Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2007 / 06 S. 08

Ungewöhnliche Nebenwirkung

Schmerzen durch Migränemittel

Wenn gegen Migräne einfache Schmerzmittel nicht ausreichen, können die so genannten Triptane helfen. Bei jedem dritten bis sechsten Anwender bleibt allerdings der gewünschte Erfolg aus. Und manchmal hat das Medikament sogar den gegenteiligen Effekt: Es aktiviert Schmerzen.

BlitzMigräneanfälle sind heftige Kopfschmerzen, die vielfach mit Licht-, Geruchs- und Lärmempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen einhergehen. Oft sind triptanhaltige Präparate (z.B. Sumatriptan, Imigran®) wirksam. Aber diese können Nebenwirkungen haben, mit denen man kaum rechnet: Sehr selten kommt es zu Herzschmerzen (Angina pectoris), Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen, eine Folge der gefäßverengenden Wirkung. Und manchmal lösen Triptane Schmerzen aus, die auf längst abgeheilten Verletzungen beruhen. Dadurch können sie erneut zur Qual werden.1 Es kann sich dabei um Beschwerden eines Sonnenbrandes von gestern handeln, um einen Knochenbruch vor ein paar Wochen oder sogar um Operationen vor einigen Jahren. Schmerzen können auch an entzündeten Stellen, beispielsweise im Bereich von Sehnenentzündungen oder rheumatischen Gelenkentzündungen aufflackern.

Eine solche Aktivierung von Schmerzen in Verbindung mit einem Triptan-Migränemittel ist bislang nur selten berichtet worden. Wahrscheinlich unterschätzt man die Häufigkeit aber beträchtlich: Wer ein Triptan gegen Migräne einnimmt, dürfte wohl kaum auf die Idee kommen, dass seine Schmerzen an anderen Körperstellen durch eben dieses Medikament entfacht werden. Auch viele Ärzte dürften nicht an einen solchen Zusammenhang denken – vor allem, weil die Nebenwirkung nicht in den Produktinformationen2 erwähnt ist. Der Effekt kommt offensichtlich nach gespritztem Sumatriptan häufiger vor als nach der Tabletteneinnahme. Es ist nicht auszuschließen, dass alle Arzneimittel aus der Triptanreihe Schmerzen aktivieren können. Sollten Sie den Verdacht haben, an einer solchen Nebenwirkung zu leiden, teilen Sie dies bitte Ihrem Arzt mit (siehe Kasten).


Quellen
1    Arzneimittelkursbuch 2007/08, A.V.I. Arzneimittel-Verlags-GmbH, Berlin 2007, 15. Ausg., Seite 1666-7
2    z.B. GlaxoSmithKline, Fachinformation für Imigran® Filmtabletten, Stand Juni 2007


Sie vertragen ein Mittel nicht?

Vertragen Sie ein Mittel nicht oder fallen Ihnen bei der Einnahme ungewöhnliche Reaktionen auf, die vom Medikament ausgelöst sein könnten, dann sprechen Sie darüber mit Ihrem Arzt. Er kann die Behandlung ändern und gegebenenfalls eine – anonymisierte – Meldung über den Verdacht einer Nebenwirkung schreiben.

Diese wird er zur Auswertung an die zuständige Behörde, die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, die betroffene Firma oder das Erfassungssystem des arznei-telegramm® senden. Meldesysteme helfen, die Verträglichkeit eines Arzneimittels besser zu beurteilen und schützen so letztlich Sie und andere Patienten vor riskanten Mitteln.


Wie werden Nebenwirkungen erkannt?

Wenn ein neues Arzneimittel auf den Markt kommt, weiß man meist noch viel zu wenig über seine Nebenwirkungen. Was im Beipackzettel steht, stammt aus klinischen Studien, die für die Zulassung des Arzneimittels erforderlich waren. In diesen Studien geht es aber hauptsächlich um den Nachweis der Wirksamkeit und weniger um die umfassende Prüfung der Verträglichkeit. Auch sind in Zulassungsstudien nur relativ wenige Menschen einbezogen – mehrere hundert bis wenige tausend. Aus diesem Grund werden vor allem seltenere Nebenwirkungen oft erst nach der Markteinführung bekannt, wenn mehr Menschen das Arzneimittel eingenommen haben. Besonders bei neuen Medikamenten gilt es daher, aufmerksam zu sein.


Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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