Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2016 / 03 S. 15

Kurz und knapp:

Bandwurm: Beeren als Risiko?

© Jamie_Hall – istock.com
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Wer an Bandwürmer denkt, hat meist die eklige Assoziation: ungebremstes Wachstum im Gedärm. Gerade beim Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) stimmt das so nicht. Denn dieser Parasit ist nur 2 bis 4 Millimeter groß. Länger wird er nicht. Er gelangt meist mit den winzigen Eiern, die infizierte Füchse und Hunde im Kot ausscheiden, in unseren Körper: von der Erde oder dem Fell über die Hand in den Mund.

Zum Glück bleibt es bei acht bis neun von zehn infizierten Menschen beim unangenehmen Gedanken, und die Bandwurmeier richten kein Unheil an. Bei einem oder zwei von zehn nisten sich die- Larven jedoch bevorzugt in der Leber ein, nachdem sie im Darm aus den Eiern geschlüpft sind. In der Leber können sie sich stark vermehren und zu großen flüssigkeitsgefüllten Gebilden (Zysten) heranwachsen. Eine solche „alveoläre Echinokokkose“ macht oft keine Beschwerden und bleibt dadurch jahrelang unbemerkt. Manchmal werden die Zysten zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt, manchmal aufgrund von unerklärlichen Bauchschmerzen oder weil sie den Gallengang einengen und eine Gelbsucht entsteht. In Deutschland werden pro Jahr 30 bis 50 derartige Erkrankungen erfasst. Im frühen Stadium können Zysten durch eine Operation entfernt werden, später hilft oft nur eine lebenslange Chemotherapie.

„Um sich vor einer Infektion zu schützen, muss keiner auf Beeren aus dem Wald oder Garten verzichten“, versichert der Bandwurm-Experte Klaus Brehm von der Universität Würzburg, der kürzlich für seine Forschung an Bandwurmerkrankungen mit dem Memento-Preis ausgezeichnet wurde (GPSP 2/2016, S. 5). Riskant seien am ehesten bodennah wachsende Gemüsesorten, Pilze, Salate und manche Beeren – etwa die niedrig fruchtenden Blaubeeren (Heidelbeeren) und Erdbeeren. Gründlich gewaschen oder gekocht sind auch diese kein Problem, denn 60º Celsius und mehr überleben die Bandwurmeier nicht.

Gefährdet sind zum Beispiel Jäger, Landwirte und Hobbygärtner durch Kontakt mit Wurmeiern in der Erde. Hunde kommen ebenfalls als Überträger des Fuchsbandwurms infrage, sofern sie Mäuse nicht verschmähen. Denn die kleinen Nager sind sehr häufig infiziert. Katzen übertragen die Erreger offenbar selten. Abhilfe schafft jedenfalls eine regelmäßig Entwurmung des Haustiers. Und Händewaschen!


Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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