Finasterid bei Haarausfall

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Männer wünschen sich – viele auch schon in jungen Jahren – volles Kopfhaar und probieren bei drohender Glatzenbildung alles Mögliche aus. Dazu zählt auch ein Medikament mit dem Wirkstoff Finasterid, das bei Prostatabeschwerden angewendet wird und stark in den Hormonhaushalt eingreift. Gute Pillen - Schlechte Pillen hält es für unverantwortlich, dass Finasterid für ein rein kosmetisches Anwendungsgebiet wie den männlichen Haarausfall noch immer erhältlich ist.

Bei erblich bedingtem Haarverlust reagieren die Haarwurzeln im Stirn- und Scheitelbereich stark auf das Sexualhormon Dihydrotestosteron (DHT). DHT verkürzt die Wachstumsphase dieser Haare extrem und lässt schließlich deren Wurzeln ganz verkümmern. Verschont bleiben nur die Nacken- und Hinterkopfhaare. Dieser „androgenetische“ Haarausfall trifft hauptsächlich Männer. Der Handel bietet viele Mittel zur Abhilfe an – so auch verschreibungspflichtige Tabletten mit dem Wirkstoff Finasterid. Finasterid verhindert, dass das körpereigene Hormon Testosteron in das stärker wirksame DHT umgewandelt wird. Dadurch verlangsamt sich der Haarausfall.

Finasterid wird bei der gutartigen starken Vergrößerung der Prostata älterer Männer eingesetzt. Hier ist es ein erprobtes Mittel, um die Prostata zu verkleinern und Operationen wegen Harnentleerungsstörungen hinauszuschieben oder zu verhindern. In niedriger Dosierung (statt 5 mg täglich nur 1 mg täglich) vermindert Finasterid auch den genetisch bedingten Haarverlust im Frühstadium. Diese 1-mg-Tablette kostet ca. 1,20 € (bei einer Großpackung). Sie ist im Vergleich zu der 5-mg-Tablette zehn Mal so teuer, bezogen auf den Finasteridgehalt. Hier wird der „Patient“ ordentlich geschröpft.

Die unerwünschten Wirkungen von Finasterid sind erheblich: Die Anzahl der Spermien in der Samenflüssigkeit sinkt, die Lust auf Sex kann nachlassen. Selten vergrößern sich die Brustdrüsen der Männer. Das alles wird von manchen älteren Männern in Kauf genommen, wenn sie mithilfe des Medikaments wieder besser Wasser lassen können. Bei jungen Männern ist die Verschlechterung der Samenqualität aber ein ernstes Problem (GPSP 3/2006, 1). Zur Frage, ob sie auch weniger zeugungsfähig oder gar zeugungsunfähig werden, gab es in den letzten Jahren widersprüchliche Untersuchungsergebnisse.

Aus einer Fertilitätsklinik in Toronto/Kanada kam kürzlich ein Studienbericht zu 27 Männern (mittleres Alter 37 Jahre), die ungewollt kinderlos waren und Finasterid gegen Haarausfall im Mittel seit 57 Monaten eingenommen hatten. Bei den untersuchten Männern erhöhte sich die Spermienzahl zwar, nachdem sie Finasterid abgesetzt hatten. Der Frage, ob die Männer dadurch auch Väter geworden sind, wurde in dieser Studie aber nicht nachgegangen.

Es ist vorstellbar, dass Finasterid eher bei denjenigen Männern zur Unfruchtbarkeit führt, die bereits über eine mangelhafte Spermienqualität verfügen.

Weitere Informationen und mehr zu der Studie finden Sie hier https://gutepillen-schlechtepillen.de/pages/archiv/jahrgang-2014/nr.-1-jan.feb.-2014/finasterid-gegen-haarausfall-mehr-haare-aber-unfruchtbar.php

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Quellen
1 Samplaski MK u.a. (2013) Fertil. Steril. vorveröffentlicht
2 DER ARZNEIMITTELBRIEF (2013) 47, S. 84

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