5. Februar 2020

Zur Berichterstattung in der Süddeutschen Zeitung zur „Pille danach“

Uli oder Levo: Welche „Pille danach“ ist am zuverlässigsten? fragte die Süddeutsche Zeitung am 04.02.2020 in der Online-Ausgabe. Darin wird auch ein Artikel von GPSP zum Thema aus dem aktuellen Heft zitiert unter https://gutepillen-schlechtepillen.de/viel-laerm-um-nichts/. So weit, so gut. Allerdings stellt der Autor Felix Hütten einfach vermeintliche Expertenmeinungen gegeneinander, ohne zu hinterfragen, welche Evidenz es dafür eigentlich gibt. Gerne ergänzen wir noch die ein oder andere Information.

Kurz zum Hintergrund: Seit 2015 sind einige Mittel zur Notfallverhütung – die „Pille danach“ – rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Kontrahenten sind ein Präparat mit dem Wirkstoff Ulipristal (Uli) und diverse Mittel, die den Wirkstoff Levonorgestrel (Levo) enthalten. Levo und Uli verzögern den Eisprung und können so in vielen Fällen verhindern, dass eine Frau schwanger wird. Für Levo liegen umfangreiche Erfahrungen vor, für Uli etwas weniger, da der Wirkstoff erst Ende 2009 auf den Markt kam.

Der Hersteller von Uli betont allerdings deutlich vermeintliche Vorteile seines Wirkstoffs, dieser sei Goldstandard. Stimmt aber nicht. Es gibt keine neuen Studien, die vergleichen, wie zuverlässig Uli und Levo unerwünschte Schwangerschaften verhindern. Der Hersteller von Uli zieht bereits bekannte Daten heran und interpretiert sie großzügig zu seinen Gunsten. So heißt es etwa, Uli wirke im Gegensatz zu Levo auch noch bis kurz vor dem Eisprung. Wissenschaftlich gut abgesichert ist das jedoch nicht. Auch wurde nicht erhoben, ob durch diesen eventuellen Unterschied tatsächlich weniger Schwangerschaften entstehen.

Die in dem SZ-Artikel zitierte „aktualisierte Version“ der Leitlinie zur hormonellen Empfängnisverhütung ist lediglich eine redaktionell überarbeitete Fassung und inhaltlich nicht verschieden zu der, die bereits im August 2019 erschienen ist. Und diese Leitlinie gibt keine Empfehlung, dass Uli besser wäre als Levo – kein Wunder, denn die Datenlage – unter anderem die zitierte Meta-Analyse – gibt das gar nicht her. Das hat der im SZ-Artikel zitierte Experte wohl übersehen.

Unser unverändertes Fazit:  Für die hormonelle Notfallkontrazeption stehen als effektive Medikamente Levo und Uli zur Verfügung. Bisher gibt es keine Belege, dass Uli effektiver Schwangerschaften verhütet, wenn die Mittel bis zu 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Im Gegensatz zu Levo ist Uli allerdings auch für den Zeitraum bis zu 120 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr zugelassen.


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Ausgabe 2020/02




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