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Karikaturen bringen die Sache auf den Punkt, bieten meist einen speziellen Blickwinkel und sie bringen uns oft zum Schmunzeln oder Lachen. Und Lachen ist bekanntlich gesund! Deshalb gibt es in jeder Ausgabe von Gute Pillen – Schlechte Pillen eine Karikatur. Aber Sie finden alle bisher erschienenen auch hier auf unserer Webseite. |
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© Jörg Schaber |
Soll man sich hierzulande vorsorglich Jodtabletten besorgen? Dies ist eine häufig gestellte Frage angesichts des Austritts von Radioaktivität aus den Atomreaktoren in Fukushima. Die Antwort lautet eindeutig nein. Hier die Gründe.
Für ihre Hormonproduktion benötigt die Schilddrüse ständig Jod. Ihren Bedarf deckt sie hauptsächlich mit Jod aus der Nahrung. Sind die üblichen Jodquellen jedoch radioaktiv verseucht, reichert sich schädliches radioaktives Jod-131 in die Schilddrüse an und strahlt vor Ort. Dadurch kann sich langfristig Schilddrüsenkrebs entwickeln.
Jodtabletten sollen die Jodaufnahme aus der radioaktiv belasteten Umwelt verhindern („Jodblockade“). Das funktioniert allerdings nur, wenn das Jod zeitgerecht eingenommen wird, das heißt kurz vor oder gleichzeitig mit der Belastung durch radioaktives Jod in Luft und Nahrung. Jede Stunde Verzögerung verringert den Nutzen der Maßnahme: Jodtabletten einzunehmen macht bereits einen Tag nach Aufnahme radioaktiven Jods keinen Sinn mehr. Im Gegenteil: Zusätzliches Kaliumjodid könnte sich dann sogar schädlich auswirken, weil das radioaktive Jod im Körper länger verweilen würde.1 Werden andererseits die Jodtabletten zu früh eingenommen, bleibt ein ausreichender Schutzeffekt aus.
Nach der Havarie der Atomreaktoren in Japan ist damit zu rechnen, dass auch hierzulande etwas mehr radioaktives Jod in der Luft ist, wegen des Verdünnungseffektes allerdings nur sehr, sehr wenig. Die zusätzliche Gefährdung ist also minimal. Weil Jodtabletten unerwünschte Wirkungen haben können, ist es nur bei einer wirklich relevanten Belastung durch radioaktives Jod vertretbar und sinnvoll. Aber auch dies gilt nicht für jeden: In den aktuellen Empfehlungen zur „Jodblockade“ wird unter Abwägung von Nutzen und Schaden Personen über 45 Jahren davon abgeraten, Jodtabletten einzunehmen. Denn mit zunehmendem Alter ist das Risiko der unerwünschten Wirkungen größer als das Risiko, später an Schilddrüsenkrebs zu erkranken.
Wer also jetzt Jodtabletten anwendet, würde sich unnötig dem Risiko von Magen-Darm-Störungen, allergischen Reaktionen einschließlich Hautausschlag, Halsschmerzen, Schnupfen, Speicheldrüsenschwellungen, Wassereinlagerungen im Gewebe oder Fieber aussetzen. Schließlich kann es zu Schilddrüsenüberfunktion mit Unruhe, Herzklopfen, Gewichtsabnahme oder Durchfall kommen.1
Ohnehin darf sich niemand in falscher Sicherheit wiegen: Auch eine zeitgerechte „Jodblockade“ der Schilddrüse schützt nicht vor radioaktiver Strahlung, die auf den Körper trifft und auch nicht vor den Folgen anderer radioaktiver Stoffe wie Caesium 137, Plutonium 239 oder Strontium 90. Insgesamt wird daher die Bedeutung des „Schutzes“ der Schilddrüse durch Kaliumjodid überschätzt.
Es besteht hierzulande keine Veranlassung sich wegen des Austritts von Radioaktivität aus dem japanischen Atomkraftwerk in Fukushima, Jodtabletten zu besorgen. Wer jetzt Jodtabletten einnimmt, riskiert sogar beträchtliche unerwünschte Wirkungen, ohne einen Nutzen zu haben.
Weitere Informationen zu Schäden durch radioaktive Strahlung finden Sie hier: PDF zum Download
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