Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2016 / 04 S. 18

Glosse:

Kinderkriegen

Unserem Land geht der Nachwuchs aus. Warum bloß? Beim Durchforsten der Ratgeber-Literatur zum Thema Kinderkriegen kommt die Erleuchtung: Das hat womöglich nicht nur was mit einer kinderfeindlichen Gesellschaft und Politik – samt kinderlosen PolitkerInnen – zu tun. Nein, offenbar wabert in Frauen hierzulande etwas, das zu einer „tief verankerten Angst der Schwangeren vor der Geburt“ führt!1 Aha.

Und wenn dem so ist, dann ist es nur gut, dass der Trias Verlag einen Ratgeber auf den Markt geworfen hat, der diesen Ängsten entgegensteuert. „Autogene Geburt“ heißt ein verheißungsvoller Titel. Und vom „Autogenen Training“ weiß man ja nur Gutes. Denn hier wie dort geht es eben darum, etwas aus eigener Kraft und von innen heraus zu bewerkstelligen.
Die Trias-Autorin hatte jedenfalls die abgefahrene Idee, dass die „Gebärende das Kind viel stressfreier, energiesparender und verletzungsärmer zur Welt bringen kann, wenn sie auf ihren eigenen Körper hört“. Dabei sollen „besondere Atem-, Entspannungs- und Konzentrationsübungen aus dem Bereich des autogenen Trainings  und der Selbsthypnose helfen“. Und dementsprechend verspricht der Untertitel: „Mit Hypnobirthing selbstbestimmt gebären“. Wow.

Wer nun allerdings beim Thema Hypnose zurückschreckt, dem sei versichert: Die Gebärende ist da schon ganz bei sich – und nicht auf einem anderen Stern. Denn es geht beim sogenannten Hypnobirthing  vornehmlich darum, das Schmerzempfinden zu mindern, indem frau ihre Schmerzerwartung drosselt. Oder sich per „Farbatmung“ mal richtig entspannt. Wie sie das während der Geburt hinkriegen soll, verraten sogenannte Hypnobirthing-Praktikerinnen, die sich nach einer Art Fortbildung sogar mit einem Zertifikat schmücken dürfen. Das wiederum befähigt sie, geburtsvorbereitende Kurse als zertifizierte Hypnobirthing-Praktikerin anzubieten und vier Termine für rund 400 € zu kassieren. Billiger gibt’s Farbatmung & Co. online!

Ein Hypnobirthing-Zertifikat nennt auch die Trias-Autorin ihr Eigen, die nicht nur Kulturwissenschaften studiert hat, Journalistin bei „Bild“ war und ausgebildete Hypnotiseurin ist, sondern – man lese und staune – selbst Mutter ist. Die Ankündigung des Ratgebers bei Trias hält übrigens eine besondere Überraschung bereit: Die vielseitige Autorin ist tatsächlich ClauWi®-Beraterin. Und dank Google erfahren wir mit wenigen Klicks, wie wunderbar sich diese Qualifikation an all die empfohlenen Techniken rund ums Gebären anschließt. ClauWi ®-Beraterinnen wissen nämlich ganz genau, wie man das ClauWi ®-Babytragetuch richtig bindet.

1    Alle Zitate: Verlagsprogramm Frühjahr 2016, Trias Report, S. 19


Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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