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Akute Bronchitis: Abwarten und Tee trinken

Antibiotika sind meist nutzlos

Jetzt wird allerorten gehustet. Husten ist das typische Symptom einer akuten Bronchitis und kann das Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen. Meist heilt die akute Bronchitis ohne Komplikationen von selbst ab. Die weit verbreitete Verwendung von Antibiotika ist meist unsinnig und birgt unnötige Risiken.

Die akute Bronchitis ist meist Folge eines so genannten „grippalen Infekts“ und beruht auf einer Entzündung der unteren Atemwege (Bronchien). Im Gegensatz zu so genannten banalen Infekten der oberen Atemwege (Schnupfen) geht sie häufig mit einem schlechten Allgemeinbefinden, zunächst trockenem Husten und Fieber einher. Pro Jahr erkranken etwa fünf von 100 Erwachsenen an akuter Bronchitis. In der Regel wird sie durch Viren verursacht, nur bei jedem Zehnten sind Bakterien für die Erkrankung verantwortlich. Antibiotika sind gegen Viren völlig wirkungslos. „Umso erstaunlicher ist es, dass Ärzte zwei von drei Patienten von Anfang an Antibiotika verordnen. Sie wirken sich weder auf die Genesung noch auf die Dauer der Arbeitsunfähigkeit günstig aus. Aber sie können unangenehme Nebenwirkungen haben.“ Darauf weist der Dr. Christian Wagner, Redakteur der Verbraucherzeitschrift Gute Pillen - Schlechte Pillen hin.

Die Behandlung mit Antibiotika wird bisweilen damit begründet, dass sich dadurch Komplikationen – wie die Entwicklung einer Lungenentzündung – abwenden ließen. Dafür gibt es aber keinen wissenschaftlichen Beweis. Dagegen ist unbestritten, dass die weitverbreitete unnötige Behandlung mit Antibiotika Bakterien gegen zuvor wirksame Präparate zunehmend resistent, also widerstandsfähig, macht. Wird irgendwann wirklich einmal ein Antibiotikum benötigt, hilft es dann möglicherweise nicht mehr. Eine bedrohliche Komplikation jeder Antibiotikabehandlung ist übrigens eine akute Darmentzündung.

Es gibt nur wenige Situationen, in denen man bei einer akuten Bronchitis wirklich ein Antibiotikum braucht: Das betrifft in erster Linie Menschen, die an anderen schweren Erkrankungen, z.B. der Lunge oder des Herzens leiden.


Abwarten und Tee trinken


Allgemein wird empfohlen, dass man bei akuter Bronchitis mit Fieber – falls keine andere Krankheit dagegen spricht – viel trinken soll. Das soll den Bronchialschleim flüssiger machen und das Abhusten des Schleims erleichtern. Auch sollten Sie darauf achten, dass die Raumluft nicht zu trocken ist. Dampfinhalationen können zumindest das Gefühl der Linderung der Beschwerden bringen. Reiner Wasserdampf reicht.

Viele andere Maßnahmen gegen Bronchitis sind entbehrlich oder manchmal sogar schädlich. Sehr häufig werden so genannte schleimlösende Medikamente (Mukolytika), wie Acetylcystein (Fluimucil® u.a.) verordnet. Ihr Nutzen ist allerdings umstritten und wissenschaftlich nicht belegt. Angeboten werden auch zahlreiche pflanzliche Mittel, beispielsweise mit Efeuextrakt (Prospan® u.a.) oder Thymianextrakt (Aspecton® u.a.). Sie werden traditionell als Hustenlöser verwendet und stammen aus einer Zeit, in der an den Nachweis der Wirksamkeit von Arzneimitteln nur geringe Ansprüche gestellt wurden. Ungünstig ist zudem der oft hohe Alkoholgehalt flüssiger Zubereitungen (z.B. 47% Alkohol in Prospan® Hustentropfen).

Meist ist es nicht angebracht, den Hustenreiz zu dämpfen. So genannte Hustenblocker, wie das rezeptpflichtige Codein oder Dihydrocodein (Paracodin®), die bei quälendem, trockenem Reizhusten für wenige Tage sinnvoll sein können, verhindern nämlich, dass das Sekret aus den Bronchien abgehustet werden kann. Abzuraten ist von rezeptfreien Erkältungsmitteln, die Antihistaminika enthalten wie Grippostad® oder Wick Medinait®. Sie machen nicht nur müde, sondern möglicherweise auch den Schleim in den Bronchien zäh und klebrig. Auch dies hat zur Folge, dass er schlechter abgehustet werden kann. Auch für Umckalaobo® fehlen überzeugende Wirkungsnachweise.


Zum Originalartikel in Gute Pillen - Schlechte Pillen:
GPSP 06/2007, Seite 1


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Ausführliche Informationen unter
www.gutepillen-schlechtepillen.de

Ansprechpartner für die Presse:
Dr. Christian Wagner, redaktion@gp-sp.de

Gute Pillen - Schlechte Pillen ist ein Gemeinschaftsprojekt von: arznei-telegramm, Arzneiverordnung in der Praxis, DER ARZNEIMITTELBRIEF und Pharma-Brief. Alle beteiligten Zeitschriften sind Mitglied der International Society of Drug Bulletins (ISDB).

Herausgeber: Gute Pillen, Schlechte Pillen - Gemeinnützige Gesellschaft für unabhängige Gesundheitsinformation mbH, Bergstr. 38A, 12169 Berlin, HRB 98731B Amtsgericht Berlin-Charlottenburg, Geschäftsführer: Wolfgang Becker-Brüser, Jörg Schaaber, Prof. Dr. Walter Thimme

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