9. März 2015

Testosteron – kein Jungbrunnen bei Altersbeschwerden

Echter Hormonmangel bei Männern die Ausnahme

„Aging Male Syndrom“ ist eines dieser Etiketten für Altersbeschwerden von Männern. Schuld an ihren Problemen sei oft ein zu geringer Testosteronspiegel – so tönt es längst aus den USA. Dort boomt bereits die Testosteron-Therapie. Und über kurz oder lang könnte der Trend auch hierzulande Männer in den besten Jahren erfassen, sodass sie ihren Testosteronspiegel kontrollieren und sich Hormonpräparate verordnen lassen. Gute PillenSchlechte Pillen wollte mehr über diese Hormontherapie wissen und fragte den Gesundheitswissenschaftler Robin Haring, ob sie bei Altersbeschwerden überhaupt hilfreich ist, welche Risiken sie hat und was Männer aus eigener Kraft tun können, um lange fit zu bleiben.

Männer ab 50 plus bemerken Veränderungen, die als Altersbeschwerden bezeichnet werden: Der Körper wird unelastischer, das Gewicht steigt, Konzentrations- und Schlafstörungen häufen sich. Und oft kommen Potenz- und Erektionsprobleme dazu.

Aber ein ursächlicher Zusammenhang solcher Beschwerden mit dem Testosteronspiegel, der auf natürliche Weise und ganz allmählich ab dem 19. Lebensjahr sinkt, ist nicht belegt. Vor allem fehlen die Nutzenbelege für eine Hormontherapie. Prof. Dr. Robin Haring: „Ein Therapieerfolg würde bedeuten, dass eine zusätzliche Testosterongabe eben diese Beschwerden behebt. Aber genau das konnte bisher nicht nachgewiesen werden.“ Und ein weiteres Problem ist, dass es bisher keine umfassende und unabhängige Langzeitstudie zu Nutzen und Risiken der Behandlung gibt – oder wenigstens geplant ist. Denn was die Hormontherapie von Frauen angeht, gab es danach ein böses Erwachen: „Über Jahre wurde der Nutzen überbewertet und die Risiken unterschätzt“, erinnert Prof. Haring.

Was viele Männer besonders frustriert und in eine Arztpraxis treibt, das sind Potenz- und Erektionsstörungen. „Doch die gehen in der Regel ebenfalls nicht auf einen Hormonmangel zurück“, sagt Prof. Haring. „Testosteron wird da überschätzt. Übergewicht und Rauchen sind die Hauptgründe, weil beide Faktoren die Blutgefäße verengen und so einen Großteil der Erektionsstörungen verursachen.“

Weil Hormone immer vielfältig in das Körpergeschehen eingreifen, ist es besser und langfristig erfolgreicher, seinen Lebensstil zu ändern.


GPSP-Tipp

Potenz- und Erektionsstörungen gehen neben anderen Altersbeschwerden, in der Regel nicht auf Hormonmangel zurück. Hilfreich ist auf jeden Fall mehr Bewegung, weniger Alkohol, eine ausgewogene Ernährung, nicht zu rauchen und ausreichend zu schlafen.

Und noch ein Lesetipp – frisch aus der Presse: Robin Haring. Die Männerlüge: Wie viel Testosteron braucht der Mann? (9. März 2015), Braunmüller Verlag, 180 Seiten, 21,90 €


Mehr dazu im GPSP Heft 2/2015



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Ausgabe 2021/04




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