Aktuelle Ausgabe GPSPAbonnierenEinzelpersonen Wer wir sindUnabhängige Information zur Gesundheit: Information pur, ohne Werbung. Die Verbraucherzeitschrift Gute Pillen – Schlechte Pillen bietet Orientierung im Pharma-Dschungel. KarikaturenWenn Sie wissen möchten, warum diese Frau Reiß aus nimmt, dann lesen Sie Pillen statt Fisch oder Salatöl? Karikaturen bringen die Sache auf den Punkt, bieten meist einen speziellen Blickwinkel und sie bringen uns oft zum Schmunzeln oder Lachen. Und Lachen ist bekanntlich gesund! Deshalb gibt es in jeder Ausgabe von Gute Pillen – Schlechte Pillen eine Karikatur. Aber Sie finden alle bisher erschienenen auch hier auf unserer Webseite. |
Unabhängige Informationen zur GesundheitDie Verbraucherzeitschrift Gute Pillen - Schlechte Pillen bietet Orientierung im Pharmadschungel. Hier finden Sie Informationen pur. Alle zwei Monate erscheint eine neue Ausgabe von Gute Pillen - Schlechte Pillen. Hier auf der Webseite informieren wir über aktuelle Warnungen vor Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln und auch über gesundheitspolitische Entwicklungen im Pharmabereich.
WHO unter EinflussWer redete bei Schweinegrippe – Pandemie mit?(6.7.2010) Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Schweinegrippe frühzeitig als Pandemie eingestuft und damit unnötig Ängste ausgelöst. Jetzt muss sich die WHO fragen lassen, welchen Einfluss Arzneimittelhersteller auf ihre Entscheidung hatten und wie es zu der weltweit gigantischen Geldverschwendung für Impfstoffe und Grippemittel kam.1 Unter dem Eindruck der Vogelgrippe 1997 in Hongkong wurden bei der WHO Pläne geschmiedet, wie künftige Pandemien in den Griff zu bekommen seien. Dies ist im Prinzip richtig und wichtig, damit im Falle eines Falles schnell und konsequent gehandelt werden kann. Die Pandemiepläne der WHO sind allerdings unter wesentlicher Mitarbeit von Experten entstanden, die von Pharmafirmen Geld erhalten. Mit dabei war der Präsident der sogenannten „europäischen wissenschaftlichen Arbeitsgruppe Influenza“, die von dem Grippemittel-Produzenten Roche und von impfstoffproduzierenden Firmen finanziert wird. In ihrem Strategiepapier steht, was sie vor hat: Politikern zu vermitteln, dass im Hinblick auf Pandemien die Forschung zu Impfstoffen gefördert werden müsse und Grippemittel einzulagern seien. Das ist schlichtweg Lobbyarbeit. Die WHO kennt zwar die Interessenkonflikte der beteiligten Berater, verschweigt sie aber in Pandemieplänen. Rückblick: Im Frühjahr 2009, also kurz vor Ausbruch der Schweinegrippe, hatte die WHO die Definition dessen, was eine Pandemie ist, abgeschwächt und die Passage gestrichen, die eine „beträchtliche Zahl von Toten“ zur Voraussetzung der Definition macht. Der Zeitpunkt dürfte Zufall gewesen sein, denn die neue Grippe war noch nicht in Sicht. Kein Zufall mag es hingegen sein, dass diese Änderung unter Beteiligung von Experten erfolgte, die Gelder solcher Firmen erhalten, die bei einer Pandemie profitieren. Nur auf der Basis der abgeschwächten Kriterien war es der WHO möglich, bereits wenige Wochen nach Ausbruch der Schweinegrippe eine Pandemie auszurufen. Und dies war der Startschuss für die Produktion von Impfstoffen und die Einlagerung von antiviralen Grippemitteln wie Oseltamivir (Tamiflu®). Für Pharmafirmen hat sich die ausgerufene Pandemie als wahres Konjunkturprogramm erwiesen. Allein die Firma Novartis erzielte über eine Milliarde Dollar Umsatzsteigerung im ersten Quartal 2010 mit dem Verkauf von Schweinegrippeimpfstoffen. Das meiste für Impfstoffe und antivirale Mittel ausgegebene Geld ist allerdings verschwendet. Von den in Deutschland bestellten 50 Millionen Impfdosen wurden lediglich 7 bis 8 Millionen verbraucht, 16 Millionen konnten abbestellt werden. Somit liegen in deutschen Kühlanlagen noch rund 27 Millionen Impfdosen, die 225 Millionen € gekostet haben. Aufwendungen für Lagerung und spätere Entsorgung kommen hinzu. Ob aber die Impfstoffe im Falle einer schwereren Pandemie tatsächlich bedrohliche Folgen der Grippe verhütet hätten, bleibt offen und selbst während der Infektionswelle wurde dies unzureichend untersucht. Auf die Einlagerung von antiviralen Mitteln hätte man besser gänzlich verzichtet, da nicht belegt ist, dass sie überhaupt schwere Folgen der Schweinegrippe verhindern. Vieles ist also schief gelaufen. Und jetzt gilt es, aus Fehlern zu lernen. Das scheint bei den Verantwortlichen aber nicht der Fall zu sein. Wie sonst lässt sich verstehen, dass das Bundesgesundheitsministerium der deutschen Delegation im Europarat empfohlen hat, eine Resolution abzulehnen, die mehr Transparenz bei Entscheidungsfindungen der WHO, den Ausschluss von Industrielobbyisten und eine Aufarbeitung der folgenschweren Fehlentscheidungen bei der Schweinegrippe fordert? 2 Es wäre derzeit wohl unrealistisch zu fordern, dass die WHO Fachleute, die finanzielle Verbindungen zu Firmen haben, grundsätzlich ausschließt. Es ist jedoch nicht hinnehmbar, dass Experten mit Verbindungen zu Herstellern, deren Verkaufserlöse durch WHO-Maßnahmen hochschnellen können, an der Entwicklung offizieller Pandemiepläne beteiligt sind und dass die WHO solche Interessenkonflikte verschweigt. Wir können von Glück sagen, dass die Schweinegrippe so mild verlaufen ist. Denn das Risikomanagement der WHO und auch der nationalen Behörden, die schlecht verträgliche Impfstoffe in absehbar zu großen Mengen geordert hatten, war zumindest unprofessionell. Ein Umdenken und eine unabhängige Aufarbeitung sind notwendig.1
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