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Die Verbraucherzeitschrift Gute Pillen - Schlechte Pillen bietet Orientierung im Pharmadschungel. Hier finden Sie Informationen pur.

Alle zwei Monate erscheint eine neue  Ausgabe von Gute Pillen - Schlechte Pillen. Hier auf der Webseite informieren wir über aktuelle Warnungen vor Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln und auch über gesundheitspolitische Entwicklungen im Pharmabereich.


Aktuelle Meldung vom 7. Oktober 2011

(K)ein Grund zum Feiern

Pharma-Kampagne fördert gerechten Zugang zu Arzneimitteln

© J. Schaaber

Ob ein Kranker zuverlässige Arzneimittel erhält, das hängt erheblich davon ab, in welchem Staat er geboren wurde und wie hoch sein Einkommen ist. Ihr 30-jähriges Jubiläum nutzte die Pharma-Kampagne, um auf einer Fachtagung mit Gästen aus Indien, Brasilien, Südafrika, den Niederlanden und den USA zu untersuchen, woran eine gerechte Verteilung von Arzneimitteln scheitert, welche Hindernisse aus dem Weg geräumt werden müssen und mit welchen Kampagnen das von Bielefeld aus koordinierte Netzwerk besonders erfolgreich war. Die Pharma-Kampagne gibt unter anderem den Pharma-Brief heraus, eine der vier Mutterzeitschriften von Gute Pillen - Schlechte Pillen.

Seit nunmehr 30 Jahren analysiert und berichtet die Pharma-Kampagne, wie die Geschäftspraktiken der pharmazeutischen Industrie verhindern, dass alle Menschen diejenigen Arzneimittel erhalten, die sie benötigen. Als in den 80er Jahren Deutschland mit seinen großen Arzneimittelfirmen laut Eigenwerbung „Apotheke der Welt“ war, ließen die Bielefelder in die Dritte Welt exportierte Arzneimittel von Fachleuten überprüfen. Das Ergebnis war schockierend: Viele Präparate waren veraltet, es gab bessere Alternativen. Manche waren unwirksam, andere in Deutschland längst verboten. Für die Armen der Welt war diese Apotheke der Welt ein Ramschladen. (Mehr dazu in Mabuse, Juli/August 2011)

Auf der Fachtagung wurde deutlich, dass sich die Probleme nur verschoben haben: Patente auf Arzneimittel und der hohe Preis verhindern, dass Kranken überall auf der Welt die notwendigen Medikamente zur Verfügung stehen. Darüber hat die Pharma-Kampagne in den letzten Jahren nicht nur immer wieder informiert, sondern auch mit Erfolg Gegenmaßnahmen in Gang gesetzt. Und auch, dass in Europa Pharmafirmen weiterhin nicht für verschreibungspflichtige Arzneimittel werben dürfen, geht zu einem Gutteil auf das Konto des Bielefelder Teams aus Medizinern, Natur– und Sozialwissenschaftlern und seinen zahlreichen ehrenamtlichen Helfern.

Die Bielefelder Fachtagung machte in Workshops und Podiumsdiskussionen die gravierenden Schwachpunkte der Gesundheitssysteme überall auf der Welt deutlich.

USA: Nur in den USA und Neuseeland darf für verschreibungspflichtige Medikamente geworben werden. Die Ärztin Prof. Adriane Fugh-Berman kritisierte das scharf, und vor allem, dass umso mehr für ein Präparate geworben wird, je geringer sein Nutzen ist.

Indien: Obwohl das Land zu einem wichtigen Arzneimittelproduzenten aufgestiegen ist, erhalten Millionen Arme nicht die Präparate, die sie brauchen. Die Ärztin Roopa Devadasan vom Institut für Public Health in Bangalore sagte: Sie werden mit billigen Vitaminen abgespeist, wenn sie Antibiotika brauchen.

Südafrika: In keinem anderen Land auf der Welt gibt es so viele Aids-Kranke wie in Südafrika. Der Arzt Prof. Andrew Lofts Gray von der Universität in Durban erinnerte daran, dass es nicht reicht, sie mit Arzneimitteln zu versorgen. Wichtig sei die Finanzierung von guter Forschung zu vorbeugenden Maßnahmen, um die Ausbreitung der HIV-Infektion endlich zu stoppen.

Brasilien: Immer noch sind in Brasilien Metamizol-Präparate frei verkäuflich, obwohl der Wirkstoff schwerste unerwünschte Wirkungen haben kann. Rogério Hoefler – Pharmazeut am brasilianischen Medikamenten-Informationszentrum – demonstrierte, wie deutsche Firmen ungeniert in seinem Land metamizolhaltige Schmerzmittel bewerben – mit Indikationen, für die es hierzulande aus guten Gründen keine Zulassung gibt.

Deutschland: Es gibt in Deutschland gute unabhängige Informationen über Arzneimittel für Ärzte und Ärztinnen, vor allem in den Mutterzeitschriften von Gute Pillen – Schlechte Pillen. Aber, so Prof. Wolf-Dieter Ludwig – Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft –, wir Mediziner werden mit „Informationen“ in Hochglanzbroschüren und Werbung zugemüllt. Dem vielbeschäftigten Arzt oder der Ärztin fällt es da manchmal schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Fazit: Es bleibt viel zu tun. Das fanden auch die eingeladenen Politiker, darunter der Europaabgeordnete und Arzt Dr. Peter Liese (CDU), Kathrin Vogler (Die Linke) – stellvertretende Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag –, und der Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen).

Neuere Themen:

4.11.2011 Arzneimittel
Viele ältere Menschen vertragen ihre Medikamente nicht und müssen deshalb sogar ins Krankenhaus.

13.10.2011 Drei Gründe zum Feiern
Ehrungen für Mitbegründer von Gute Pillen – Schlechte Pillen

Ältere Themen:

20.9.2011 Selbsttötung: Heikles Akne-Medikament
Manche Medikamente können Menschen depressiv machen und sogar in den Suizid treiben. Auch der Arzneistoff Isotretinoin, den Ärzte bei schwerer Akne verschreiben können, steht in diesem Verdacht.

24.8.2011 Pandemrix®: Impfstoff zu Schutt und Asche
Im Sommer 2009 hatten wir „Schweinegrippe“-Alarm. Und jetzt wird das derzeit letzte Kapitel in Sachen „Schweinegrippeimpfung“ geschrieben.

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