30. Mai 2013

Gefälschte Arzneimittel

Zoll, Polizei und Interpol fahnden nach Arzneimittelfälschungen

© Schlierner/ fotolia.com

Ende März nahm die Kripo Hamburg zwei Männer fest, die in Deutschland Fälschungen des Säureblockers Omeprazol verkauft hatten. Sie nutzten dabei eine Sicherheitslücke. „Wenn es Kriminellen gelingt, Arzneimittelfälschungen systematisch in die legale Handelskette einzuschleusen, ist das eine neue Dimension“, sagt Wolfgang Becker-Brüser von Gute Pillen – Schlechte Pillen.

Werden Arzneimittel gefälscht, dann ist das für Kranke bedrohlich. Denn sie bekommen ein Präparat unbekannter Qualität, zum Teil ohne Wirkstoff, mit zu viel oder zu wenig Wirkstoff. Manchmal ist ein falscher Wirkstoff enthalten, oder es wurden verschiedene gemischt. Es wurde also gepanscht. Gute Pillen – Schlechte Pillen berichtet regelmäßig über gepanschte Produkte aus dem Internet und hat mehrmals auf die Gefahr von Arzneimittelfälschungen hingewiesen. In der aktuellen Ausgabe (GPSP Mai/Juni 2013) geht es nicht um die Fälschung eines teuren Originalpräparats sondern um Omeprazol-Generika, die von Hexal, KSK oder ratiopharm angeboten werden.

Bisher waren Arzneimittelfälschungen „in Deutschland noch kein relevantes Problem“ (GPSP 2/2013, S. 9). Das galt zumindest beim Kauf von Medikamenten in der Apotheke vor Ort oder in behördlich geprüften Internetapotheken mit DIMDI-Logo (GPSP 5/2009, S. 9). Den in Hamburg festgenommenen Männern war es jedoch gelungen, als Zwischenhändler gefälschte Omeprazol-Generika in die legale Handelskette einzuschleusen. Normalerweise ist der Arzneimittelhandel in Deutschland sehr übersichtlich: Vom Hersteller geht es über den Großhändler in die Apotheke. Aber manchmal schieben sich Zwischenhändler mit günstigen Angeboten dazwischen.

In dem berichteten Fall kam niemand zu Schaden, denn die gefälschten Präparate enthielten den Wirkstoff in vorschriftsmäßiger Menge. „Dennoch muss der Zwischenhandel viel besser kontrolliert werden“, sagt der Arzt und Apotheker Becker-Brüser von Gute Pillen – Schlechte Pillen. „Denn es gibt nicht gute und schlechte Fälschungen, sondern nur kriminelle.“

Dass Fälschungen zunehmend nach Europa gelangen, offenbarte kürzlich ein Fund von Aspirin-Fälschungen in Frankreich. 1,2 Millionen Päckchen hatte der Zoll im Hafen von Le Havre in einer Tee-Lieferung aus China entdeckt. Sie sollten in Südeuropa und Nordafrika verkauft werden.

Arzneimittelhersteller haben mit der Fälschung ihrer Präparate andere Probleme als Patienten: Sie können ihren guten Ruf verlieren, Patienten können bei Schäden klagen, die Gewinne können einbrechen. So gesehen ist es konsequent, dass Pharmaunternehmen und Interpol kooperieren und unter dem Namen Pharmaceutical Industry Initiative to Combat Crime (PIICC) internationale Fälscherringe ins Visier nehmen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Interpol gegen Arzneimittelfälschungen aktiv wird. Gute Pillen – Schlechte Pillen hatte auch von der Operation Pangea III berichtet, bei der 40 Staaten gegen den Internethandel mit gefälschten und illegalen Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln vorgingen (GPSP 6/2010, S. 14). Koordiniert von Interpol.
Mögliche Arzneimittelfälschungen

Gefälschtes Präparat

• stammt nicht vom angegebenen Hersteller/Anbieter (z.B. in gefälschter Verpackung angeboten)
• enthält den richtigen Wirkstoff, aber in zu hoher oder zu niedriger Konzentration
• enthält außer dem angegebenen Wirkstoff noch zusätzlich andere (ist also „gepanscht“)
• enthält nicht den angegeben Wirkstoff und auch keinen anderen Arzneistoff
• wird mit falschem, manipuliertem Verfallsdatum verkauft

Den Originalartikel aus GPSP Mai/Juni 2013 (3/2013) finden Sie hier https://gutepillen-schlechtepillen.de


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