14. Juli 2014

Außer Rand und Band

Wenn die Schilddrüse zu viel Hormon produziert – oder zu wenig

© privat

Die Hormone der Schilddrüse steuern viele lebenswichtige Organfunktionen, darunter die Herzaktivität und den gesamten Stoffwechsel. Und Regelkreise kontrollieren wiederum die Aktivität der Schilddrüse. Aber manchmal gerät sie außer Rand und Band. Das kann zum Beispiel am Jodmangel liegen oder das eigene Immunsystem traktiert die Schilddrüse. Was wichtige Ursachen für eine Überfunktion oder Unterfunktion sind und wie Erkrankungen behandelt werden, fragten wir den Schilddrüsenspezialisten Reinhard Finke.

GPSP: Wenn Sie auf Ihre lange Erfahrung als Endokrinologe zurückblicken, was hat sich geändert? Nehmen bestimmte Schilddrüsenerkrankungen ab oder zu?

Finke: Früher gab es viel mehr Menschen mit einem Kropf, Ärzte sprechen da von Struma. Jeder dritte Deutsche hat einen Kropf oder Knoten in der Schilddrüse, weil lange Zeit im Schnitt täglich nur etwa 30 bis 35 Mikrogramm Jod aus der Nahrung aufgenommen wurden. Heute sind wir bei etwa 135 Mikrogramm und haben uns nach Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von einem Grad-III-Mangel auf einen Grad-I-Mangel verbessert. Die WHO findet, 200 bis 250 Mikrogramm sind gesund. Als Folge der besseren Jodversorgung beobachten wir heute deutlich seltener Strumen.

GPSP: Also eine erfreuliche Entwicklung, die vermutlich auf das Konto der Jodierung von Speisesalz geht.

Jod
Die Schilddrüse braucht Jod, um das Hormon Thyroxin bilden zu können. Thyroxin enthält 4 Atome Jod. Aus dieser auch Levothyroxin – kurz L-Thyroxin (T4) – genannten Verbindung entsteht durch Abspaltung von einem Atom Jod das aktive Hormon Trijodthyronin (T3).

Finke: Ja. Vor allem die jetzt aufwachsende Generation wird davon profitieren. Kröpfe werden seltener. Die Häufigkeit einer Überfunktion durch die Basedowsche Krankheit, die als Attacke des eigenen Immunsystems zu verstehen ist und weniger mit Jod zu tun hat, hat sich demgegenüber nicht verändert.


Mehr dazu im GPSP Heft 4/2014 


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Ausgabe 2021/04




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