Ausgabe Nr. 4 Juli/August 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,
selbst wenn ein Arzneimittel schon lange auf dem Markt ist, bleiben nicht selten wichtige Fragen zur Wirksamkeit und Verträglichkeit offen. So haben sich Statine seit Jahrzehnten in der Verhütung erneuter Herzinfarkte als wirksam erwiesen. Unzureichend ist aber geklärt, ob oder wie gut diese Gruppe von Fettsenkern auch alte und sehr alte Menschen schützt – mit und ohne Vorerkrankungen der Herzkranzgefäße.
Aus aktuellem Anlass: Geschädigte Frauen schauen in die Röhre
Erinnern Sie sich noch? Vor einigen Jahren flog der Pfusch der französischen Firma PIP auf: Sie hatte für Brustimplantate Industriesilikon benutzt, das nicht für medizinische Zwecke verwendet werden darf. Das fiel lange nicht auf, denn der TÜV Rheinland, der die Firma überprüfte, kündigte seine Kontrollen vorher an.
Auf den Takt kommt es an
Wenn das Herz zu langsam schlägt und zu wenig Blut pumpt, kann ein Schrittmacher helfen. Doch was macht der eigentlich genau und worauf muss man achten?
Arzneimittelsicherheit: Verwechselungsgefahr mindern
Arzneimittelschachteln sehen sich manchmal sehr ähnlich. Das kann zu gefährlichen Missgriffen führen. Was kann man dagegen tun?
Von Kühen und Milchmädchen
Pocken galten jahrhundertelang als der „fürchterlichste Gehilfe des Todes“. Vermutlich fielen ihnen sogar mehrere Weltreiche zum Opfer. Diese Krankheit schonte weder Rang noch Namen: Königinnen und Prinzen starben ebenso daran wie Arme. Heute gelten die Pocken als ausgerottet – und daran haben auch Kühe einen wesentlichen Anteil.
Riskante Geburtseinleitung?
Wenn eine Geburt eingeleitet werden muss, wird in Deutschland dafür häufig der Wirkstoff Misoprostol verwendet, der in Tablettenform unter dem Handelsnamen Cytotec® auf dem Markt ist. Für diesen Zweck ist das Mittel allerdings nicht zugelassen und geriet deshalb kürzlich in die Kritik: Laut Medienberichten soll es Babys und Frauen geschädigt haben. Die Geschichte ist jedoch komplexer, als es auf den ersten Blick erscheint.
Was nützen die Blutfettsenker im Alter?
Statine sollen das Risiko für einen Herzinfarkt senken – aber funktioniert das auch noch im fortgeschrittenen Alter? Trotz offener Fragen gibt es dazu inzwischen einige Antworten.
Kurz und knapp: Spermidin
Wer möchte das nicht, wenn er in die Jahre kommt: ein unverfängliches Mittel schlucken, das dafür sorgt, dass der Körper – wie in jungen Jahren – die Zellen frisch hält. An diesem ererbten biologischen Programm der Frischerhaltung ist unter anderem die Autophagie beteiligt.
Kurz und knapp: Überaktive Blase
Eine überaktive Blase ist belastend: Sie schickt Betroffene sehr häufig zur Toilette, der Druck ist erheblich, nachts heißt es extra aufstehen, und es kommt vor, dass unfreiwillig Harn abgeht. Was tun? Ärzte verordnen oftmals Arzneimittel gegen solche Miktionsstörungen, entweder einen Alpha-Blocker oder ein Anticholinergikum.
Kurz und knapp: Psychopharmaka
In reichen Industrieländern wird jeder zweite psychisch kranke Mensch mit Psychopharmaka behandelt. Heute kommen bei uns 40 Prozent mehr Antidepressiva aufs Rezept als vor zehn Jahren. Bei den Antipsychotika – etwa bei Schizophrenie oder gegen Ängste verordnet – stieg die Rate um 15 Prozent.
CT und gut?
Tumore in der Lunge sind in Deutschland bei Männern die häufigste, bei Frauen die zweithäufigste Ursache für einen Krebstod. Betroffen sind vor allem starke Raucher. Lohnt sich für sie die Früherkennung per Computertomografie?
Glosse: Weicher Keks
Gesunde Muskeln, gesunde Augen, gesunde Knochen – für alles gibt es Nahrungsergänzungsmittel. Aber mal wieder typisch: An die Kleinen, die die ganze Arbeit machen, denkt keiner. Wovon sollen sich denn unsere Zellen ernähren, wenn es für sie keine sorgsam ausgewählten Mikronährstoffe gibt? Etwa von Obst und Gemüse?
Nachgefragt: „Für sich kann man es sich nicht vorstellen“
In Deutschland leben geschätzt rund 150.000 Stomaträgerinnen und -träger, das sind Menschen mit künstlichem Darmausgang oder künstlicher Harn­ableitung. Wie lebt es sich damit? Was müssen Familie und Freunde beachten? Wir haben mit Maria Haß gesprochen, Mitarbeiterin einer bundesweiten Selbst­hilfevereinigung und selbst seit über 40 Jahren Stomaträgerin.
Geld zurück vom Finanzamt
Medikamente, die die Krankenkasse nicht zahlt, Ausgaben für Zahnersatz, Zuzahlungen für einen Krankenhausaufenthalt oder während der Reha: Im Laufe des Jahres können sich Kosten summieren. Diese müssen Patienten nicht immer allein stemmen – sie können ihre Gesundheitsausgaben beim Finanzamt geltend machen. Steuern sparen sie allerdings erst, wenn die Ausgaben so hoch sind, dass sie eine „außergewöhnliche Belastung“ sind.
Leserbrief: Omega-3-Fettsäuren
Wir hatten im letzten Heft über eine Entscheidung der europäischen Zulassungsbehörde EMA berichtet, dass für Medikamente mit Omega-3-Fettsäuren die Indikation Schutz vor weiteren Herzinfarkten wegen Wirkungslosigkeit gestrichen wurde. Diesen Beschluss hat die EMA auf Basis der Ergebnisse von klinischen Studien getroffen. Das ist keine „pauschale Abwertung“, sondern eine Entscheidung auf Basis von wissenschaftlichen Daten.
Mehr Schaden als Nutzen für Männer?
Der PSA-Test soll helfen, Prostatakrebs früh zu erkennen. Eine kürzlich veröffentlichte Bewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) beleuchtet Nutzen und Schaden.
Einfach schnell mal träufeln oder sprühen?
Nasensprays und -tropfen sind doch ganz einfach anzuwenden – denkt man. Im richtigen Leben birgt die richtige Handhabung jedoch einige Fallstricke. Und je nach Wirkstoff können Fehler lebensbedrohlich werden. Das zeigen zwei Beispiele, über die kürzlich in medizinischen Fachkreisen berichtet wurde.
Werbung – Lavendel: Gar nicht so dufte
Lavendel wurde zur „Arzneipflanze des Jahres 2020“ gekürt. Dass nun verschiedene Anbieter von Lavendelprodukten aus den blumigen Anpreisungen Kapital schlagen, verwundert nicht. Aber dass eine gesetzliche Krankenkasse in einer Pressemitteilung die Wirksamkeit von Lavendel bei allen möglichen Krankheiten anpreist,1 ist nicht nachvollziehbar.