6. Juni 2016

Vermeintlich sanfte Hilfe bei ADHS

Nutzen von Mikronährstoffen nicht belegt

© Thomas Kunz
© Thomas Kunz

Viele Kinder, die sich überaktiv verhalten und oft sehr unaufmerksam sind, erhalten die Diagnose ADHS. Oft verordnen Ärztinnen und Ärzte dann ein Medikament – zum Beispiel Ritalin®. Eltern sehen solche Psychopharmaka bzw. Stimulanzien zunehmend kritischer und suchen nach sanften Alternativen. Dazu gehören mittlerweile auch bestimmte Nahrungsergänzungsmittel. Die Hersteller bewerben ihre Produkte im Rahmen der „orthomolekularen Medizin“. Demnach fehlt es ADHS-Kindern bloß an ein paar bestimmten Mikronährstoffen. Einfach ein entsprechendes Produkt wählen und verabreichen – und alles wird gut. Klingt wundervoll. Doch was steckt dahinter? Gute PillenSchlechte Pillen ist der Sache auf den Grund gegangen – mit enttäuschendem Ergebnis.

Vertreter und Befürworter der umstrittenen orthomolekularen Medizin führen generell Krankheiten auf einen Nährstoffmangel zurück – bei ADHS soll es zum Beispiel u.a. an Zink oder Magnesium fehlen. Würden diese Mikronährstoffe in Form von speziellen Nahrungsergänzungsmitteln verabreicht, verbessere sich der Zustand der Erkrankten.

GPSP hat die Argumentation der orthomolekularen Medizin und die Studienlage nun genau untersucht. Für Versprechungen, dass sich Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern mit ADHS-Diagnose mit harmlosen Nahrungsergänzungsmitteln bessern lassen, fehlen verlässliche wissenschaftliche Belege. Deshalb ist es nicht sinnvoll, Kinder auf eigene Faust mit solchen Mikronährstoffen zu versorgen. Sie sparen auch Geld.

GPSP – Tipps

Als Vater und Mutter sollten Sie sich zunächst Unterstützung in Form von ADHS-Elternschulungen holen.

Organisieren Sie psychotherapeutische Hilfe. Geben Sie sich nicht mit langen Wartezeiten zufrieden. Machen Sie Druck. Mit einer kognitiven Verhaltenstherapie lernt Ihr Kind, das ADHS-Problem besser in den Griff zu bekommen.

Ob Stimulanzien wie etwa Ritalin® als Begleittherapie hilfreich sind, sollten Sie am besten immer mit einem Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie klären.

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