei über 70 Prozent. Patienten und Patientinnen können diesen Trend stützen, indem sie beim Praxisbesuch oder im Krankenhaus nach Generika fragen.

Hier geht es zum GPSP-Originalartikel mit weiteren spannenden Beispielen aus der Evergreening-Praxis: https://gutepillen-schlechtepillen.de/pages/archiv/jahrgang-2014/nr.-3-maijuni-2014/aus-alt-mach-neu---mehr-profit-durch-evergreening-strategie.php

 

Die Veröffentlichung dieser Mitteilung ist kostenlos unter Angabe der Quelle www.gutepillen-schlechtepillen.de oder Gute Pillen – Schlechte Pillen 3/2014. Über Rückmeldung oder Beleg freuen wir uns.

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Redaktion Gute Pillen - Schlechte Pillen 
August-Bebel-Str. 62
D-33602 Bielefeld

 

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Quelle
arznei-telegramm® (2000) 31, S. 82

 

 

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