Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2006 / 03 S. 11Lb

Leserbriefe

Leider können wir nicht alle Schreiben persönlich beantworten. An dieser Stelle finden Sie sowohl Lob und Kritik als auch unsere Antworten auf Ihre Fragen. Wir behalten uns vor, Leserbriefe zu kürzen.

Wie unabhängig ist der Diabetikerbund?

Sehr geehrte Damen und Herren, vielen Dank für Ihren Artikel in GPSP Nr. 2, 2006. Inzwischen war ich auch schon der Meinung, dass der Deutsche Diabetikerbund (DDB) lediglich den Sinn hat, eine einzige Geldverdien-Maschine zu sein. Ich selbst bin (noch) Mitglied. Mehrmals habe ich schon Schreiben des DDB erhalten mit dem Angebot, eine Lebensversicherung abzuschliessen.

Nachdem dies die einzige Aktivität in den drei Jahren Mitgliedschaft war, die mich direkt erreichte, wurde ich doch etwas stutzig. Ich setzte mich also mit dem „Angebot“ auseinander. Es handelte sich um eine absolut unsinnige, überteuerte und vollkommen unrentable Anlageform. Ich habe deshalb dem Vorstand einen Brief geschrieben. Als Mitglied verlangte ich Auskunft, ob der DDB oder/und die Vorstandschaft persönlich vom Verkauf dieser Versicherungen profitieren und hierfür Provisionen erhielten. Nach langem Warten erhielt ich einen dreizeiligen Brief, in dem mit keinem Wort auf mein Auskunftsersuchen eingegangen wurde.  T.S.


Gleiche Wirkstoffabgabe bei Generika?

Wegen BPH (Benigner Prostatahyperplasie) bekam ich seit einiger Zeit von meinem Urologen das Medikament Alna® Ocas® verschrieben. Beim letzten Besuch sagte er mir, dass es jetzt Generika gäbe, die dieselbe Wirkung hätten, aber billiger wären. Auf dem Rezept steht also jetzt nur „Tamsulosin 0,4 mg Tabl.“. Da es wichtig ist, dass der Wirkstoff gleichmäßig freigegeben wird (Alna® waren Retardtabletten), frage ich mich, ob die Generika die gleichen Wirkstofffreigaben garantieren müssen. Da ich Alna bisher gut vertragen habe, ist das nicht ganz unwichtig für mich (Nebenwirkungen).  T.W.

GPSP: Das Patent von Tamsulosin ist im März 2006 ausgelaufen. Dies bedeutet für Anbieter des Originals in der Regel einen drastischen Umsatzeinbruch, weil dann preiswerte Nachfolgepräparate auf den Markt kommen. Dem Umsatzknick versuchen die Firmen vorzubeugen, indem sie kurz vor Patentablauf Veränderungen am Produkt vornehmen, die als besondere Qualitätsverbesserung propagiert werden. Dies war auch bei Alna® bzw. Omnic® der Fall, die inzwischen nur noch in der neuen OCAS-Variante mit verzögerter Wirkstofffreisetzung angeboten werden. Belege für einen ansatzweise relevanten Vorteil der OCAS-Retard-Zubereitung im Vergleich zu den bisherigen Retard-Zubereitungen (denen die neuen Generika entsprechen) konnten wir nicht finden. Wir haben keine Vorbehalte gegen die Qualität der preiswerteren Generika.
 

Zu viel Vitamin A mit Möhren?

Ich nehme täglich seit drei Jahren einen halben Liter Möhrensaft (mit Öl) und esse zusätzlich noch 300g Karotten. Ein Arbeitskollege behauptet, dass ein Zuviel an Vitamin A meine Gehirnfähigkeiten be­einträchtigt.  S.P.

GPSP: Beeinträchtigte Gehirntätigkeit als Folge der beschriebenen Verzehrgewohnheiten erscheint uns wenig wahrscheinlich. Allerdings gibt es Überdosierungserscheinungen von Vitamin A, die sich beispielsweise durch Juckreiz, Übelkeit, Menstruationsstörungen, Kopfschmerzen und andere Beschwerden äußern können. Diese sind jedoch üblicherweise Folge der Langzeiteinnahme von reinem Vitamin A als Medikament oder von akuten Höchstdosierungen. Durch einen hal­ben Liter Möhrensaft plus 300 Gramm Karotten erscheint uns eine solche Überdosierung nicht wahrscheinlich, zumal Betakarotin aus rohen Karotten schlecht vom Körper aufgenommen wird.1 Dieses wird im Körper nach Bedarf in Vitamin A umgesetzt.

Generell gilt allerdings, dass eine abwechslungsreiche Mischkost am günstigsten ist – mit genügend saisongerechtem Gemüse und Obst. Die Effekte eines regelmäßigen und einseitigen oder ungewöhnlich starken Verzehrs bestimmter Nahrungsmittel lassen sich in der Regel nicht durch wissenschaftlich erhobene Befunde absichern. Dies gilt sowohl für den erhofften Nutzen als auch für die Risiken.
 

Impfungen

Ich habe wieder ein Baby und das Thema „Impfen“ ist erneut aktuell. Wie werden Sie damit umgehen? Werde ich in Ihrer Publikation gute Info zu dem Thema „Kontra-Impfen“ finden?  M.L.

GPSP: Impfen wird auch Thema bei GPSP sein. Bei Impfungen muss grundsätzlich abgewogen werden zwischen dem Risiko der Impfung und dem Risiko der Krankheit, die vermieden werden soll. Eine pauschale Ablehnung durch so genannte Impfgegner ist fehl am Platz. Ebenso wäre es falsch, generell alle möglichen Impfungen zu empfehlen oder gar als gefahrlos hinzustellen. Die Entscheidung muss für jede einzelne Impfung und auf der Basis der aktuellen Erkenntnisse getroffen werden. Es ist selbstverständlich auch unser Anliegen, darauf hinzuweisen, wenn der Nutzen einer Impfung nicht genügend belegt ist.
 

Quellen
1    Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Umschau/Braus, 1. Aufl. 2000, S. 69-77



Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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