Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2010 / 02 S. 14b

Gepanschtes:

Schweizer Behörden schlagen Alarm

Panschereien aus dem asiatischen Raum

Nahrungsergänzungsmittel und Arzneimittel im Internet zu kaufen, wird immer populärer. Vielen erscheint das Angebot dort besonders günstig und manche bestellen im Internet ohne Rezept verschreibungspflichtige Medikamente, beispielsweise Anabolika zum Muskelaufbau oder erektionsfördernde Mittel. Das ist illegal und gefährlich. Aber auch vermeintlich „natürliche“ Arzneimittel, die via Internet vermarktet werden, bergen Risiken: Manche Anbieter versetzen sie mit verschreibungspflichtigen oder nicht zugelassenen Wirkstoffen.

Schweizer Behörden schlagen jetzt Alarm. Swissmedic legt eine Hochrechnung vor: 2009 gelangten etwa 50.000 Sendungen mit illegal importierten Arzneimitteln in den Alpenstaat – 68% mehr als im Vorjahr. Für Deutschland fehlen entsprechende Daten. Umgerechnet auf die Bevölkerungszahl dürfte von einer halben Million illegaler Lieferungen nach Deutschland auszugehen sein. Etwa die Hälfte stammt nach den Schweizer Erfahrungen aus dem asiatischen Raum (44%), davon über ein Drittel aus Indien.

Am häufigsten hat der Schweizer Zoll Erektionsförderer beschlagnahmt (29%), gefolgt von Schlankheitsmitteln (15%), Muskelaufbaupräparaten (13%), Schlafmitteln oder anderen Arzneimitteln mit Abhängigkeitspotenzial (8%). Eine bedeutende Rolle spielen auch rezeptpflichtige Haarwuchsmittel (6%).1 Vor allem bei den Schlankheitsmitteln setzt sich der Trend zu angeblich natürlichen asiatischen Produkten fort, deren Inhaltsstoffe jedoch oft falsch deklariert sind.

Besonders gefährlich sind gepanschte Nahrungsergänzungsmittel, die – ohne dass es auf der Packung steht – rezeptpflichtige Wirkstoffe enthalten, wie den inzwischen wegen Herzschädlichkeit sogar verbotenen Appetithemmer Sibutramin (GPSP 1/2010, S. 8). In fast jeder Ausgabe warnen wir daher vor aktuell enttarnten vermeintlich pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln (z.B. in GPSP 3/2009, S. 3 oder 1/2010, S. 14). Ständig werden – vor allem im Internet – neue angeblich harmlose und angeblich garantiert wirksame Schlankheitsmittel, Erektionsförderer und so genannte Aufbaumittel angeboten.

Neu gefundene gepanschte Produkte:

Folgende als Nahrungsergänzungsmittel verkauften Präparate enthielten bei aktuellen Überprüfungen verbotene und verheimlichte, also nicht deklarierte chemische Wirkstoffe.

Full Contact Max Potency, 2H & 2D, M-Action, RockHard Weekend, Stiff Nights, Stro Emperor Kapseln

In diesen zur „sexuellen Stärkung“ angebotenen Nahrungsergänzungsmitteln (Werbung für Full Contact: „100% natürliches Produkt“) wurden die erektionsfördernden Mittel Tadalafil (Cialis®) oder chemische Varianten von Sildenafil (Viagra®) nachgewiesen. Lebensgefahr besteht beispielsweise für Menschen, die gleichzeitig Nitrat-haltige Arzneimittel zur Vorbeugung von Angina pectoris einnehmen (müssen). Ein durch eine solche Kombination ausgelöster bedrohlicher Blutdruckabfall ist schwer zu behandeln.

Ku Xiu Ba Xiang Jian Fei Wan, Loose Weight Coffee, Migac Fat Burming* Factor, SHoufsy, Super Slim (Yani), Tea Polyphenol, The Slimming Coffee

Diese angeblich natürlichen Produkte zum Abnehmen enthalten den appetithemmenden Wirkstoff Sibutramin (Reductil®, der in Europa wegen Herzkreislaufschädlichkeit seit Jahresbeginn nicht mehr verkauft werden darf. In Super Slim (Yani) fanden Analytiker zusätzlich das Abführmittel Phenolphthalein, das in Deutschland schon vor Jahren aus dem Handel gezogen wurde, weil es möglicherweise Krebs auslöst.

4Ever Fit, aka Advance Muscle Science, Anabolic Xtreme, Better Body Sports, Black China Labs, Body Conditioning Solutions, Bjorklund, Bosc Enterprises, Chaparral Labs, Competitive Edge, Diabolic Labs, Ergopharm, Engineered Sports Technology, Extreme Labs, Fizogen, Genetic Edge Technologies (G.E.T.), Hardcore Formulations, I Force, Kilo Sports, Monster Caps, Myogenix, Nutra Coastal, Performance Anabolics, Purus Labs, Rage, Redefine Nutrition, Transform Supplements

In insgesamt 65 Nahrungsergänzungsmitteln, die unter den oben genannten Namen – zum Teil ergänzt um weitere Bezeichnungen – für Bodybuilder angeboten werden, wurden verschiedene synthetische anabole Hormone entdeckt. Reizbarkeit, Aggressivität, Depression, Schlaganfall und Leberschädigung sowie bei Frauen Veränderungen der Stimme und zunehmende Körperbehaarung sind nur einige der zum Teil lebensbedrohlichen Folgen der Anwendung solcher Anabolika.


Quelle
1 Swissmedic: Ungebrochener Trend: Illegale Arzneimittel kommen vermehrt in die Schweiz, Pressemitteilung vom 9. Febr. 2010




Titelbild dieser Ausgabe


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