Chlorhexidin zur Munddesinfektion?

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Chlorhexidin steckt in Arzneimitteln wie Gurgellösungen oder Halsschmerztabletten, in Kosmetika und auch in alltäglichen Produkten. Es soll desinfizierend wirken. Nicht nur die Anwendung in solchen Produkten ist zweifelhaft, GPSP sagt, warum Chlorhexidin gefährlich werden kann und was man unbedingt beachten sollte.

Chlorhexidin kann bei Dauergebrauch Zunge und Zähne verfärben oder kurzzeitig den Geschmackssinn irritieren. Aber das ist nicht das Schlimmste. Schlimmer ist: Der Stoff kann eine lebensgefährliche allergische Überreaktion auslösen. Hinweise gibt es aus mehreren europäischen Behörden, auch vom deutschen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Es warnt vor seltenen, aber potenziell lebensbedrohlichen Überempfindlichkeitsreaktionen durch Chlorhexidin.1,2

Meist traten diese nach Gebrauch chlorhexidinhaltiger Mundspüllösungen auf, die auch bei Mundgeruch verwendet werden, obwohl sie dafür überhaupt nicht zugelassen sind. Beim BfArM gingen 147 Meldungen ein, die eine allergische Reaktion auf Chlorhexidin nahelegen. Mindestens 96 davon stuft das Amt als schwer ein. Ein Mensch ist an den Folgen der allergischen Reaktion gestorben.

Das Problem: „Wer einmal überempfindlich auf Chlorhexidin reagiert hat, also zum Beispiel im Mund oder Rachen die Schleimhaut anschwillt, muss befürchten, dass bei erneutem Kontakt mit dem Desinfektionsmittel die Reaktion stärker ausfällt. Er oder sie sollte konsequent künftig sämtliche Arzneimittel und Produkte mit Chlorhexidin meiden“, so Wolfgang Becker-Brüser. „Auch der Arzt oder Zahnarzt sollten von der Überempfindlichkeit erfahren. Denn es besteht die seltene Gefahr einer Schockreaktion mit Kreislaufzusammenbruch. Ich rate deshalb von jeglicher Anwendung von Chlorhexidin-haltiger Mittel etwa bei Halsschmerzen oder Mundgeruch ab.“

Der Artikel zu diesem Thema steht in der aktuellen Ausgabe Gute Pillen – Schlechte Pillen:
https://gutepillen-schlechtepillen.de/pages/archiv/jahrgang-2014/nr.-1-jan.feb.-2014/chlorhexidin-zur-munddesinfektion-manch-einer-reagiert-ueberempfindlich.php

 

Pressemitteilung als PDF

 

Redaktion Gute Pillen - Schlechte Pillen 
August-Bebel-Str. 62
D-33602 Bielefeld

 

Gute Pillen - Schlechte Pillen ist ein Gemeinschaftsprojekt von: DER ARZNEIMITTELBRIEF, arznei-telegramm, Arzneiverordnung in der Praxis und Pharma-Brief. Alle beteiligten Zeitschriften sind Mitglied der International Society of Drug Bulletins (ISDB). Herausgeber: Gute Pillen, Schlechte Pillen - Gemeinnützige Gesellschaft für unabhängige Gesundheitsinformation mbH, Bergstr. 38A, 12169 Berlin, HRB 98731B Amtsgericht Berlin-Charlottenburg, Geschäftsführer: Wolfgang Becker-Brüser, Jörg Schaaber, Prof. Dr. Walter Thimme. Steuernr. 27/603/52625

 

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Quellen
1 BfArM (2013) Chlorhexidin: Anaphylaktische Reaktionen. Risikoinformation vom 17. September www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/DE/RI/2013/RI-chlorhexidin.html?nn=34949
2 e a-t 9/2013

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