Ausgabe Nr. 1 Jan./Febr. 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,
unter dem Deckmäntelchen „Vorsorge“ kursieren im Netz viele Angebote von Arztpraxen für eine Computer-Tomographie. Klingt sanft. Aber ist das überhaupt legal – mal eben ohne konkreten Krankheitsverdacht ein CT anbieten?
Prof. Dr. Walter Thimme †
Kurz nach seinem 83. Geburtstag ist Prof. Dr. med. Walter Thimme am 9. November 2019 gestorben. Mehr als 40 Jahre hat er sich als unermüdlicher Kämpfer für eine hohe wissenschaftliche Qualität und für die Unabhängigkeit der ärztlichen Fortbildung eingesetzt, davon 26 Jahre auch als Mitherausgeber des ARZNEIMITTELBRIEFS – einer der Mutterzeitschriften von Gute Pillen – Schlechte Pillen.
Lücken im Beipackzettel
Wirkstoffpflaster gelten als einfach in der Handhabung – aber die Details haben es in sich. Was müssen Patientinnen und Patienten für eine sichere Anwendung wissen?
Die Spritze gegen Migräne
Innerhalb von sieben Monaten sind drei neue Wirkstoffe zur Vorbeugung von Migräne auf den Markt gekommen. Was wir darüber wissen – und was nicht.
Riskanter als bisher gedacht
Durch eine Hormonbehandlung in den Wechseljahren steigt das Risiko für Brustkrebs. Nun gibt es eine neue umfassende Analyse. Demnach gilt das vermutlich schon ab dem zweiten Anwendungsjahr.
Viel Lärm um nichts
Welches ist die bessere „Pille danach“: Ulipristal oder Levonorgestrel? Um diese Frage geht es immer wieder in der Werbung. Dabei scheut der Hersteller von Ulipristal auch nicht vor schlecht belegten Behauptungen zurück.
„Vorsorge“ mit Computer-Tomographie?
Für die Früherkennung diverser Erkrankungen kursieren zahlreiche Angebote im Internet. Eine Analyse des Bundesamts für Strahlenschutz zeigt: Viele der angebotenen Untersuchungen mittels Computer-Tomographie ohne konkreten Krankheitsverdacht sind illegal. Und über Nutzen und Schaden wird unzureichend informiert.
Kurz und knapp: Halsschmerzen Weniger Antibiotika
Noch immer werden zu oft Antibiotika verordnet, wenn Patienten wegen Halsschmerzen ihre Hausarztpraxis aufsuchen. Oft sind Viren die Ursache, bei denen Antibiotika nicht helfen können.
Kurz und knapp: Vaginalring Generika brechen oft
Eine von vielen Verhütungsmethoden ist der hormonhaltige Vaginalring, den Frauen in die Scheide einführen. Dieser Ring gibt dann drei Wochen lang kontinuierlich Hormone ab, die auch in manchen Antibaby-Pillen stecken.
Kurz und knapp: Gerinnungshemmung Blut im Sperma
Wer wegen Vorhofflimmerns oder aus einem anderen Grund Arzneimittel einnimmt, die die Blutgerinnung mindern, weiß in der Regel aus der Beratung in der Arztpraxis, der Apotheke oder dem Beipackzettel, dass mit leichteren Blutungen zu rechnen ist.
Lungenkrebs durch Rauchen?
In den 1940er Jahren hatte Großbritannien die höchste Lungenkrebsrate der Welt. Zu dieser Zeit rauchten dort rund 80 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen. Doch konnte wirklich das Rauchen die Ursache für die vielen Krebserkrankungen sein? Waren nicht eher die Abgase von Fabriken, Autos und Kohleöfen schuld? Zwei Statistiker suchten mithilfe von Studien nach einer Antwort – und stießen dabei auf erbitterten Widerstand.
Aufgefrischt: Was bringt mir die Chemo?
Frauen, die bei frühem Brustkrebs vor der Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie stehen, können sich jetzt besser orientieren: Kürzlich wurden gut verständliche Erläuterungen zu einem Biomarker-Test veröffentlicht, die bei Entscheidungen zur Behandlung helfen sollen.
Nachgefragt: Vom Falschen zu viel, vom Richtigen zu wenig
Es wird zu viel operiert und gemessen, aber zu wenig geredet. Warum bekommen in Deutschland einige Patienten mehr als gut ist und andere weniger als sie benötigen? Wir haben mit dem Mediziner Martin Scherer gesprochen. Er ist Erstautor einer neuen Leitlinie der DEGAM,1 die Unter- und Überversorgung vermeiden will.
Wie „Alternativmedizin“ Patienten gefährdet
Praktisch jede medizinische Therapie hat mögliche Nebenwirkungen, wenn sie wirksam ist. Aufgabe von Ärzten, Apothekern und Behörden ist es, Nutzen und Risiken abzuwägen und Patienten hierüber aufzuklären. Im Bereich der sogenannten Alternativmedizin läuft es meist anders: Hersteller, Heilpraktiker, Heilpraktikerinnen, aber auch manche Ärztinnen oder Ärzte werben hier mit Versprechen, die wissenschaftlich nicht belegt sind – und gefährden damit oftmals ihre Patienten.
50 Jahre arznei-telegramm®
GPSP wird von vier unabhängigen Arzneimittelzeitschriften getragen, eine davon ist das arznei-telegramm®, das seit einem halben Jahrhundert in Berlin erscheint. Wir gratulieren.
Gegenmittel zugelassen – jetzt alles gut?
Schon mehrfach hat GP-SP über die neuen direkten oralen Antikoagulanzien – kurz DOAK – berichtet. Eines der Bedenken war das Fehlen von Gegenmitteln für den Fall gefährlicher Blutungen. Diese sind nun erhältlich. Befriedigend gelöst ist das Problem damit aber leider noch nicht.
Lebensgefährliche Produkte aus dem Internet
Es ist schier entsetzlich, was da alles an stark wirksamen Substanzen in angeblich „natürlichen“ oder „rein pflanzlichen“ Nahrungsergänzungsmitteln auftaucht, wenn die Zusammensetzung derart angebotener Produkte im Labor überprüft wird.
Werbung – Aufgepasst! Dreiste Trittbrettfahrer
Rückenschmerzen können unangenehm sein, keine Frage. Aber die untenstehende Werbung für Restaxil® führt gleich dreifach in die Irre. Erstens sind die meisten Rückenschmerzen keine Nervenschmerzen. Zweitens kann man aus der Nichtempfehlung für bestimmte Schmerzmittel keine Empfehlung für das eigene Produkt ableiten. Drittens ist die Wirksamkeit des angepriesenen Produkts zweifelhaft.1