Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2012 / 03 S. 14a

E-Zigaretten: Chaos ohne Ende

Ungesunder Dampf

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Die Verwirrung ist komplett: In einigen Bundesländern wie in Brandenburg, Bremen und Sachsen-Anhalt, dürfen E-Zigaretten nicht verkauft werden. Bayern und Schleswig-Holstein gehören zu den Ländern, die den Verkauf zulassen. Und während die Bundesregierung die nikotinhaltigen Patronen für E-Zigaretten als Arzneimittel einstuft (GPSP 2/2012, S. 5), hat ein Gericht dem Land Nordrhein-Westfalen untersagt, vor E-Zigaretten zu warnen.1

Der Verband des eZigarettenhandels e.V. will seine Produkte als „Genussmittel und eine probate Alternative zur Tabakzigarette für Raucher“ sehen, „die nicht aufh ören wollen oder können“ und beklagt eine „Hetzkampagne gegen eRaucher“.2

Ein Argument scheint manche zu überzeugen: Da in E-Zigaretten eine Nikotinlösung verdampft wird, fallen nicht die vielen schädlichen Stoff e an, die bei der Verbrennung von Tabak entstehen. Das macht E-Zigaretten jedoch nicht zu einer harmlosen Alternative zum Tabak. Sie können Menschen sogar davon abhalten, den einzig richtigen Schritt zu tun, nämlich sich das Rauchen abzugewöhnen. Es besteht schließlich sogar die Gefahr, dass die Zigaretten insbesondere Technik-affine junge Menschen anlocken.

Außer Nikotin enthalten die Patronen für E-Zigaretten Zusatzstoffe, die in Lebensmitteln erlaubt sind. Ob sie aber unbedenklich sind, wenn sie verdampft werden, ist unzureichend untersucht. Zudem fehlen aussagekräft ige Studien zu den langfristigen Folgen des Inhalierens von nikotinhaltigem Dampf. Nikotin ist ein starker Suchtstoff , den jetzt E-Zigarettenhersteller als „Genussmittel“ verharmlosen – so wie es seit Jahrzehnten die Zigarettenindustrie tat. Gesundheitsschäden wie Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Schlaganfall sind für Nikotin gut belegt. Und Nikotin ist ein starkes Gift . Die einzelne Patrone einer E-Zigarette kann bis zu 24 mg Nikotin pro Milliliter enthalten. Schluckt ein Erwachsener 40 mg bis 60 mg Nikotin auf einmal, ist dies tödlich. Bei Kindern liegt die lebensbedrohliche Dosis deutlich niedriger.

Wir befürchten, dass die positive Entwicklung – die Zahl der Raucher und der typischen Raucherkrankheiten geht seit Jahren kontinuierlich zurück – durch die Vermarktungsstrategien der E-Zigarettenhersteller gestoppt oder sogar umgekehrt wird.


Quellen
1 beck-aktuell: OVG Münster untersagt Landesgesundheitsministerium Warnung vor E-Zigaretten (AZ 13 B 127/12), 23. April 2012
2 Verband des eZigarettenhandels e.V., Pressemitteilung vom 2. März 2012


Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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