Mit Epilepsie leben

© luaeva –Fotolia.com
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Mit Epilepsie assoziieren viele Menschen immer noch „Geisteskrankheit“ und etwas äußerst Ungewöhnliches. Beides ist falsch. Zwar mag ein „klassischer“ epileptischer Anfall auf Außenstehende dramatisch wirken, aber in der Regel ist er für den Betroffenen nicht gefährlich. Allerdings kann er oder sie sich etwa durch einen Sturz verletzen. Übrigens: Fünf von 100 Menschen haben irgendwann in ihrem Leben einen epileptischen Anfall. Gute Pillen - Schlechte Pillen hat zur Epilepsie den fachlichen Spezialisten Dr. Christian Brandt befragt und aufgelistet, was im Fall des (An-)Falles von Angehörigen, Freunden oder Passanten zu beachten ist.

Epilepsie ist eine Krankheit, die das Gehirn betrifft. Ihre Ursachen sind unterschiedlich – und längst nicht vollkommen erforscht. Eine Veranlagung kann Anfälle begünstigen. Aber auch nach einem Schlaganfall oder durch (operierte) Hirntumoren kann es zu epileptischen Anfällen kommen. Diese passieren, wenn sich im Gehirn zu viel Erregung in den Nervennetzen aufbaut.

Das Erscheinungsbild der Anfälle ist vielgestaltig: Manchmal ist es nur ein Kribbeln in den Gliedmaßen oder eine sekundenschnelle unbemerkte Ohnmacht. Manchmal kommt es zu Sinnestäuschungen, etwa als Déjà-vu-Erlebnis. Ein sogenannter großer Anfall beginnt mit Versteifungen und Zuckungen, ansprechbar ist der Betroffene dann für wenigstens zwei, drei Minuten nicht. Nur selten ist ein Anfall ein Notfall.

Für Dr. Christian Brandt, leitender Abteilungsarzt im Epilepsie-Zentrum Bielefeld-Bethel, ist der Begriff „Epileptiker“ unpassend und zu stigmatisierend. Er plädiert für „Menschen mit Epilepsie“ und betont, dass die meisten mit dieser Krankheit gut und recht „normal“ leben können. Viele benötigen allerdings Arzneimittel, einigen hilft ein chirurgischer Eingriff.

GPSP: Was tun im Fall der Fälle?
Vorgefühl
: Manche Menschen mit Epilepsie ahnen es („Aura“), wenn ein Anfall naht und sind in der Lage, den Verlauf zu unterbrechen – etwa durch Techniken wie Zählen oder indem sie an etwas Besonderes denken. Manchmal lässt sich das sogar trainieren.

Helfen: Sie können dafür sorgen, dass die betroffene Person sich nicht verletzt, etwa an der Glasplatte auf dem Wohnzimmertisch oder auf der Straße. Nach dem Anfall sollten Sie sie, sofern sie noch bewusstlos ist, in die stabile Seitenlage bringen, bei Bedarf die Atemwege frei machen und abwarten, ob er oder sie sich gut erholt. Entweder begleiten Sie die Person oder sie geht alleine ihres Weges.

Eingreifen: Angehörige können helfend eingreifen, denn es gibt Notfallmedikamente (mit einem Wirkstoff aus der Gruppe der Benzodiazepine), die in den Mund getröpfelt oder als Rektaltube in den After gegeben werden. Dies ist aber nur sinnvoll, wenn jemand nicht nur einen einzelnen Anfall bekommt, sondern Serien, oder wenn der Anfall nicht von selbst aufhört.

Unterlassen: Einem Betroffenen einen Beißkeil oder Löffel in den Mund zu schieben, damit er oder sie sich nicht auf die Zunge beißt, ist sinnlos und kann zu Verletzungen führen. Falsch ist auch, sie oder ihn festzuhalten, um Zuckungen zu unterbinden. 
Achten Sie auch auf Eigenschutz.

Rettungsdienst: Den müssen Sie bei einer bekannten Epilepsie nur rufen (Notruf 112), wenn der Mann, die Frau oder das Kind blutet oder anderweitig verletzt ist, wenn ein großer Anfall länger als fünf Minuten dauert oder der Betreffende nicht wieder zu sich kommt.

Mehr zu den Hintergründen der Epilepsie und ihrer Behandlung finden Sie in unserem Experten-Interview im Originalartikel der Ausgabe GPSP 3/2016: http://gutepillen-schlechtepillen.de/nachgefragt-gewitter-im-gehirn/

Die Veröffentlichung dieser Mitteilung ist kostenlos unter Angabe der Quelle www.gutepillen-schlechtepillen.de oder Gute Pillen - Schlechte Pillen 3/2016. Über Rückmeldung oder Beleg freuen wir uns.

Pressemitteilung als PDF

Redaktion Gute Pillen - Schlechte Pillen
August-Bebel-Str. 62
D-33602 Bielefeld

Gute Pillen - Schlechte Pillen ist ein Gemeinschaftsprojekt von: DER ARZNEIMITTELBRIEF, arznei-telegramm, Arzneiverordnung in der Praxis und Pharma-Brief. Alle beteiligten Zeitschriften sind Mitglied der International Society of Drug Bulletins (ISDB). Herausgeber: Gute Pillen, Schlechte Pillen - Gemeinnützige Gesellschaft für unabhängige Gesundheitsinformation mbH, Bergstr. 38A, 12169 Berlin, HRB 98731B Amtsgericht Berlin-Charlottenburg, Geschäftsführer: Wolfgang Becker-Brüser, Jörg Schaaber, Prof. Dr. Walter Thimme. Steuernr. 27/603/52625

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