Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2008 / 06 S. 14b

Vorsicht! Gepanschtes aus dem Internet

Arzneistoffe in Nahrungsergänzungsmitteln

Untersuchungsamt in Karlsruhe prüft und schweigt

Schweiz kontrolliert

Mindestens 50.000 illegale Arzneimittelsendungen gelangen jedes Jahr per Post in die Schweiz – bei steigender Tendenz, warnt die Schweizer Kontrollbehörde swissmedic.1 Potenzpillen, Muskelaufbaupräparate, Schlankheitsmittel und Produkte aus dem Anti-Aging-Bereich zählen in der Schweiz und in Deutschland zu den Spitzenreitern bei illegalen und gefälschten Importen.1,2 Konkrete Angaben zum Ausmaß solcher Importe nach Deutschland fehlen allerdings.

Deutschland: Konkretes fehlt

Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt in Karlsruhe überprüfte systematisch 325 Produkte, die als Nahrungsergänzungsmittel über das Internet bezogen wurden. Die Prüfer fanden darin Wirkstoffe, die nur als Bestandteil zugelassener Arzneimittel vertrieben werden dürfen. Beigemischt waren den Präparaten beispielsweise Ephedrakraut, das den blutdrucksteigernden und aufputschenden Wirkstoff Ephedrin enthält, Octopamin, das früher als Arzneimittel zur Behandlung eines zu niedrigen Blutdrucks verwendet wurde, oder Yohimbin, das seit Jahrzehnten recht erfolglos gegen Impotenz verwendet wird und durch Angst, Nervosität und Unruhe das Reaktionsvermögen beeinträchtigen kann.2 Die Namen der geprüften Produkte teilt das Untersuchungsamt unverständlicherweise nicht mit.


Risiko Internet

Internet-Besteller sind sich meist nicht bewusst, welche Risiken sie beim Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln, Arzneimitteln und Medizinprodukten über das Netz eingehen. Es sind Risiken, die bei den legalen Vertriebskanälen nur in Ausnahmefällen bestehen. In fast jeder Ausgabe warnt GPSP daher vor den Gefahren Arzneimittel-ähnlich aufgemachter Präparate, die man über das Internet beziehen kann (siehe z.B. GPSP 5/2008, S. 14).


Folgende Produkte enthielten bei aktuellen Überprüfungen nicht deklarierte chemische Wirkstoffe:


Neu gefundene gepanschte Produkte:

Arma – Sin Gang San, Carbohydrate Cut, Fat Killer, Hanguo shoushen yihao (meiti xing), New Arma – Sin Gang San, Sugar Carbohydrate Cut

In diesen als Nahrungsergänzung zur Gewichtsabnahme angebotenen Präparaten entdeckten Analytiker verbotene und verheimlichte Beimischungen der verschreibungspflichtigen appetithemmenden Mittel Sibutramin (Reductil®) oder Fenfluramin (wegen Schädigung der Herzklappen nicht mehr im Handel).

Chong Cao Ju Wang, Dr. Life, Eros Fire, Lover Liquid Nutriment Herbal Supplement, Lu Quan, Onyo, Powertabs, Rose 4 Her, Sweet Energizer Vitality Candy for men, Zhuang Yao Gu Shen

In diesen zur Förderung der Erektion angebotenen Nahrungsergänzungsmitteln wurden verbotene und verheimlichte Beimischungen von verschreibungspflichtigen erektionsfördernden Wirkstoffen wie Sildenafil (Viagra®), Tadalafil (Cialis®), Vardenafil (Levitra®) oder deren chemischen Varianten gefunden. In Lu Quan fand sich außerdem das blutzuckersenkende Glibenclamid (Euglucon® u.a.)


Quellen
1 swissmedic aktuell: “Mehr Sicherheit für Patienten”, Pressemitteilung vom 15. Okt. 2008
2 Löbell-Behrends, S. et al.: Kontrolle des Internethandels mit Anti-Aging und Schlankheitsmitteln. Deutsche Lebensmittel-Rundschau 2008; 104: 265-70


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