Ausgabe Nr. 4 Juli/August 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,
Mit den Themen Impfen gegen Gürtelrose (S. 4) und Einschränkungen bei der Therapie mit Fluorchinolonen (S. 10) haben wir zwei aktuell wichtige Arzneimittelthemen im Heft, während die Buchbesprechung (S. 12) und der Artikel zur Contergan-Affäre (S. 8) illustrieren, wie sich die Medizin über die Jahre weiterentwickelt hat.
Aus aktuellem Anlass: Impfpflicht für Masern?
Es wäre ein Tabubruch, die Pflichtimpfung gegen Masern. Der Gesundheitsminister droht sogar mit Strafen. Doch ist Zwang überhaupt die beste Maßnahme?
Impfen gegen Gürtelrose?
Wer die Windpocken durchgemacht hat, kann im fortgeschrittenen Alter Gürtelrose (Herpes zoster ) bekommen. Und die kann ziemlich unangenehm sein. Trotzdem wurde eine Impfung bislang nicht empfohlen. Jetzt gibt es einen besser geeigneten Impfstoff. Für wen kommt er in Frage?
Kein Kraut gewachsen
Die Werbung hört sich großartig an: Die homöopathischen Tropfen Glycowohl® sollen gegen Diabetes helfen und die Bauchspeicheldrüse schützen. Nur dumm, dass es keine überzeugenden Belege dafür gibt.
Das Erbe von Contergan
Anfang der 1960er Jahre erschütterte die Contergan-Katastrophe das Vertrauen in Arzneimittel. Das als besonders verträglich angepriesene Schlaf- und Beruhigungsmittel mit dem Wirkstoff Thalidomid sorgte in vielen Ländern für großes Leid: Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft das Mittel eingenommen hatten, kamen mit teilweise schweren Missbildungen von Organen und Gliedmaßen zur Welt. Das machte deutlich, dass strengere Regeln für die Prüfung und Zulassung von Arzneimitteln gebraucht wurden.
Einschränkungen für gängige Antibiotika
Ob Blasenentzündung oder Bronchitis – zu oft landen Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone auf dem Rezept. Diese sollen Ärztinnen und Ärzte jetzt deutlich zurückhaltender verordnen: Denn die Wirkstoffe wie Ciprofloxacin oder Ofloxacin bergen einige Risiken.
Der Horror der frühen Medizin
Hygiene, Desinfektionsmittel, Narkosen bei Operationen: Für uns heute selbstverständlich. Mitte des 19. Jahrhunderts sah das noch ganz anders aus.
Aufgefrischt: EMA verbietet unwirksames Krebsmittel
Die europäische Arzneimittelagentur EMA wurde wiederholt für vorschnelle Zulassungen kritisiert.1 GPSP berichtete zuletzt über den Wirkstoff Olaratumab, mit dem eine seltene Krebserkrankung, das sogenannte Weichgewebesarkom, behandelt wurde.
Aufgefrischt: Biotin verfälscht medizinische Tests
GPSP warnte kürzlich (2/2019, S. 26): Biotin erschwert das Erkennen von Krankheiten, weil es Labortests verfälschen kann.
Kurz und knapp: Antidepressivum
Wer nach einem Schlaganfall halbseitige Lähmungen und andere Ausfälle hat, leidet meist auch seelisch. Manche Betroffene entwickeln eine Depression. Beides soll das Antidepressivum Fluoxetin verhindern können, indem es die Verfügbarkeit von Nervenbotenstoffen verbessert. Soweit die Theorie.
Kurz und knapp: Testosteron-Gel
Es ist bekannt, dass Hormone wie Östrogen und Testosteron, die man etwa als Gel auf Körperpartien aufträgt, bei Hautkontakt übertragen werden können.
Kurz und knapp: Vitamin K
In einem Leserbrief an das arznei-telegramm® wundert sich ein Arzt, dass Vitamin K2 derzeit so gehypt wird, und zwar als wichtige Ergänzung zu Vitamin D.
Kurz und knapp: Trichomonaden
Trichomonaden sind kleine Einzeller mit einer Geißel – Geißel­tierchen werden sie auch genannt –, die beim Sex übertragen werden. Während infizierte Männer in der Regel nur wenige Beschwerden verspüren, haben die meisten Frauen Schmerzen beim Sex und auch beim Wasserlassen.
Was zählt?
Wann sind Studien gut? Diese Frage stellt sich nicht nur bei deren Planung und Durchführung, sondern auch bei ihrer Auswertung. Denn hier gibt es jede Menge Tricks, die Ergebnisse „hinzubiegen“.
Glosse: Datenfreie Message
Das ist unbedingt eine gute Sache, dass Werbetexter und Kommunikationsabteilungen so oft auf diese kleinen oder ganz großen Grafiken setzen, die ihre Botschaft an den Mann und die Frau nochmals anschaulich zusammenfassen.
Nachgefragt: „Homöopathie ist wie ein schönes Märchen“
Die Ärztin Natalie Grams will, dass homöopathische Produkte nicht mehr wie Arzneimittel ausschließlich in Apotheken verkauft werden, um ihnen den Anschein von wirksamer Medizin zu nehmen. Globuli gehören – wenn überhaupt – in den Supermarkt oder in die Drogerie. Aufklärung soll diese Umkehr bewirken: Mit dem Informationsnetzwerk Homöopathie kommuniziert sie deshalb Fakten zur Homöopathie und ihren zweifelhaften Grundlagen.
Aus der Traum?
Viele Jahre boomte das Geschäft mit homöopathischen Mitteln. Hersteller und Anhänger der Präparate nutzen dies immer wieder gern als Werbebotschaft, offenbar auch um von der fehlenden Wissenschaftlichkeit und unerwiesenen Wirkung abzulenken.
Leserbrief: Anonyme Leserbriefe?
in der aktuellen Ausgabe ist es mir zum wiederholten Male in meiner langen Abonnentenzeit aufgefallen: ein Leserbrief wird ohne Namen, Stadt etc. der Verfasserin/des Verfassers veröffentlicht. Aktuell lese ich da nur „HS“.
Leserbrief: Gerinnungshemmer
Zwei Leser vermissen Informationen in unserem Beitrag zur sicheren Anwendung von Gerinnungshemmern (GPSP 3/2019, S. 4). Dabei geht es ihnen zum einen um die Selbstmessung des INR-Werts bei der Behandlung mit Phenprocoumon und zum anderen um die Markennamen, unter denen dieser Wirkstoff verkauft wird.
Drei Fragen zu elektronischen Gesundheitsakten
Patientenakte, Gesundheitsakte – sind das einfach nur zwei Begriffe für dieselbe Sache? Und wie sieht es bei den neuen Speicherungsmöglichkeiten eigentlich mit dem Datenschutz aus? Um diese Fragen geht es im zweiten Teil unserer Serie.
Gepanschtes: Absurde Namen für kriminelle Produkte
Vor wenigen Wochen hat das Regierungspräsidium Tübingen vor „Rammbock“ gewarnt, einem im Internet und in Wettbüros vertriebenen Produkt.1 In dem angeblichen Nahrungsergänzungsmittel wurde der chemische Erektionsförderer Sildenafil entdeckt, also der Wirkstoff des verschreibungspflichtigen Präparates Viagra®, von dem es inzwischen auch viele Generika gibt. Das Regierungspräsidium spricht von einer „erhöhten Dosierung“ in „Rammbock“, die „schlimmstenfalls tödliche Wirkung“ haben könnte.1
Werbung – Aufgepasst!: Fette Beute
Den Speck „Einfach, schnell, dauerhaft und gesund“ loswerden. Und noch besser: Refigura® soll das „gefährliche Bauchfett“ schrumpfen lassen. Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Es ist gar nicht so einfach herauszufinden, was in dem Mittel überhaupt drin ist.