Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2016 / 05 S. 14a

Kurz und knapp:

Unsinn: Test auf IgG bei Allergie

Bei Verdacht auf eine Allergie gegen Lebensmittel bieten manche Heilpraktiker und Ärzte ihren Patienten einen „Immunglobulin-G-Test“ an (IgG- oder IgG4-Test). Die Blutuntersuchung soll feststellen können, welche Lebensmittel die allergische Reaktion auslösen. Denn gegen solche „Bösewichter“ – so die Theorie – bildet der Körper vermehrt Antikörper der Sorte IgG.

Die Bildung von Antikörpern ist einerseits die Grundlage bestimmter allergischer Reaktionen, andererseits sind Antikörper ein wichtiger Bestandteil unseres Immunsystems. Ihr Gehalt im Blut kann durch sehr verschiedene Ursachen beeinflusst werden, u.a. durch Nahrung. Wird bei Verdacht auf Nahrungsallergie nun ein IgG-Bluttest gemacht und erhöhte Werte gemessen, gerät die eine oder andere Speise fälschlicherweise unter Verdacht, denn die Ursachen können ganz andere sein.

Die Ergebnisse von IgG-Tests gelten schon länger als irreführend und sogar gefährlich. Sie können nämlich bewirken, dass Allergiker – oder solche, die sich dafür halten – wichtige Lebensmittel nicht mehr essen. So kann eine Mangelsituation entstehen, weil man auf vermeintliche Al­lergieauslöser verzichtet. Auf den Unsinn von IgG-Tests – übrigens eine Selbstzahlerleistung (IGeL) – hat der IGeL-Monitor bereits 2012 hingewiesen.1

Anhand einer Faktenbox macht nun die AOK klar, dass der IgG-Test selbst über die wichtigsten Lebensmittelallergene nichts aussagen kann: „Die Bestimmung von IgG4-Antikörpern gegen Nahrungsmittel ist daher für den Nachweis einer Nahrungsmittelallergie oder -intoleranz nicht von Bedeutung und sollte im Zusammenhang mit nahrungsmittelassoziierten Beschwerden nicht durchgeführt werden.“2 Stattdessen kann ein Ernährungs­tagebuch weiterhelfen.

1 www.igel-monitor.de/Igel_A_Z.php?action=abstract&id=47
2 www.aok.de/fileadmin/user_upload/Universell/05-Content-PDF/160620-AOK-Faktenbox-Allergie.pdf

Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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