Ausgabe Nr. 2 März/April 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,
Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit, viele nehmen Medikamente dagegen ein. GPSP-Leser wissen, dass alle Medikamente Nebenwirkungen haben können. Ob im konkreten Fall die Mittel aber auch Krebs auslösen können, das hat sich GPSP näher angeschaut.
Aus aktuellem Anlass: Außer Spesen nichts gewesen
Immer wieder kritisieren wir vorschnelle Zulassungen von neuen Arzneimitteln, bei denen der Nutzen für Patienten nur dürftig belegt ist. Jetzt wurden erneut übertriebene Hoffnungen enttäuscht. Das Krebsmedikament Olaratumab darf nicht mehr verschrieben werden.1
Nur keine Panik
In letzter Zeit gab es wiederholt Berichte, wonach bestimmte Blutdrucksenker Krebs begünstigen können. Wie kommen solche Verdächtigungen zustande und wie begründet sind sie? Schließlich: Was bedeutet das für Sie als Patient oder Patientin?
Das zweite Baby schützen
Eine Unverträglichkeit beim Blutgruppenmerkmal Rhesusfaktor kann zu schweren Schäden bei ungeborenen und neugeborenen Kindern führen. Das ist schon lange bekannt. Inzwischen gibt es aber einen neuen Test für Schwangere. Was bringt er?
Nüchtern und hilfreich
Seit Jahren steigen die Verordnungszahlen an Antidepressiva – obwohl die Wirksamkeit oft überschätzt wird und viele Patientinnen und Patienten an teils starken Nebenwirkungen leiden. Umfassende Aufklärung zum Thema bietet das Buch „Antidepressiva“.
Groschen gegen Kinderlähmung
Lange Zeit gab es keine effektiven Mittel, um die Kinderlähmung zu verhindern. Das änderte sich erst, als der US-amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt eine große Spenden­kampagne unterstützte und so die Entwicklung eines Impfstoffs ermöglichte.
Die Schattenseiten des Vitamin D-Papstes
Um Vitamin D hat sich in den letzten Jahren – trotz fehlender wissenschaftlicher Belege – weltweit ein regelrechter Hype entwickelt. Eine wichtige Rolle spielt dabei der US-amerikanische Arzt Michael Holick. Ein Artikel in der New York Times skizziert den Aufstieg des „Vitamin D-Papstes“.1
Kurz und knapp: Fischöl fürs Herz? Mehr Marketing als Wissenschaft
Wer an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leidet und reichlich Triglyzeride im Blut hat, der profitiert angeblich von langkettigen Omega-3-Fettsäuren in Fisch oder Fischölprodukten. Doch gut belegt ist diese günstige Wirkung bisher nicht. Ordentlich gemachte Studien kamen überwiegend zu dem Ergebnis, dass das fischige Öl nichts bringt, sofern die Patienten mit Statinen wie Simvastatin behandelt werden.
Kurz und knapp: Depression Placeboeffekt steigt?
Bei uns werden heute fünf Mal so oft Antidepressiva verordnet wie vor 20 Jahren. In den USA nimmt sie jeder Zehnte regelmäßig ein. Dabei ist es keine neue Erkenntnis, dass die Wirksamkeit von Antidepressiva gerade bei leichteren bis mittelgradigen Depressionen fragwürdig ist. Werden sie mit Placebos – also wirkstofffreien Mitteln – verglichen, dann wirken sie in jeder zweiten klinischen Studie nicht besser als ein solches Scheinmedikament.3
Kurz und knapp: Vergiftungen App mit Mängeln
Trinkt ein Kind eine herumstehende Flüssigkeit, die dafür nicht gedacht ist, gelangt es an Medikamente oder knabbert an einer womöglich giftigen Pflanze, dann ist schneller Rat nötig. Eine an sich gute Idee ist die kos­tenfreie Smartphone-App „Vergiftungsunfälle bei Kindern“ des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).4 Sie informiert über Vergiftungsrisiken im Haushalt, durch Pflanzen und Medikamente. Direkt anzuwählen über den Touchscreen ist der Giftnotruf, und Tipps für die Erste Hilfe gibt es auch.
Risiken mindern – Wissenswertes zu Diabetes-Mitteln
Einige Arzneimittel gegen Diabetes können zu einer Unterzuckerung führen, manchmal mit gefährlichen Folgen. Die gute Nachricht: Sie können dem gezielt vorbeugen. Wir zeigen, wie es geht und was für den Notfall zu bedenken ist.
Glosse: Gynäkologenhose
Das sind mal klare Worte aus der gynäkologischen Fachwelt, genauer gesagt von ihrem Berufsverband. Der sagt nämlich: „Selbstmord durch Pille – das ist falsch“ und versucht so, der obersten deutschen Arzneimittelbehörde, dem BfArM, zu widersprechen.1 Die hatte kürzlich in einem Rote-Hand-Brief Ärzte dazu aufgefordert, allen Frauen, die hormonell verhüten, zu raten, sich im Fall von Stimmungsschwankungen und depressiven Symptomen an eine Arztpraxis zu wenden.2 Denn nachweislich könne eine solche Situation fatale Folgen haben, etwa Selbsttötungsabsichten.
Nachgefragt: Die nächste Klinik ist nicht immer die beste
Deutschlands Krankenhausstruktur lässt zu wünschen übrig, argumentiert der Gesundheitsökonom Reinhard Busse. Es gibt zu viele kleine, nicht spezialisierte Häuser, die wenig Erfahrung und Personal haben, so sein Credo. Er spricht sich für eine Umstrukturierung aus, die auch den Pflegenotstand lindern könnte. Wie gut eine Schließung kleinerer Kliniken aufgefangen werden kann, kommt etwa auf die Entfernung zum nächsten Krankenhaus an oder auf die ärztliche Versorgung vor Ort. In diesem Zusammenhang liefert das Interview pointiert wichtige Denkanstöße.
Leserbrief: In eigener Sache
Wir freuen uns, wenn Sie Leserbriefe schicken. Doch leider können wir nicht alle Fragen beantworten.
Leserbrief: Guten Tag
seit November 2005 beziehe ich schon Ihre Zeitschrift Gute Pillen, schlechte Pillen. Viele interessante Artikel fand ich in Ihren Informationen und vor allem einige, die mir persönlich sehr geholfen haben.
Wie es der Zufall will – Was Vergleiche fair macht
Zufall und gute Wissenschaft – schließt sich das nicht aus? Ganz im Gegenteil: Denn in guten klinischen Studien sorgt gerade der Zufall für ausgewogene Ausgangsbedingungen.
Böse Folgen – Biotin verfälscht Tests
Das Nahrungsergänzungsmittel Biotin, das auch als „Vitamin B7“ oder „Vitamin H“ gehandelt wird, kennen Sie vielleicht als „Schönheitsvitamin“ aus der Werbung. Dabei ist es kein echtes Vitamin, und auf zuverlässige Studien, die bei Menschen mit normaler Ernährung positive Effekte auf Haut und Haar belegen, warten wir noch.
Gepanschtes: Außer Kontrolle
Geschätzt zwei Milliarden Euro geben Bundesdeutsche pro Jahr für Nahrungsergänzungsmittel aus – ­Tendenz etwa um 4% bis 5% jährlich steigend. Das ist eine unvorstellbare Geldverschwendung, da solche Produkte – außer in wenigen Ausnahmesituationen – überflüssig sind. Aktuell teilt dies auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mit.1 Besonders schlimm ist es, dass vielfach potenziell gesundheitsgefährdende gepanschte Nahrungsergänzungsmittel geschluckt werden, die chemische Wirkstoffe enthalten, die verschreibungspflichtig wären, wenn sie als Arzneimittel verkauft würden.
Werbung – Aufgepasst! Heilung in 8 Minuten?
Viele Internetseiten locken mit „News“, drumherum wird Werbung platziert. Bei web.de stießen wir so auf ein „Deutsches Gesundheitsportal“,1 das schnelle Heilung von Schmerzen anpreist. Auch wenn es sich auf den ersten Blick seriös gibt, handelt es sich um schnöde Werbung für ein fragwürdiges Produkt: Magnetische Einlegesohlen „Magneto 500 Plus“, angeblich die Erfindung eines Professor Markus Niemeyer.