Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2014 / 02 S. 25

Lapacho-Tee

Baumrinde aus dem Regenwald

Lapacho-Tee ist ein traditionelles Heilmittel südamerikanischer Indianer. Lapacho ist ­Bestandteil unterschiedlicher Teemischungen, die in unseren Supermärkten angeboten werden. Der Tee soll gut schmecken und gegen verschiedene Krankheiten helfen – und sogar Krebs heilen, behaupten Internetseiten. Solche Versprechungen sind ein Beispiel dafür, wie Anbieter1 mit exotischen Zutaten falsche Hoffnungen wecken.

Lapacho und Taheebo sind umgangssprachliche Bezeichnungen für mehrere südamerikanische Baumarten. Für Lapacho-Tee wird die Innenrinde (Bastrinde) der Bäume verwendet.2

Als in den 1960er Jahren die brasilianische Presse über angebliche Erfolge in der Krebsbehandlung berichtete, begannen US-amerikanische Forscher die pharmazeutischen Eigenschaften zu untersuchen.3 Der Inhaltsstoff Lapachol schien zunächst als Krebsmittel vielversprechend – allerdings stellte sich heraus, dass Lapachol die Blutgerinnung hemmt und somit das Risiko von Blutungen steigert.

Lapacho ist weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen, Medikamente auf Basis der Baumrinde kamen aber nie auf den Markt. Zwar wurden über 20 biologisch aktive Inhaltsstoffe gefunden, aber die Ergebnisse zu Lapacho belegen auch nach über 40 Jahren Forschung keinen eindeutigen medizinischen Nutzen – weder bei Krebs noch bei anderen Krankheiten. Bioaktive Substanzen sind in sehr vielen Pflanzen enthalten. Auch Möhren und Bohnen sind reich an bioaktiven Substanzen – als Medikament geeignet sind sie deshalb noch lange nicht.

Bioaktive Substanzen

Mit bioaktiven Stoffen sind vor allem die sekundären Pflanzenstoffe gemeint, aber auch Ballaststoffe. Bioaktive Substanzen haben keinen Nährwert – im Gegensatz zu den Energie­bringern Zucker, Fett und Eiweiß. Manche sind wichtig für die Ernährung – und unsere Gesundheit –, andere sind schädlich.

Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln und Lebensmitteln bewerben Lapacho-Tee als „Inka-Tee“4 und mit blumigen Worten: „Die Indianer nutzten und nutzen bis heute den Lapacho-Tee als einen Gesundheitsallrounder, aber auch als reinen Genusstee.“1 Die Argumentation entspricht der Strategie, die GPSP als Quacksalberei definiert hat (GPSP 6/2006, S. 5).

Lapacho-Anbieter dürfen in Europa nicht behaupten, die Baumrinde habe – etwa als Tee oder Kapseln – einen irgendwie gearteten gesundheitlichen Nutzen. Das hat die Lebensmittelaufsichtsbehörde (European Food Safety Authority, EFSA) aufgrund der bisherigen Kenntnisse angeordnet.5 Wenn eine Webseite behauptet, Lapacho sei bei Aids, Diabetes, Fußpilz, Gürtelrose, Migräne, Rheuma und anderen „Missständen erfolgreich angewandt“,1 dann sind das trügerische und unerlaubte Versprechungen. Um die Kontrolle solcher Angebote im Internet kümmert sich leider keine Aufsichtsbehörde konsequent.

Bekannte Risiken der Lapacho-Inhaltsstoffe sind allergische Reaktionen wie Hautausschlag, außerdem Übelkeit, Nieren- oder Leberschäden. Die Verzögerung der Blutgerinnung ist insbesondere für Menschen schädlich, die bereits gerinnungshemmende Arzneimittel einnehmen. Wer beispielsweise Phenprocoumon (Marcumar®) benötigt, sollte keine Lapacho-haltigen Produkte konsumieren.

In Deutschland sind Lapachohaltige Teemischungen im Supermarkt erhältlich, und jeder kann Lapacho-Rinde problemlos im Internet bestellen. Von Lapacho-Tee im Sinne einer Behandlung raten wir ab – sei es bei Arthrose, Krebs oder anderen Erkrankungen. Der Grund: Die Wirkungen sind nicht klar, und Menge und Zusammensetzung der Inhaltsstoffe sind bei Naturprodukten immer starken Schwankungen unterworfen. Bei einem selbst aufgebrühten Tee sind sowieso über die Menge der Inhaltsstoffe keine Angaben möglich. – Bei zugelassenen Arzneimitteln sind die relevanten Inhaltsstoffe demgegenüber standardisiert. Derart kontrollierte Lapacho-Medikamente gibt es aber nicht.

Außerdem beziehen sich die bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen auf eine bestimmte Baumart.6 Die volkstümliche Bezeichnung Lapacho umfasst aber mehrere ähnliche Baumarten – mit jeweils unterschiedlicher Zusammensetzung der Inhaltsstoffe in der Rinde. Die US-amerikanische Krebsgesellschaft weist übrigens darauf hin, dass manche Lapacho-Tees gar keine Lapacho-Rinde enthalten, sondern andere Pflanzen.7,8 Ob es sich um gezielten Betrug oder um Verwechslung durch Unkenntnis handelt ist für die Sicherheit des Anwenders unerheblich.

Aus Lapacho-Rinde lässt sich ein Tee bereiten. Als sogenanntes Nahrungsergänzungsmittel darf er nicht mit Gesundheitsversprechungen beworben werden. Die Werbung weckt Interesse mit der exotischen Herkunft der Baumrinde. Wer Blutgerinnungshemmer einnimmt, sollte Lapacho-Produkte meiden. Dass Lapacho-Inhaltsstoffe gegen Krebs, Arthrose oder andere Erkrankungen helfen, ist bisher nicht belegt. Lapacho-Produkte sind hierzulande nicht für medizinische Anwendungen zugelassen.


Quellen
1    www.lapacho-tee.net (Zugriff 6.1.2014)
2    Verschiedene Gattungsbezeichnungen: Handroanthus sp. syn. Tabebuia sp. aus der Familie der Trompetenbaum-Gewächse
3    Gómez CJR u.a. (2009) Red Lapacho (Tabuia impetiginosa) – global ethnopharmaceutical commodity? J Ethnopharmacol;121, S. 1
4    www.kraeuterhaus.de (Abruf 20.1.2014)
5    EFSA (2010) EFSA Journal; 8, S. 1489
6     Tabebuia avellanedae bzw. Handroanthos impetiginosa
7    American Cancer Society (2013) Pau d‘arco http://qr.cx/khES  (Abruf 19.2.2014)
8    Awang DVC (1988) Commercial Taheebo Lacks Active Ingredient. Can Pharma J; 121, S. 323

Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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