Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2008 / 05 S. 11b

Glaube statt Wissenschaft

Was taugen Schüßler-Salze?

Die „Biochemie nach Schüßler“ erfreut sich in Deutschland großer Beliebtheit.1 Mit 24 „Schüßler-Salzen“ sollen die verschiedensten Krankheiten geheilt werden können. Doch das Konzept widerspricht heutigem Fachwissen.

Mitte des 19. Jahrhunderts hat der Arzt Wilhelm Schüßler seine Lehre einer „abgekürzten Therapie“ veröffentlicht.2 Er hatte zuvor mit den Mitteln der Homöopathie gearbeitet und beschlossen, statt der weit über 100 homöopathischen Mittel nur noch 12 zu verwenden. Er meinte, alle Krankheiten hätten ihre Ursache im Mangel an einem bestimmten Mineralsalz. Das Konzept der Schüßler-Salze war geboren. Und entsprechend wird bis heute therapiert: Jede Krankheit ist einem bestimmten Salz zugeordnet. Aus einer Liste von inzwischen 24 Salzen wird jeweils das passende ausgewählt. Verbreiteter ist die so genannte „Antlitzdiagnostik“, bei der der Behandler durch einen Blick auf den Patienten intuitiv auf das richtige Salz tippt. Diese Methode, so Schüßler, könne nicht beigebracht werden, man müsse sie selbst durch Erfahrung lernen.

So schwammig wie die Wahl des Mittels ist auch die Begründung der Therapie. Um den angeblichen Mineralmangel zu beheben, soll das fehlende Salz in homöopathischer Ver­dünnung eingenommen werden. Die Atome aus dem Salz sollen in die kranken Zellen wandern und dort durch ihre Bewegung weitere Mine­rale in die Zellen locken. Diese abenteuerliche Theorie widersprach schon zu Schüßlers Lebzeiten dem medizinischen und chemischen Wissen.

Wissenschaftliche Belege für eine Wirksamkeit fehlen bis heute. Statt dessen werden „Erfahrungsberichte“ angeführt, für die es zwei Gründe geben dürfte: Zum einen werden Schüßler-Salze gern in der Selbstmedikation genutzt. Die Anwender haben das Gefühl, sich etwas Gutes zu tun und eine „sanfte Medizin“ zu verwenden. Zum anderen bieten „biochemisch“ arbeitende Heilpraktiker und Ärzte ihren Patienten etwas sehr Wichtiges: Zeit und Aufmerksamkeit. Beides fehlt in der so genannten Schulmedizin leider viel zu oft. Gerade Zuwendung kann aber die Genesung unterstützen.

Das Konzept der Schüßler-Salze ist nicht haltbar. Dennoch bringen Verlage regelmäßig neue Ratgeber zum Thema auf den Markt. Immerhin richten solche Anwendungen meist keinen Schaden an. Bedenklich wird es aber, wenn wegen der Behandlung mit Schüßler-Salzen eine wirksame Therapie unterbleibt.


Quellen
1    Siehe z.B. Biochemischer Bund Deutschland www.biochemie-net.de
2    Zur Geschichte der Schüßler-Biochemie: Helmstädter, Pharm. Ztg. 51/2007
      www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=4367&type=0



Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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