Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2012 / 05 S. 05

Bepanthen®

In unserer Serie über die meistverkauften Medikamente in Deutschland stellen wir Ihnen nun Platz 4 vor. Die Bepanthen® Wund- und Heilsalbe gibt es seit mehr als 60 Jahren. Später kam Bepanthen® als flüssige Lösung, als Augen- und Nasensalbe u.a. auf den Markt. Bepanthen®-Präparate werden in Apotheken mehr als 14 Millionen mal im Jahr verkauft. Dies ist erstaunlich viel bei einem Mittel, für dessen Nutzen wir keine aussagekräftigen
Belege finden.

Seit 1950 wird Bepanthen® Wundund Heilsalbe zur Wundbehandlung verwendet, und seit Jahrzehnten
steht es bei uns ganz oben in den Verkaufslisten der Apotheken. 1993, also vor knapp 20 Jahren, lag Bepanthen® auf Rang 7.
Das arznei-telegramm stufte Bepanthen® damals als „Hausmittel ohne hinreichende Dokumentation“ und als „teuer“ ein.1 Daran hat sich bis heute nichts geändert. In vielen Ländern gibt es das Präparat überhaupt nicht.

Bepanthen® enthält Dexpanthenol(auch Panthenol genannt), das im Körper zu Pantothensäure umgewandelt wird. Das ist ein Vitamin aus der Vitamin-B-Gruppe (B5). Dexpanthenol soll in geschädigter Haut einen angeblich erhöhten Pantothensäurebedarf ausgleichen. Dass dies so funktioniert, ist aber lediglich eine Hypothese. Die 5%ige Dexpanthenol Salbe wird in den Produktinformationen des Anbieters „zur Unterstützung der Heilung bei oberflächlichen leichten Haut- und Schleimhautschädigungen“ angeboten, beworben wurde sie allerdings für deutlich konkretere Anwendungen, zum Beispiel bei allergischen Hauterscheinungen, Sonnenbrand, kleinen Schürf- und Brandwunden, bei Babys wundem Po und sogar zur Vor- beugung von Hautpilz und bei Akne.

Ob die Salbe tatsächlich die Wundheilung fördert, muss offen bleiben. Bis heute finden wir nur Hypothesen und individuelle Erfahrungsberichte, aber keine aussagekräftigen Studien, die die Wirksamkeit von Dexpanthenol in äußerlichen Hautpräparaten belegen. Eine Untersuchung von Krebspatienten mit Hautschäden durch die Strahlentherapie, lässt keine positiven Effekte erkennen: Die Haut heilt mit Dexpanthenol- Salbe nicht besser ab als ohne Behandlung.2 In einer weiteren Studie mit Patienten nach Strahlentherapie blieb ein Effekt aus – wie bei anderen Mitteln, z. B. Puder mit Kamillenöl.3

Die seit einigen Jahren angebotene Bepanthen® antiseptische Wundcreme halten wir für überflüssig. Das Präparat enthält neben Dexpanthenol das desinfizierende Chlorhexidingluconat. Es wird zur „hautverträglichen Erstversorgung bei oberflächlichen, verschmutzten Wunden“4 verkauft. Solche Wunden sollte man jedoch in der Erstversorgung beispielsweise unter fließendem Wasser reinigen und nicht mit einer Wundcreme behandeln. Ist eine Wunde unübersichtlich und verschmutzt, sollten Sie gleich zum Arzt gehen.

Obwohl es an wissenschaftlichen Belegen für die heilende Wirksamkeit von Bepanthen® mangelt, können Creme oder Salbe auf gereizter Haut als lindernd empfunden werden. Die Creme- oder Salbengrundlagen, in die das Dexpanthenol eingearbeitet ist, könnten dabei sogar von größerer Bedeutung sein als der Arzneistoff selbst. Wer eine Wund- und Heilsalbe auftragen möchte, kann daher auch deutlich preiswertere Panthenol-Präparate anderer Anbieter nutzen (siehe Tabelle). Wie angenehm man die jeweiligen Salben- beziehungsweise Cremegrundlagen findet, ist gewissermaßen Gefühlssache.

Quellen:
1 arznei-telegramm (1994) 9, S. 82
2 Lokkevik E u.a. (1996) Acta Oncol 35 S. 1021
3 Schreck U u.a. (2002) Strahlenther. Oncol. 178 S. 321



Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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