2. Juli 2014

Pharmalastige Veranstaltung: Fortbildungspunkte futsch

Ärztekammer Berlin zeigt Medical Tribune die rote Karte

© alain wacquier/ fotolia.com

Jetzt ist es also passiert. Die etwa 150 Ärztinnen und Ärzte, die am 26. Oktober 2013 an einer Veranstaltung von Medical Tribune in Berlin teilgenommen hatten, verlieren die 8 Fortbildungspunkte, die sie sich durch ihre Teilnahme sichern wollten. Der Grund: Die Ärztekammer Berlin hat jetzt die Zertifizierung dieser Veranstaltung zurückgezogen. Das kommt für Gute Pillen – Schlechte Pillen nicht überraschend, denn GPSP hat sich schon zweimal kritisch mit eben dieser Veranstaltung und dem Einfluss von Pharmafirmen auf die ärztliche Fortbildung beschäftigt (GPSP 6/2013, S. 28 und GPSP 1/2014, S. 13).

In der Rubrik „Werbung-Aufgepasst!“ kritisierte GPSP, dass in den 9 Vorträgen der Medical Tribune Veranstaltung gleich 9 Mal Arzneimittelfirmen als Sponsoren benannt waren (GPSP 6/2013, S.28). Und kein Zufall: Jede hatte die zum Thema passenden Arzneimittel im Angebot.

In der Rubrik „Aufgefrischt“ konnte GPSP darlegen, dass der Ärztekammer Berlin für die Zertifizierung der Fortbildungsveranstaltung von Medical Tribune eine andere Fassung vorlag als die ansonsten verbreitete. Es fehlten die Firmenangaben (GPSP 1/2014, S. 13).

Als dann auch noch klar wurde, dass auf der Fortbildung „mehr als die Hälfte der Vorträge nicht der erforderlichen Firmen- und Produktneutralität entsprach“ (GPSP 1/2014, S. 13), zog die Ärztekammer Berlin die Notbremse und leitete ein Verfahren zur Aberkennung der Fortbildungspunkte ein.

Dazu schrieb GPSP: „Das könnte Folgen haben: Bei einer Aberkennung fehlen den 152 Ärztinnen und Ärzten die Punkte von dieser Veranstaltung. Sie müssten eine andere Fortbildung besuchen, um die verloren gegangenen acht Fortbildungspunkte zu erhalten. Und Medical Tribune muss alle Teilnehmer über den Punkteverlust informieren. Denn wer als Arzt nicht genug Fortbildungspunkte hat, muss mit Honorarkürzungen seitens der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin rechnen.“

Nun ist es also soweit. Am 17. Juni 2014 hat Medical Tribune Teilnehmer der „Fortbildung kompakt Allgemeinmedizin/Innere Medizin“ vom 26. Oktober 2013 angeschrieben: „Heute müssen wir Sie darüber informieren, dass die Ärztekammer Berlin die Zertifizierung zu unserer Fortbildung vom 26. Oktober 2013 zurückgezogen hat.“ Und „…möchten wir Sie auf den Verlust der Ihnen für diese Fortbildung anerkannten Punkte hinweisen.“

Die Ärzteorganisation MEZIS („Mein Essen zahl ich selbst“) hat das Anschreiben von Medical Tribune auf seiner Internetseite zugänglich gemacht (http://www.mezis.de/pressemitteilungen.html). MEZIS betont in diesem Zusammenhang, dass auch andere Ärztekammern aufgewacht sind. In Hannover wurde zum Beispiel das derzeit laufende HepNET-Symposium nicht zertifiziert.

Gute Pillen – Schlechte Pillen findet: Das ist der richtige Weg, um Werbung aus der Fortbildung für Ärzte rauszuhalten und gezielt für firmenunabhängige ärztliche Fortbildung zu sorgen.

Redaktion Gute Pillen – Schlechte Pillen
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Gute Pillen – Schlechte Pillen ist ein Gemeinschaftsprojekt von: DER ARZNEIMITTELBRIEF, arznei-telegramm, Arzneiverordnung in der Praxis und Pharma-Brief. Alle beteiligten Zeitschriften sind Mitglied der International Society of Drug Bulletins (ISDB). Herausgeber: Gute Pillen, Schlechte Pillen – Gemeinnützige Gesellschaft für unabhängige Gesundheitsinformation mbH, Bergstr. 38A, 12169 Berlin, HRB 98731B Amtsgericht Berlin-Charlottenburg, Geschäftsführer: Wolfgang Becker-Brüser, Jörg Schaaber, Prof. Dr. Walter Thimme. Steuernr. 27/603/52625

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