1. Dezember 2015

Wirkstoffe aus der Natur

Kein Qualitätssiegel

© J. Schaaber
© J. Schaaber

Ist Medizin aus der Natur sanft? Diese Überzeugung ist weit verbreitet, und gerne wird die „chemische Medizin“ als „aggressiv“ abgetan. Gute PillenSchlechte Pillen zeigt, dass nicht jeder Stoff aus der Natur sanft ist, und dass die Begriffe „chemisch“ und „natürlich“ in der Heilkunde kein Gegensatz sind.

Die Natur ist eine kreative Giftküche. Beispielsweise bildet der Fliegenpilz Giftstoffe, um Fressfeinde abzuwehren. Schlangen und andere Tiere erzeugen Gifte, um sich zu verteidigen oder um Beute zu erlegen. Natur ist also alles andere als sanft.

Hinter der Geschichte unserer modernen Arzneimittel steckt System – die Menschen nutzen das „Labor Natur“ seit jeher. Viele Medikamente entstanden durch Weiterentwicklung pflanzlicher oder anderer natürlicher Wirkstoffe. Ziel ist immer, die Sicherheit für die Anwenderinnen und Anwender zu erhöhen. So kochte man früher Weidenrinde mit Wasser aus, um mit dem Sud Fieber zu senken. Der Wirkstoff darin ist Salicylsäure. Sie wurde später im Labor leicht verändert und damit verträglicher. Als Acetylsalizylsäure (ASS) ist sie weltweit bekannt und bewährt – zum Beispiel auch bei Kopfschmerzen und Katerstimmung. Die Liste lässt sich fortsetzen: Krebsmedikamente, Cholesterinsenker und Arzneimittel gegen Malaria haben einen natürlichen Ursprung.

Ein Meilenstein der Medizingeschichte ist sicherlich das Penicillin. Es wird von Schimmelpilzen gebildet und verhalf der Welt Ende der 1920er Jahre zum ersten lebensrettenden Antibiotikum.

Einem Wirkstoff ist also gar nicht anzusehen, ob er aus der Natur gewonnen oder künstlich im Labor geschaffen wurde. Entscheidend für ein Medikament ist, ob die erwünschte Wirkung durch zuverlässige wissenschaftliche Studien erwiesen ist.

GPSP-Fazit: Eine Unterscheidung zwischen „natürlichen“ und „chemischen“ Medikamenten ist unsinnig.

Mehr dazu im GPSP Heft 6/2015


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