Hormontherapie und Wechseljahre

© pidjoe/ iStockphoto.com
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Große klinische Studien belegen, dass bei Frauen in und nach den Wechseljahren die Behandlung mit Östrogen, dem wichtigsten weiblichen Sexualhormon, keinen Langzeitnutzen hat, sondern eher Nachteile. Mehrere Fachgesellschaften wollen das nicht wahrhaben und unternehmen immer neue Anläufe für ein Comeback der Hormonbehandlung.

Hintergrund: Am besten dürfte die Nachricht für Zigtausende Pferdestuten in den USA gewesen sein: 2002 wurde eine sehr große klinische Studie mit Frauen in und nach den Wechseljahren vorzeitig abgebrochen. Denn die Behandlung mit weiblichen Sexualhormonen hatte nicht wie erwartet vor Herzinfarkt, Schlaganfall oder Demenz geschützt, im Gegenteil, manche dieser Erkrankungen nahmen in ihrer Häufigkeit eher zu. Umso schlimmer, weil Brustkrebs und Thromboembolien (Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel) als Risiken der Hormontherapie schon lange bekannt sind. Ein jahrzehntelang weltweit als Standard geltendes „Menopause-Medikament“ wurde damit über Nacht bedeutungslos. Warum das eine gute Nachricht für die Pferde war? Aus ihrem Urin, gesammelt unter wenig schönen Tierhaltungsbedingungen, hat man die Hormone gewonnen, die in die Arzneimittel zur Hormontherapie eingearbeitet werden. Diese Praxis endete nach der Studie abrupt, der Markt brach geradezu ein. GPSP berichtet bereits mehrfach über das Märchen der Hormontherapie, zuletzt im Heft 5/2016, S. 15.

Aktuell: Anstrengungen, den Nutzen einer Hormontherapie zurechtzubiegen, halten bis heute an. So wurden nachträglich die alten Studiendaten, die das Aus für eine Hormontherapie brachten, neu analysiert. Danach soll doch ein Nutzen vorhanden sein, wenn die Hormongabe früh, also bereits während der Wechseljahre, begonnen wird. Der große Fehler dabei: Die Daten haben keine Beweiskraft, sie deuten allenfalls Möglichkeiten an. Die Studienautoren selbst formulieren wissenschaftlich seriös, dass ihre Auswertungen inadäquat seien, um einen Unterschied zwischen den verschiedenen Altersgruppen zu belegen. Dies hindert hierzulande allerdings einen Berufsverband und eine Fachgesellschaft derzeit nicht, auf ihren Webseiten eine Hormontherapie in Sachen Vorbeugung bei koronaren Herzerkrankungen oder Alzheimer zu befürworten. Auch wenn dort durchaus die enttäuschenden Studienergebnisse und die Risiken erwähnt werden, bleibt der vermittelte Gesamteindruck der Hormontherapie aus unserer Sicht zu positiv. GPSP findet dies unverantwortlich.

Fazit: Eine Hormontherapie ist kein ungefährlicher Tausendsassa gegen natürliche Alterungsprozesse und die Gesundheitsrisiken, die der dritte Lebensabschnitt nun halt so mit sich bringt. Nur bei schwerer Ausprägung der Wechseljahresbeschwerden kann eine Hormontherapie zur Verringerung der Symptome sinnvoll sein. Aber dann so niedrig dosiert wie möglich und nicht länger als zwei bis drei Jahre.

 

Mehr zu den Studienauswertungen und den aktuellen Befürwortern einer Hormontherapie in und vor allem nach den Wechseljahren finden Sie im Originalartikel der Ausgabe GPSP 2/2018: https://gutepillen-schlechtepillen.de/hormontherapie-und-wechseljahre/

Die Veröffentlichung dieser Mitteilung ist kostenlos unter Angabe der Quelle www.gutepillen-schlechtepillen.de oder Gute Pillen - Schlechte Pillen 2/2018.
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Redaktion Gute Pillen - Schlechte Pillen
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D-33602 Bielefeld
 

Gute Pillen - Schlechte Pillen ist ein Gemeinschaftsprojekt von: DER ARZNEIMITTELBRIEF, arznei-telegramm, Arzneiverordnung in der Praxis und Pharma-Brief. Alle beteiligten Zeitschriften sind Mitglied der International Society of Drug Bulletins (ISDB). Herausgeber: Gute Pillen, Schlechte Pillen - Gemeinnützige Gesellschaft für unabhängige Gesundheitsinformation mbH, Bergstr. 38A, 12169 Berlin, HRB 98731B Amtsgericht Berlin-Charlottenburg, Geschäftsführer: Wolfgang Becker-Brüser, Jörg Schaaber, Prof. Dr. Walter Thimme. Steuernr. 27/603/52625

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